Weder noch.
Ist zwar mittlerweile zum "Running Gag" geworden, den Kreis der skrupellosen Schnäppchenjäger immer als Begründung anzuführen, aber er macht nur einen extrem niedrigen Prozentsatz aus. Und der Sparzwang ist letztlich nur ein Effekt, aber nicht die Ursache.
Das Problem liegt im System - Airlines arbeiten mit extrem niedrigen Margen, die wenig Spielraum zum Agieren lassen. Gleichzeitig haben sie ein Produkt, dass ein nicht verlängerbares Haltbarkeitsdatum hat - fliegt der Sitz leer, kann er ein für alle Mal nicht wieder verkauft werden.
Der einzige hier wohl wirklich zutreffende Begriff, ist die "Shareholder Value".
Das Konzept, das Marketing und teilweise auch der Suchtfaktor der Vielfliegerprogramme waren die letzten Jahre insgesamt sehr erfolgreich, und der Erfolg hat die Airlines eingeholt bzw. überrollt. Ein Schema, dass eben auch die sogenannten "Aspirational Awards" (=Business und First Class bei den Airlines, Luxushotels bei den Hotelketten) als Karotte präsentiert, hat natürlich eine entsprechende Anziehungskraft. Und jeder, der rechnen kann und dem es nicht zu blöd ist nachzurechnen schaut natürlich, wo die Benefits am Besten sind (und sucht danach teilweise - wie von den Programmen gewollt - die Leistungsträger aus).
Im Rahmen der "Shareholder Value" ist es nun problematisch, wenn Kundengruppen die zu vollen 100% nach "Best Buy" gehen, am Ende auch in den vollen Genuss dieser "Aspirational Awards" kommen, da die notwendige Mischkalkulation dabei dann nicht mehr aufgeht. Aus diesem Grund haben Hotelketten die "Promotional Free Night Awards" aus Sonderangeboten vielfach eben jetzt auch auf die unteren Hotelkategorien beschränkt und das Einlösen in den Top-Häusern der Ketten unterbunden (Hyatt gängigerweise bis Kategorie 4, Starwood gängigerweise bis Kategorie 5, ...). Und aus diesem Grund wandelt sich eben auch die Welt der Vielfliegerprogramme - in der Lufthansa-Welt heißt es seit 2012 erst einmal, dass die "Ticketwertigkeit stärker berücksichtigt" wird, Delta ist bereits in der Welt des Revenue-basierten Vielfliegerprogramms angekommen, das ab 01.01.2015 eingeführt wird und die Welt der Vielfliegerprogramme nachhaltig verändern wird.
Jeff Smisek wurde bei der letzten Vorstellung der (nicht wirklich guten) Finanzzahlen von United direkt darauf angesprochen, warum United noch nicht wie Delta die am besten zahlenden Kunden belohnt und die quasi "austauschbaren" preissensitiven Kunden nicht mehr so stark im Mileage Plus Programm begünstigt. Die Antwort dürfte in den nächsten Wochen folgen, im Rahmen der "Shareholder Value" wird United nachziehen müssen und das Vielfliegerprogramm ebenfalls auf ein Revenue-Based-Model umstellen.
Weder der Übermaximierer noch der Sparzwang sind das ausschlaggebende Kriterium - die Branche sucht nach Modellen, die "richtigen" = gut zahlenden Kunden zu belohnen.