Briefzustellung in Dänemark endete zum 30.12.2025

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schlepper

Erfahrenes Mitglied
31.08.2016
4.534
5.295
FRA
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In Dänemark hat sich das staatliche Unternehmen Postnord von der Briefzustellung verabschiedet, jedoch bietet ein Privatunternehmen weiterhin die Briefzustellung an. Mich würden an dieser Stelle die Kommunikationswege von Behörden interessieren, erhält jeder Bürger ausnahmslos behördliche Schreiben per E-Mail?

 

geos

Erfahrenes Mitglied
23.02.2013
14.430
8.341
M.W. stellt die dänische staatliche Post die Briefzustellung ein. Es gibt allerdings weiterhin Briefzustellung in Dänemark. Die Überschrift ist demnach unzutreffend.
 

weltfahrer

Erfahrenes Mitglied
07.09.2018
314
121
Und was ist, wenn jemand ein Original für eine ausländische Behörde braucht? Nicht nur Deutschland ist so papieraffin.
 

Ed Size

Erfahrenes Mitglied
16.03.2009
9.616
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Ach wie wunderbar wäre es wenn man in DE wenigstens per E-Mail rechtssicher mit Behörden kommunizieren dürfte - aber ich träume
 
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JayOnRails

Erfahrenes Mitglied
12.06.2022
461
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Ludwigshafen am Rhein
Kinder unter 15 Jahren sind nicht benutzungspflichtig. Bis 15 Jahren haben die Erziehungsberechtigten viele Einsichtsmöglichkeiten, ein Beispiel wären digitale Krankenakten, die teilweise von den Erziehungsberechtigten eingesehen werden können, bis das Kind 15 Jahre alt wird. Ab 15 Jahren bekommt das Kind eine eigene MitID und die Erziehungsberechtigten verlieren automatisch den Zugang.

Die 300.000 Menschen sind somit keine Kinder unter 15 Jahren. Typische Befreiungsgründe sind körperliche oder geistige Behinderung, hier wird bspw. die betroffene Person von MitID befreit; häufig wird das mit einer Vollmacht für eine betreuende Person verbunden. Weitere Gründe sind fehlender Zugang zu einem Computer am Wohn- oder Aufenthaltsort; hier ist es jedoch in der Regel statthaft dass man einen Computer in einer Bibliothek oder in einem Gemeindezentrum benutzen soll. Falls man den Wohnsitz aus Dänemark verlegt, aber noch im CPR gelistet ist (dänischer Staatsbürger, nordischer Bürger mit früherem Wohnsitz in Dänemark, Verbindungen zu Skat, etc.), kann eine Befreiung beantragt werden - je nachdem, was man für Gründe vor bringt, gibt es eine individuelle Einzelfallprüfung.

In Dänemark hat die Digitalisierung der Verwaltungs und Unternehmensprozesse bereits ab ca. 1980 begonnen. Viele nun ältere Menschen haben diese Digitalisierung mitgestaltet, das Vertrauen der Gesellschaft in die staatliche Organisation und Unternehmen ist deutlich höher, als wir es in Deutschland kennen. Kommunikation mit Behörden am Telefon laufen per Du, die Mitarbeiter dort möchten dir helfen, und suchen keine Gründe, weshalb etwas nicht geht. Da alle Daten zentral vorliegen, sind Verwaltungsprozesse schlank, effizient und schnell erledigt - dasselbe Dokument muss nicht an verschiedenen Stellen mehrfach eingesandt werden, etc.

Wer sich dafür tiefergehend interessiert, kann hier weiterlesen: https://digst.dk/it-loesninger/digital-post/
Die gesetzliche Grundlage, zuletzt 2021 angepasst, findet man hier: https://www.retsinformation.dk/eli/lta/2021/686 - Grund für die Anpassung war der Übergang von NemID (dem alten System) zu MitID, der neuen Plattform für digitale Leistungen.

Und was ist, wenn jemand ein Original für eine ausländische Behörde braucht? Nicht nur Deutschland ist so papieraffin.

Wenn das Dokument von einer dänischen Behörde digital ausgestellt und dir zugestellt wurde, kannst du dies einfach online bestellen. Du gehst dazu auf diese Seite, bezahlst etwa 32,00 EUR und bekommst das Dokument dann ausgedruckt und mit Apostille versehen per Post zugesandt. Dieser Vorgang dauert ca. 5 Werktage. Im Allgemeinen werden die digitalen Dokumente in der dänischen Reichsgemeinschaft überall anerkannt. Grönländische und färöische Dokumente dauern teilweise etwas länger zur Bearbeitung, weil diese nicht alle zentralisiert signiert werden (damit habe ich allerdings keine Erfahrungen bisher).

Die erweiterte Meldebescheiningung (bopælsattest) oder die kirchliche Geburtsurkunde (registerindsigt) können wahlweise auch auf deutscher Sprache ausgestellt werden. Diese kann man sich auch direkt auf Papier bestellen, sodass der Zwischenschritt über Udenrigsministeriet sparen kann. Braucht man bspw. ein Schulzeugnis oder ein Diplom, kann man dies einfach digital anfordern, wenn man seinen Abschluss nach 2004 gemacht hat.

Heiratet man in Dänemark, stellt das Standesamt den Nachweis über die Ehe in fünf Sprachen, darunter englisch, französisch und deutsch aus. Möchte man ein Ehefähigkeitszeugnis, kann man dies bei familieretshuset.dk bestellen.

Im allgemeinen findet man für all diese Fälle wie üblich unter borger.dk die richtige Lösung. Für viele Lebenssituation gibt es einen umfassenden Guide: https://www.borger.dk/hjaelp-og-vejledning/livssituationer

Innerhalb der nordischen Länder (Dänemark, Färöern, Finnland, Grönland, Norwegen, Schweden, Island) werden Dokumente in allen nordischen Sprachen anerkannt. Es sind keine Übersetzungen oder Apostillen erforderlich. Bei einem Umzug von einem nordischen Land in das andere werden bei Anmeldung im neuen Land automatisch die Formalitäten zwischen den Ländern und Staaten geklärt und man wird automatisch im früheren Wohnsitzland abgemeldet. Die meisten englischsprachigen Dokumente werden auch anerkannt. Dänemark und Norwegen tun dasselbe auch für Dokumente aus der Bundesrepublik Deutschland, bei den andern Ländern fehlen mir die Erfahrungen hierzu. Im Übrigen ist die EU V 2016/1191 anwendbar.
 

JayOnRails

Erfahrenes Mitglied
12.06.2022
461
655
Ludwigshafen am Rhein
Mir ist noch ein Fall eingefallen:

Wenn man in Dänemark verklagt wird, oder jemanden verklagt (Gruß in den Amager Strandvej 392 nach Kastrup), und man ein Gerichtsverfahren eröffnet, werden die Dokumente über http://minretssag.dk/ ausgetauscht. Ruft man Fristsachen dort nicht innerhalb von 7 Tagen nach Zustellung dort ab, erfolgt ersatzweise eine Zustellung per Post mit einem Nachweis ähnlich einer Postzustellungsurkunde in Deutschland. Es ist alles nicht alles digital im Staate Dänemark.
 

Flying Lawyer

Erfahrenes Mitglied
09.03.2009
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4.998
Für deutsche Fax- und Brief-Behörden kaum vorstellbar. In Skandinavien überall (seit langer Zeit) üblich.
In Südafrika übrigens auch. Wir kriegen hier unsere Grundbesitzabgaben, Strom, Wasser, Abwasser, CID Fee und anderes in einem Papier. Sauber als PDF. Entweder per Email oder im Portal heruntergeladen. Nicht wie in Deutschland zig Briefe per Schneckenpost. Sowas geht nur im Drittwelt-IT-Land Deutschland nicht.

Und was ist, wenn jemand ein Original für eine ausländische Behörde braucht? Nicht nur Deutschland ist so papieraffin.
Und wo liegt jetzt der Unterschied zwischen einem vom Absender ausgedruckten PDF und einem vom Empfänger ausgedruckten PDF? Haben inzwischen sogar die deutschen Finanzbehörden verstanden, die früher noch jede PDF Rechnung zum Vorsteuerabzug mit digitaler Signatur wollten. Inzwischen nicht mehr.
 
Zuletzt bearbeitet:

Flying Lawyer

Erfahrenes Mitglied
09.03.2009
6.977
4.998
Es gibt echt noch Länder, wo geschaut wird, ob der Stempel einem Abdruck hinterlassen hat. Wenn nicht, wird sofort die Echtheit des Dokuments angezweifelt wird.
Bei uns in Südafrika nicht. Hier kannst du bei der Polizei alles beglaubigen lassen, kostet nichts, geht schnell und eine Kopie davon reicht dann wieder überall aus. Hauptsache der SAPS Stempel ist drauf.
 

odie

Erfahrenes Mitglied
30.05.2015
9.112
5.836
Z´Sdugärd
Es gibt echt noch Länder, wo geschaut wird, ob der Stempel einem Abdruck hinterlassen hat. Wenn nicht, wird sofort die Echtheit des Dokuments angezweifelt wird.
Ja und in China gibts noch andere Schikanen. Da hällt ja auch jeder die Hand für seinen Stempel auf. Hat aber mit Deutschland was zu tun?

P.S. Mein immer wieder gern gebrachtes Beispiel:
Kumpel hat ne kleine Auto "Hinterhofwerkstatt". Also wie man es sich vorstellt. Und wie es der Teufel so will musst mal die Abgasnorm von einem Fahrzeug in meinem Fuhrpark erhöht werden (und ja, das geht). Dazu bedurfte es einem Zettel und einem Stempel eines AU Betriebes. Nun hatte der selbige Kumpel ja beides. Also einmal abnehmen und Zettel ausfüllen bitte. Sein "Firmenstempel" gabs bei einem kostenlosen GMX Account nebst 20 Visitenkarten oben drauf und seine Unterschrift ist wie die eines 5 jährigen Mädchens. Also aller beste Karten auf der Zulassungsstelle. Darauf angesprochen: "Ich bin nicht dazu da um eine Unterschrift und einen Stempel anzufechten. Hier steht Unterschrift und Stempel. Beides vorhanden. Vorne bezahlen, danken, Tschüss".
 

Biohazard

Erfahrenes Mitglied
29.10.2016
7.789
9.631
EDWH
In Dänemark hat die Digitalisierung der Verwaltungs und Unternehmensprozesse bereits ab ca. 1980 begonnen.
1982 in Deutschland: Die C$U ist am Drücker, verhindert aktiv den Glasfaserausbau und setzt dafür aus das damals schon betagte Kupferkabel.
Am 4. Oktober 1982 wurde er als Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen in die von Bundeskanzler Helmut Kohl geführte Bundesregierung berufen. Ab dem 1. Juli 1989 hieß das von ihm geleitete Ministerium Bundesministerium für Post und Telekommunikation. Unter seiner Leitung wurde in Deutschland das Kabelfernsehen eingeführt, das Privatfernsehen zugelassen und der Mobilfunk nach dem Standard GSM eingeführt, sowie die Privatisierung der Deutschen Bundespost eingeleitet.

Um das Kabelprojekt zu beschleunigen, setzte Schwarz-Schilling darauf, Privatfirmen an der Kabelverlegung zu beteiligen. An der Projektgesellschaft für Kabel-Kommunikation mbH war mit der Sonnenschein KG auch die Firma seiner Frau beteiligt, in der er die Jahre zuvor als Geschäftsführer tätig war. Seine Anteile an der Sonnenschein KG trat er erst wenige Stunden vor seiner Ernennung zum Postminister ab. Käufer dieser Anteile war der Nixdorf-Konzern. Auch seine Entscheidung, Kabel aus Kupfer zu verwenden, traf im In- wie auch Ausland auf Verwunderung: Es war bereits Anfang der 1980er Jahre abzusehen, dass Glasfaserkabel die „Technologie der Zukunft“ ist.

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