Drohender Streik an deutschen Flughäfen

ANZEIGE

unseen_shores

Erfahrenes Mitglied
30.10.2015
9.770
15.889
Trans Balkan Express
ANZEIGE
Das führt zu deutlich zielführenderen Tarifverhandlungen und verhindert, daß sich irgendwelche Funktionäre mit sinnlosen Aktionen profilieren, um ihren Namen auch mal in der Zeitung zu lesen.

Darum geht es hier aber nicht. Beim Streik des Bodenpersonals in Berlin habe ich vollstes Verständnis.
 

tix

Erfahrenes Mitglied
20.02.2011
3.952
2.180
Jeder hat seinen Vertreter. Der eine die Gewerkschaft, der andere den Arbeitgeberverband.

Das ist doch jetzt mal eine sinnvolle Aussage... Genau darum geht es hier; jede Seite vertritt ihre eigenen Interessen.

Meine Interessen bleiben dabei auf der Strecke. Wieso sollte ich dann also auch noch Verständnis aufbringen?

Die größte Angst des Arbeitgeberverbandes ist eine funktionierende Dachgewerkschaft. Merkwürdigerweise haben Kleinstgewerkschaften zur Zeit den größeren Erfolg.

Was ja ein Widerspruch ist.

Ich denke nicht, daß die Arbeitgeber in irgendeiner Form Angst vor einer Dachgewerkschaft hätten; im Gegenteil. Dann gäbe es nur noch ein Gremium, das beeinflußt, manipuliert und zu Schwimmbadbesuchen nach Budapest eingeladen werden muß.

Man müßte sich vielleicht kurz mit dem bisher bei uns unbekannten Konzept des Generalstreiks beschäftigen, aber das Interesse der Arbeitnehmer an so etwas dürfte sich im Rahmen halten. Da fallen dann en masse Schichtzulagen und Wochenendzuschläge weg, und irgendwie hat ja jeder sein Häusle abzubezahlen.

jedoch kann keiner von 9,59€ in der Stunde leben. Wer behauptet, das es ginge, der soll es probieren.

Hat das hier jemand behauptet?
 
F

feb

Guest
Himmel! Wenn Du meinen Beitrag vollständig gelesen hättest, hättest Du vielleicht erkannt, daß ich das Recht zu streiken als solches nicht als anachronistisch bezeichne, sondern die konkrete Umsetzung dieses - wie Du es so schön nennst - essentiellen Grundrechts.

Der Automatismus "Verhandeln - Warnstreik - Verhandeln - Urabstimmung - Streik - Schlichtung" stammt aus Kruppschen Zeiten, als unsere Wirtschaft auf Steinkohlebergbau, Stahlkocherei, Rüstung, und so weiter, basierte. Diesen Automatismus nicht an die geänderte Realität anzupassen, ist dann in der Tat anachronistisch - und dabei bleibe ich.(...)

Das klingt für mich schon ganz anders und ist überlegenswert.

Die Art und Weise, wie ein Tarifkonflkt beigelegt werden soll, ist aber wohl schon wieder eine Aufgabenstellung für die Tarifparteien. Es wäre also - deiner Anregung folgend - Sache der Arbeitgeber, in die Tarifverträge die verpflichtende Schlichtung hineinzuverhandeln. Aus meiner Erfahrung im Tarifvertragsrecht kann ich dir sagen, dass in meiner Praxis noch KEINER der von mir vertretenen Arbeitgeber die verpflichtende Schlichtung wollte oder auch nur angedacht hat.
 

tix

Erfahrenes Mitglied
20.02.2011
3.952
2.180
Darum geht es hier aber nicht. Beim Streik des Bodenpersonals in Berlin habe ich vollstes Verständnis.

Nicht? Mh.

Sieh es so: die Situation in Berlin ist vollkommen verfahren. Auf den Flughäfen tummeln sich sieben (?) verschiedene Dienstleister, die Bodendienste erbringen. Das sind fünf zuviel. [Warum im Zuge der Deregulierung gleich so viele Konzessionen vergeben wurden, nicht nur eine oder zwei wie an anderen Flughäfen, tja - das ist wohl eine spezielle Berliner Kiste...]

Die Dienstleister führen einen reinen Preiskampf um die Aufträge, von denen dann irgendwie doch nicht genug da sind, um alle satt zu machen. Es würde mich wundern, wenn auch nur eine dieser Firmen in TXL oder SXF mit Gewinn arbeiten würde. In dieser Situation wird dort wohl keiner nachgeben und den Verlust noch vergrößern.

Viel schlimmer, den Platzhirschen (also den beiden größten Anbietern) kommt ein Streik zugute, besteht doch Hoffnung, daß dabei der ein oder andere kleinere Konkurrent auf der Strecke bleibt.

Mit einem Streik ist also wohl kaum mehr zu erreichen als mediale Aufmerksamkeit. Die aber nicht zu knapp.

Sorry, aber meiner Meinung nach geht es genau darum.
 
Zuletzt bearbeitet:

tix

Erfahrenes Mitglied
20.02.2011
3.952
2.180
Das klingt für mich schon ganz anders [...]

Nichts anderes hatte ich oben geschrieben. :cool:

Die Art und Weise, wie ein Tarifkonflkt beigelegt werden soll, ist aber wohl schon wieder eine Aufgabenstellung für die Tarifparteien. Es wäre also - deiner Anregung folgend - Sache der Arbeitgeber, in die Tarifverträge die verpflichtende Schlichtung hineinzuverhandeln. Aus meiner Erfahrung im Tarifvertragsrecht kann ich dir sagen, dass in meiner Praxis noch KEINER der von mir vertretenen Arbeitgeber die verpflichtende Schlichtung wollte oder auch nur angedacht hat.

Erfahrungen im Tarifvertragsrecht fehlen mir leider (oder Gottseidank, ja nachdem); nenn meinen Standpunkt deshalb gerne naiv.

Wenn auf der einen Seite mit der Keule des Grundrechts gewedelt wird, die Ausgestaltung des ganzen auf der anderen Seite aber quasi zivilrechtlich erfolgen soll, paßt was nicht zusammen. Da fehlt dann wohl eine gesetzliche Regelung.
 

unseen_shores

Erfahrenes Mitglied
30.10.2015
9.770
15.889
Trans Balkan Express
Wenn auf der einen Seite mit der Keule des Grundrechts gewedelt wird, die Ausgestaltung des ganzen auf der anderen Seite aber quasi zivilrechtlich erfolgen soll, paßt was nicht zusammen. Da fehlt dann wohl eine gesetzliche Regelung.

Grundrechte sind grundsätzlich keine Keule. Das Streikrecht wurde lange erstritten. Man sollte aufpassen, wo man Erosionen riskiert. Das Grundrecht auf Koalitionsfreiheit steht auch den Arbeitgebern zu. Und alle zivilrechtlichen Regelungen müssen sich letztlich an den höherrangigen Grundrechten messen lassen. Eine zivilrechtliche Lösung, die nicht vor dem Bundesverfassungsgericht standhält, nutzt Dir gar nichts.