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Luftikus

Megaposter
08.01.2010
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irdisch
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Wenig Geld und dann in der Wirtschaft sitzen? Das klingt aber knauserig? Mit Organspenden wird doch richtig Geld verdient?
 

Langstreckenpendler

Erfahrenes Mitglied
28.12.2021
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Mit Organspenden wird doch richtig Geld verdient?
Gut, dass das keine Aussage sondern als Frage formuliert ist.

Zum Einen wird kein Organtransport mit Linienfliegern durchgeführt, auch nicht mit OBC.

Es geht dabei schließlich um eine möglichst geringe Ischämiezeit (d.h. die Zeit, die das Organ außerhalb eines Körpers unterwegs ist).
Daher per PKW (MTD = Medizinischer Transportdienst) -> das ist große Menge, Helikopter (i.d.R. Rettungshubschrauber) oder halt Privatjet je nach Strecke. Der Mehrpreis für Organe mit Flugtransport liegt bei ca. 20K Euro pro Organ - allerdings Heli oder Privatjet - nicht Linie. Und da zahlt man letztlich nicht nur die reine Flugstunde sondern auch das Standby um 24/7 solche Transporte durchziehen zu können. Organtransporte sind übrigens auch vom Nachtflugverbot ausgenommen.
Mal ein Beitrag dazu: https://www.youtube.com/watch?v=EBOxcTQ9BbI

Was das finanzielle angeht - die Organbeschaffung ist gemeinnützig über die DSO organisiert, die macht aktuell regelmäßig Miese.
Ist im Grunde wie bei der Bahn, wo das Budget auf Basis der Kosten des Vorjahres errechnet wird.

Du kannst Dir bei der DSO den Jahresbericht anschauen (insbesondere Seite 24/25 und ganz am Ende), den letzten gibts von 2024, 2025 ist wohl noch nicht fertig.

Und das Budget der DSO wird jährlich mit dem GKV-Spitzenverband verhandelt, die PKV zahlen dann die Sätze an die DSO.

Nur mal so: 2019 lag die Pauschale ohne Flugtransport noch bei 32K Euro. Ich weiß das, weil mich aus gegebenem Anlass eine solche Rechnung erreicht hat.
 

Langstreckenpendler

Erfahrenes Mitglied
28.12.2021
1.396
1.907
Hat zwar nichts mit dem OBC-Thema zu tun und international gibt es sicherlich Schattenseiten.
Denn wo Nachfrage ist ist i.d.R. auch Angebot. Und so wie die Warteliste aussieht, ist das manchmal eine Art Gottesgericht, denn es geht um terminale Erkrankungen.

Bei allen Organen bis auf die Leber gibt es derzeit Überbrückungssysteme (Dialyse, extrakorporale Herzunterstützungssysteme, bei der Lunge zur Not noch ECMO) die begrenzte Zeit funktionieren (das Problem sind da Komplikationen aller Art).. Nur bei Leber ist nach 3 Tagen komplett Feierabend, weil Leber multifunktional ist und man bisher nicht alles ersetzen kann.
Nur ein Teil der Warteliste (bei Leber seit Jahren der kleinere Teil) ist aktiv zur Transplantation gelistet, der inaktive Teil sind Menschen, die aus irgendwelchen Gründen (Infektion, Tumor zu groß, Ortsabwesenheit etc.) gerade nicht transplantiert werden können.

Wenn man auf der Warteliste steht und viel Zeit zur Internet-Recherche hat, so findet man auch graue bis dunkle Angebote.
Und es gibt noch den legalen (!) Weg des Umzugs (6 Monate +) in ein anderes Land wie z.B. Spanien, wo aufgrund der dortigen Regelungen (u.a. Widerspruchsregelung) und Infrastruktur deutlich mehr Organangebote zur Verfügung stehen. Ich möchte nur denjenigen sehen, der das in dem Krankheitszustand alleine durchzieht.

Ansonsten habe ich - auch ohne religiös zu sein - einen gut ausgeprägten ethischen Kompass, der mir eigentlich in Jahrzehnten internationaler Arbeit - auch ohne spezifische oder gar nicht vorhandene Gesetze - immer zuverlässig Orientierung gegeben hat.
Ich persönlich habe selbst - auch in Bewusstsein der potenziellen Folgen für mich - eine mir angebotene Leber-Lebendspende aus der Familie abgelehnt, weil es eine Schädigung einer anderen Person bedeutet hätte.
In Deutschland gibt es im Allgemeinen Splitleber-Transplantationen primär bei Kindern, da geht es auch darum, dass die Größe der Leber passt. In anderen Ländern ist das anders.

Dir wird vielleicht nicht entgangen sein, dass
a) Lebendspende insbesondere bei Nieren in Frage kommt und diese ohnehin nicht (in Deutschland) geflogen werden, weil deren Transplantation chirurgisch vergleichsweise einfach ist (das funktioniert durch einen relativ kleinen Schnitt durch die Seite) und es daher vergleichsweise viele Transplantationszentren für Nieren gibt.
b) es bei Lebern auch Lebendspenden gibt, und zwar in Form von Splitleber-Transplantationen , so ist das dennoch ein hochkomplexer Eingriff mit Teilung des Organs (ursprünglich entwickelt durch Prof. Pichlmayr an der Medizinischen Hochschule Hannover), was erfahrene Teams braucht und nicht den einzelnen Chirurgen - und das ist auch mit 5 Tagen Klinik nicht erledigt, sondern das Organ braucht Wochen um nachzuwachsen, dazu größere OP-Risiken (ich habe bisher nur von einem Chirurgen gehört, der LTX minimalinvasiv macht). Traditionell macht man einen Schnitt von Brustbein bis Bauchnabel und dann nochmal quer von links nach rechts als Hauptzugang und dann noch Inzisionen für Drainageschläuche etc. Das braucht bei Leber Monate, während bei Niere tatsächlich 1 Woche nicht unüblich ist - allerdings dann mit viel Nachsorge (die hier als fehlend bemängelt wird).

Ich befasse mich als Lebertransplantierter aus Betroffenensicht relativ intensiv mit der Thematik (irgendwann wird man Profipatient), lese Studien in verschiedenen Sprachen und nehme auch an ausgewählten ärztlichen Fortbildungen teil (insbesondere wenn "meine" behandelnden Ärzte vortragen oder es um Forschungsthemen geht, an denen ich in den letzten Jahren selbst teilgenommen habe) die CME-Punkte bringen mir aber nur etwas Ego ;-) ), bin auch in der Selbsthilfe aktiv und stehe sicherlich auch dieses Jahr wieder beim Organspende-Tag - diesmal in Leipzig - für Gespräche zur Verfügung.

Aber wir werden hier langsam offtopic, es ging um OBC.