Das Thema "Sicherheit" muss weiter als Aufhänger für Vorschläge zum Deutschlandticket herhalten (was an sich schon verstörend ist, da ein in Luxemburg lebender Grieche, der in einem deutschen Regionalzug einen Zugbegleiter totgeschlagen hat, natürlich kein Deutschlandticket, sondern gar keinen Fahrschein hatte).
Jetzt fordert der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz (ist da nicht demnächst Landtagswahl?) als Vorschlag zur Sicherheit (!) ein einheitliches Deutschlandticket mit Passfoto:
Beim Thema Sicherheit in deutschen Zügen müsse es schnell Fortschritte geben, fordert der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer. Und macht ganz konkrete Vorschläge.
www.spiegel.de
»Darum fordere ich auch ein einheitliches Deutschlandticket. Wir haben ganz viele Deutschlandtickets, die unterschiedlich aussehen, und ganz oft müssen die Zugbegleiter dann nach dem Personalausweis oder dem Reisepass fragen« wird er zitiert.
Nun, der Mann hat offenbar nicht verstanden, dass das Deutschlandticket Digital herausgegeben wird, bewusst und gezielt, und dass das Aussehen daher vollkommen irrelevant ist. Auch weil eine Kontrolle nach Anschein nicht ausreicht. Ein einheitlichen Aussehen würde also die Kontrolle eines Personaldokuments sowieso nicht überflüssig machen. Pseudolösungsvorschläge eines Politikers, um sich als Macher zu präsentieren, oder glaubt er es wohl selbst?
Weiter berichtet der Spiegel über unseren Bundesverkehrsminister:
Auch Bundesverkehrsminister
Patrick Schnieder (
CDU) erwägt, weniger Ausweiskontrollen in Zügen durchführen zu lassen. »Wir haben festgestellt, dass die Identitätskontrollen Auslöser für erhebliche Grundaggressivität sind«, sagte Schnieder dem »Handelsblatt«.
»Man könnte die Gewalt um etwa 18 Prozent senken, wenn man auf solche Kontrollen verzichtet«, so Schnieder. Denkbar wären bloße Stichprobenkontrollen wie in U- und S-Bahnen, die von größeren Mitarbeiterteams durchgeführt würden. »Oder sie kontrollieren bereits am Bahnsteig, wie es andere Länder machen«, sagte Schnieder.
Soweit der Spiegel. Offenbar fährt der Fachminister (!) selbst nie Zug, sonst wüsste er, dass eine Kontrolle bereits auf dem Bahnsteig im Regionalverkehr nicht machbar ist, schon gar nicht für personalisierte Fahrscheine.
Bei den Stichprobenkontrollen sind wir ja de facto schon.
Es ist schon erstaunlich, dass die Presse solchen fachlichen Unsinn unkommentiert berichtet.
Auch der VDV, der es sicherlich fachlich besser weiß, ist sich nicht zu schade, den tödlichen Vorfall als Anlass zu Lobbyarbeit (vermutlich für sein Motics) zu missbrauchen:
Der Landeschef von Rheinland-Pfalz fordert in der Diskussion um mehr Sicherheit für Zugbegleiter ein einheitliches Deutschlandticket mit Foto. Die Verkehrsunternehmen bevorzugen eine digitale Lösung.
www.tagesspiegel.de
Zitat: „Ein Schwerpunkt von Bund, Ländern und Branche muss die digitale Prüfung und Kontrolle der
Deutschlandtickets sein“, teilte VDV-Präsident Ingo Wortmann mit Blick auf das bundesweit gültige Abo für den öffentlichen Regional- und Nahverkehr (ÖPNV) mit.
Aha, wie soll man ein Ticket, das digital ist, denn anders kontrollieren als digital?
Und weiter:
"Schon jetzt würden 60 Prozent dieser Tickets als Barcode auf dem Smartphone ausgegeben. „Dort ist die Integration eines Fotos weder möglich noch nötig, wenn der Barcode kopiergeschützt ist“, hieß es."
Natürlich wäre dort die Integration eines Fotos, auch digital signiert, möglich.
Und selbst wenn der Barcode kopiergeschützt wäre (ich sage ja, dass sie für Motics lobbyieren), würde das die Weitergabe nicht verhindern.
Bei Personenbezug hilft nur Identitätsabgleich, was heutzutage de facto nur über Lichtbild(ausweis) möglich ist (andere biometrische Merkmale würden wohl kaum akzeptiert wie Fingerabdruck in Indien).
Versteht der Mann es nicht besser, oder ist es egal, weil er meint, seine Zielgruppe verstünde es nicht besser?