Meine oneworld emerald-Requalifizierungsreise nach Peking (mit Umwegen)

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oliver2002

Indernett Flyertalker
09.03.2009
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Besonders beeindruckend war die Self-Checkout-Kasse. Man stellt einfach den Warenkorb in eine Schale, und zack - wie durch RFID-Zauberhand wird der gesamte Inhalt erkannt, bepreist und kann direkt mit WeChat bezahlt werden

Uniqlo in der Münchener Leopoldtstr., Stockholm und Paris hat das auch. Und ja, das System verrechnet sich auch hier. Zum Glück bis jetzt zu unseren Gunsten.

Der Metzgerei Böltl aus Heimstetten hat bei uns im Werksviertel einen SB Laden aufgestellt den man mit scannen einer KK betreten darf und in dem auch so abgerechnet wird.


Insofern ist die nix chinesisches ;)
 

f0zzyNUE

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08.03.2009
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Insofern ist die nix chinesisches ;)
Die Innovation kommt definitiv aus Asien – ob Japan oder China überlasse ich den Historikern. 😁

Aber wie so oft gilt: Während wir hier noch darüber diskutieren, ob ein Laden ohne Kasse funktioniert, haben die Asiaten das Konzept schon eingeführt, optimiert und wieder durch etwas Neueres ersetzt.

Wobei ich natürlich nichts dagegen habe, wenn sich die Fehlberechnungen weiterhin zu unseren Gunsten entwickeln. 😉
 
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f0zzyNUE

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08.03.2009
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CHAR Bar & Grill
Oder: Wie aus einem Wagyu-Burger ein Michelin-Menü, ein Messer-Seminar und eine kleine Cola-Zero-Krise wurde

Eigentlich wollte ich die Karte im CHAR Bar & Grill gar nicht mehr anschauen. Ich kannte ja bereits die PDF-Version, die mir die Lounge-Dame am Nachmittag sehr modern per AirDrop aufs iPhone gebeamt hatte. Der Plan war klar: 100 USD F&B Credit aufbrauchen, Wagyu-Burger bestellen, Voucher elegant verbrennen, satt ins Bett fallen. Ein einfacher Plan. Also automatisch verdächtig.

Anstandshalber schlug ich die physische Karte trotzdem auf. Man will ja nicht wie jemand wirken, der in ein Restaurant kommt und sagt: "Ich habe Ihre PDF analysiert, wir können abkürzen." Und siehe da: Auf der ersten Seite steckte ein Einleger, der in der PDF-Version fehlte.

Michelin Set Menu.

Allein die Überschrift las sich schon gut. Sofort war der Burger innerlich angezählt.

IMG_0592.jpeg

Es gab ein 4-Gang-Menü für 598 CNY oder ein 3-Gang-Menü für 428 CNY. Das klang deutlich interessanter als "Wagyu-Burger, weil der Voucher halt weg muss". Michelin steht in meinem Kopf schließlich für gutes Essen, auch wenn ich natürlich nicht ausschließen möchte, dass nach unseren Erfahrungen mit Andy und seinen unter Aufsicht abfotografierten 5-Sterne-Bewertungen das Wort "Auszeichnung" in China vielleicht etwas elastischer zu interpretieren ist. flysurfer hatte bei meiner vorherigen Benchmark-Enten-Recherche ja bereits gewisse Zweifel entwickelt. Verständlich. Wer einmal gesehen hat, wie Bewertungen live am Ausgang eingefordert werden, liest kulinarische Superlative künftig automatisch mit hochgezogener Augenbraue.

Die einzelnen Gänge auf der Karte lösten bereits den Pawlow-Effekt in mir aus. Trotzdem waren wir nicht ganz unvorbereitet. Strategisch, wie man als Vielflieger mit F&B-Gutschein, Resthunger und begrenztem Vertrauen in Gourmet-Portionsgrößen nun einmal ist, hatten wir bereits einen Notfallplan entwickelt.

Gegenüber vom Uniqlo befand sich nämlich ein Shake Shack.

Falls uns das Michelin-Menü also mit drei künstlerisch drapierten Erbsen, einem Schaum von irgendetwas und einem Stück Fleisch in Briefmarkengröße abspeisen sollte, hätten wir danach einfach noch einen Burger versenkt. Sehr elegant. Sehr international. Sehr "Fine Dining, aber bitte mit Backup-Plan aus der amerikanischen Systemgastronomie".

Man muss schließlich vorbereitet sein. Gerade bei Menüs, bei denen der Teller manchmal größer ist als die eigentliche Mahlzeit und der Kellner mit einer Pinzette Dinge arrangiert, die man zu Hause versehentlich als Krümel weggewischt hätte.

Kurz mit flysurfer abgestimmt, entschieden wir uns also gegen Burger und für das 4-Gang-Menü. Innerlich beruhigt durch die Gewissheit: Sollte die Haute Cuisine versagen, wartete Shake Shack nur ein paar Gehminuten entfernt. Kulinarische Rückfallebene gesichert.

Auch wenn wir ein Menü draufzahlen mussten - egal. Ich hatte noch ein paar 15€ F&B Voucher in meinem IHG-Account. Wenn Vielflieger eines können, dann sich durch Gutscheine, Credits und mentale Buchhaltung ein Menü schönrechnen.

Die Qual der Wahl ergab:

Vorspeise: Beef Tartar mit Butter Bun
Suppe: Cream of Corn Soup beziehungsweise Lobster Bisque
Hauptgang: Australian Cape Grim Grass-Fed M2 Tenderloin
Dessert: Rose Cheese Mousse mit Strawberry Sorbet beziehungsweise Tropical Basque Cheesecake

Allein der Name des Hauptgangs klang schon wie ein adeliger Titel. Australian Cape Grim Grass-Fed M2 Tenderloin. Das ist kein Stück Fleisch, das ist ein Lebenslauf. Da erwartet man fast, dass es mit Pass, Referenzen und Empfehlungsschreiben serviert wird.

Zum Trinken wollten wir etwas maximal Unkompliziertes: Coca-Cola Zero.

Natürlich wurde genau das zur ersten kleinen Kommunikationsübung des Abends.

"Coke Zero?"
Verzweifelter Blick. Nein.

"Cola?"
Immer noch nein.

"Coca-Cola?"
Jetzt kam ein Lächeln.

Ich ergänzte vorsichtshalber: "Coca-Cola without sugar."

Endlich nickte sie und wiederholte unsere Bestellung. Sehr gut. Die Bestellung war platziert, die diplomatischen Beziehungen zwischen uns und der Getränkeabteilung wiederhergestellt. Manchmal muss man sich im Ausland eben sprachlich an ein Ziel heranpirschen wie ein sehr durstiger Geheimagent.

Kurz darauf kam sie mit einer zehnteiligen Salzauswahl und vier Pfeffermühlen zurück.

Wow.

So etwas hatte ich noch nie erlebt. Wobei ich fairerweise auch eher selten in teuren Steak-Restaurants dinniere. Normalerweise besteht meine Salz-Auswahl aus "steht auf dem Tisch" oder "kommt in einem kleinen Tütchen". Hier hingegen wurde Salz präsentiert, als handele es sich um eine internationale Konferenz mineralischer Würde.

collage_char_bar_salts_landscape.jpg

Kaum hatten wir uns daran gewöhnt, wurde die Verwirrung wieder verwirrt.

Ein anderer Kellner kam mit einer kleineren Karte an den Tisch und fragte, ob wir ein Dessert bestellen möchten.

Wir waren kurz irritiert. Hatten wir nicht gerade ein komplettes Menü inklusive Dessert bestellt? Hatte das Dessert seine Kündigung eingereicht? War es zwischen Küche und Tisch in ein administratives Paralleluniversum gefallen?

Er deutete auf die Karte und erklärte, dass ab 21:30 Uhr nur noch Snacks von dieser Karte angeboten würden. Ob wir nun ein Dessert bestellen wollten.

Nun war es allerdings erst 21:20 Uhr, und wir hatten unser Menü kurz nach 21:00 Uhr bestellt. Ich versuchte zu erklären, dass wir bereits vollständig versorgt seien. Mit Vorspeise. Mit Suppe. Mit Hauptgang. Mit Dessert. Also eigentlich mit allem, was ein Mensch in einem Restaurant bestellen kann, ohne direkt ein kleines Bankett auszurufen.

Der Kellner blieb standhaft und zeigte erneut auf den Hinweis: Ab 21:30 werden nur Snacks von dieser Karte angeboten.

Es war einer dieser Momente, in denen alle Beteiligten freundlich bleiben, aber niemand mehr ganz sicher ist, in welchem Gespräch man sich eigentlich befindet.

Etwas verzweifelt rief er einen weiteren Kollegen hinzu, dessen Englischkenntnisse allerdings auch nicht den erhofften diplomatischen Durchbruch brachten. Gemeinsam gelang es uns dann irgendwie, die beiden davon zu überzeugen, dass wir bereits ein Menü bestellt hatten und kein zusätzliches Dessert aus der Snackkarte benötigten. Wortlos zogen sie von dannen.

Man kann nicht sagen, dass der Service unfreundlich war. Er war eher... kreativ verschachtelt. Ein kulinarischer Escape Room mit Besteck.

Kurz darauf kam ein Brotkorb mit Olivenöl und Olivenpaste. Sehr lecker. Und plötzlich meldeten sich auch unsere Mägen wieder zu Wort. Meiner ein wenig, flysurfers etwas deutlicher - schließlich hatte er im Art District keine niedliche Mango-Eisente abbekommen. Das ist eben der Preis, wenn man in einem Fujifilm-X-Atelier verschwindet. Während andere Menschen Dessertkunst essen, betrachtet man Kameras. Jeder setzt Prioritäten.

Dazu gab es den Gruß aus der Küche. Optisch sah er ein bisschen aus wie eine Mini-Version eines Käsekuchens, entpuppte sich aber als etwas Deftiges. Sehr fein. Sehr lecker. Ein kleiner Vorgeschmack darauf, dass dieser Abend doch deutlich ambitionierter werden würde als ursprünglich geplant.

Kurz darauf kam schon das Beef Tartar.

collage_char_bar_food_landscape.jpg

Die Portion war übersichtlich, aber erstaunlich lecker. Anders, als ich es kannte: mit Pinienkernen und Parmesan und Kaviar. Sehr stimmig, sehr aromatisch, sehr "davon hätte ich sofort noch eine zweite Portion genommen". Leider ist das bei Menüs ja immer das Problem: Kaum ist etwas richtig gut, ist es auch schon vorbei. Haute Cuisine ist im Grunde die Kunst, den Gast gleichzeitig zu begeistern und leicht zu enttäuschen, weil er mehr möchte.

Die Suppe war ebenfalls sehr gut. Ich hatte die vegetarische Variante, Cream of Corn Soup, und für mich war das genau die richtige Wahl. Cremig, süßlich, rund - angenehm, ohne schwer zu sein. flysurfer lobte derweil seine Lobster Bisque. Damit war auch der zweite Gang erfolgreich überstanden, und der Burger war inzwischen nur noch eine ferne Erinnerung aus einer einfacheren Zeit.

collage_suppen_16x9_landscape.jpg

Beim Hauptgang hatte ich ein wenig Sorge. Auf der Karte sah das Tenderloin aus wie zwei eher homöopathische Streifen Fleisch, also mehr Symbolik als Sättigung. Ich bereitete mich innerlich schon auf ein kulinarisches Suchbild vor: "Finden Sie das Rind auf dem Teller." - hatte aber gegenüber des UNIQLO einen Shake Shack entdeckt, so dass wir bei Bedarf noch einen Burger oben drauf legen könnten.

Meine Sorge stellte sich als vollkommen unbegründet heraus. Als der Hauptgang serviert wurde, lag da ein ordentliches, etwa 180 Gramm großes Stück Fleisch auf dem Teller. Kein Witz. Kein Amuse-Bœuf. Ein echtes Steak. Das war schon einmal erfreulich.

Mit dem Teller kamen auch die Messer.

Nicht ein Messer.
Nicht zwei Messer.
Nein: eine Box mit sechs verschiedenen Messertypen.

Dazu gab es praktischerweise ein Erklärungsposter, welches Messer für welche Fleischzubereitung am besten geeignet sei. Ich hatte also nicht nur ein Steak vor mir, sondern auch eine kleine Fortbildung in internationaler Schnittkultur. flysurfer entschied sich für das Global-Messer aus Japan, ich wählte das französische Laguiole. Sehr weltmännisch. Zwei Männer, ein Steakmenü und plötzlich das Gefühl, an einer Fachmesse für gehobenes Zerteilen teilzunehmen.

Das Fleisch selbst war butterweich, hatte kaum Fettmarmorierung und entsprach ungefähr dem, was dieser lange Name versprochen hatte: etwas Besonderes. Zart, aromatisch, perfekt gegart. Ein Steak, das nicht laut auftreten musste, weil es wusste, was es kann.

collage_steak_char_bar_landscape.jpg

Natürlich wurde mit allen Salzsorten probiert. Wenn einem schon zehn Sorten hingestellt werden, wäre es ja unhöflich, nicht wenigstens so zu tun, als könne man sie differenziert beurteilen. Wild Garlic und Wild Mushroom mundeten mir am besten. Die Sauce dazu war fein und delikat, aber eigentlich nicht nötig. Das Fleisch mit Salz und Pfeffer war der eigentliche Hero. Yummy, yummy - oder wie man auf Chinesisch sagt: hǎochī, hǎochī.

Der Nachtisch fiel dagegen etwas ab. Das Erdbeersorbet von flysurfer war gefroren wie ein Eiswürfel und vermutlich näher an Baustoffprüfung als an Dessert. Und an meinem Tropical Basque Cheesecake fand ich wenig Tropisches, abgesehen von ein paar Fruchtbeilagen, die offenbar den Urlaubsteil des Desserts übernehmen sollten.

Schlecht war es nicht. Aber nach Tartar, Suppe und diesem Tenderloin war die Erwartung einfach hoch. Das Dessert wirkte eher wie ein höflicher Epilog nach einem sehr starken Hauptkapitel. Nett, aber nicht der Grund, warum man das Buch weiterempfiehlt.

collage_steak_dessert_bar_landscape.jpg

Das Fazit fiel trotzdem eindeutig aus: gute Wahl.

Wir waren satt, der F&B-Gutschein war aufgebraucht, der Burger elegant umschifft, und ich hatte endlich mal wieder ein richtig gutes Steak gegessen. Aus dem Plan "Wir essen einen Voucher-Burger, weil der Gutschein verwendet werden muss" wurde am Ende ein ziemlich gelungener Steak-Abend mit Salzbibliothek, Messer-Ausstellung, Cola-Zero-Übersetzungsarbeit und Dessertkarten-Verwirrung.

Und Shake Shack?

Das blieb unangetastet.

Nicht aus mangelndem Respekt vor Burgern, sondern weil selbst unser strategisch eingeplanter Reserve-Magen nach Beef Tartar, Suppe, Tenderloin, Brot, Gruß aus der Küche und Dessert offiziell die weiße Flagge gehisst hatte. Der Notfallplan war gut. Sehr gut sogar. Aber diesmal musste er nicht aktiviert werden.

Auch schön, wenn ein Michelin-Menü nicht nur hübsch aussieht, sondern tatsächlich satt macht.
 
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cas_de

Erfahrenes Mitglied
Herrlicher Bericht, zwerchfellstrapazierender Schreibstil. Gerne mehr davon!

Nachdem ich mich "nebenan" gerade mit dem Guide Michelin in einem Reisebericht auseinandersetze, hier noch 2 Servicemeldungen.

1. Euer Steakhouse:


2. Nachschlag zum Register der Pekingenten-Restaurants:

Mit Peking selbst kann ich nicht mithalten, da ich noch nie dort war. Meine Pekingentenoffenbarung erfolgte auf Empfehlung, und zusammen dem Geschäftsführer der lokalen Niederlassung des Konzerns bei dem ich damals in Lohn und Brot stand, in Singapore bei

Min Jiang (die damalige Location One North gibt es nicht mehr, aber dafür die hier, ebenfalls im roten Buch (ohne den großen Vorsitzenden) erwähnt):

 
Zuletzt bearbeitet:

Zocky

Erfahrenes Mitglied
23.11.2015
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146
ZRH
Was soll ich dazu sagen, hab selten zuvor so viele Male in die Hosen gepinkelt beim Lesen!

Well done und vielen herzlichen Dank für die Zeit und Mühen zum Schreiben!
 

f0zzyNUE

Erfahrenes Mitglied
08.03.2009
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P.S. Die Pointe zum Schluss hab ich ganz vergessen - Shake Shack schließt um 22:00 - unser ganzer Backup-Plan wäre verratzt gewesen. Am Ende wären wir vielleicht noch frustriert in einer Lady Bar gelandet - da gibt's sicher auch was zu essen 🙄
 
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oliver2002

Indernett Flyertalker
09.03.2009
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2022 bin ich in San Francisco mit der Familie in einen Amazon grocery store gegangen... man checkt (als Familie!) mit einem Scan der Amazon app ein. Alles was wir aus dem Regal (und teilweise wieder zurück) genommen haben wurde korrekt erfasst und nach dem Verlassen des Ladens abgerechnet. Die Westliche Welt kann auch Retail ;)

Rewe hat 2022 solche 'Pick & Go' Läden auch in D gestartet, die Resonanz der Kunden war eher verschreckt: ohne Kasse kann der Deutsche nicht :p




Die Innovation kommt definitiv aus Asien – ob Japan oder China überlasse ich den Historikern. 😁
Aber wie so oft gilt: Während wir hier noch darüber diskutieren, ob ein Laden ohne Kasse funktioniert, haben die Asiaten das Konzept schon eingeführt, optimiert und wieder durch etwas Neueres ersetzt.

Fast Retailling, der Konzern dem Uniqlo gehört testet seit 2013 und hat 2019 erste Versuche gestartet. Alle Uniqlo Läden wurden 2023 mit der Technlogie ausgerüstet.

Fast Retailing began testing the technology in 2013, and in 2019 started rolling out RFID-enabled self-checkout machines in certain stores. Mr. Tambara declined to say how much it has spent on the technology, but said Fast Retailing has doubled its investment in information-technology since 2016, when it launched a strategy to become a digitally enabled apparel retailer and developed its own e-commerce platform.

 

f0zzyNUE

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2022 bin ich in San Francisco mit der Familie in einen Amazon grocery store gegangen... man checkt (als Familie!) mit einem Scan der Amazon app ein. Alles was wir aus dem Regal (und teilweise wieder zurück) genommen haben wurde korrekt erfasst und nach dem Verlassen des Ladens abgerechnet. Die Westliche Welt kann auch Retail ;)
Das war ein fehlschlagendes "Experiment" - https://www.business-standard.com/c...d-by-1-000-indian-workers-124040400463_1.html

100% akkurat hat das nie funktioniert - Die Just Walk-Out Läden wurden größtenteils geschlossen oder verkleinert.
 
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f0zzyNUE

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08.03.2009
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Abschied von Peking
Oder: Attackierende Wasserhähne, falsche Zugtickets und der lange Heimweg über die eigene Vernunft

Der Tag des Aufbruchs war gekommen. Drei Nächte Peking waren vorbei, und wie immer bei gelungenen Kurztrips stellte sich dieses leichte Gefühl ein: Habe ich genug gesehen? Habe ich zu viel gegessen? Habe ich überhaupt verstanden, wie chinesische Ticketautomaten funktionieren? Die ehrliche Antwort auf alle drei Fragen lautet vermutlich: irgendwie schon.

Nicht ohne ein letztes kleines Hotel-Drama natürlich. Nachdem mich in den vergangenen Tagen bereits die automatische Toilette mehrfach mit ihrem schwungvollen Deckel erschreckt hatte, war nun flysurfer an der Reihe. Bei ihm war es allerdings nicht die Toilette, sondern der Wasserhahn.

Der Wasserdruck im Badezimmer war nämlich von der Kategorie "kommunale Feuerwehrübung". Wenn man den Hahn zu schnell aufdrehte beziehungsweise den Hebelmechanismus zu enthusiastisch zu sich zog, schoss das Wasser mit vollem Druck ins Becken, prallte dort mit maximaler Geschwindigkeit ab und landete direkt auf dem Hemd des Opfers. Nicht ein paar kleine Spritzer. Nicht "ach, trocknet gleich". Nein, eher: "Du bist jetzt Teil des Wasserspiels."

Kennt ihr die legendäre Szene aus Mr. Bean - Der Film? So ungefähr. Nur ohne Kamera-Team, dafür mit mehr persönlicher Betroffenheit. Zum Glück war es nur Wasser. Hätte der Wasserhahn Tee ausgespuckt, hätte man es vielleicht noch als chinesische Gastfreundschaft verkaufen können.

Beim Frühstück hatte ich mein Nudelprojekt aufgegeben. Nach den bisherigen Suppenverwechslungen, Wartezeiten und kleinen Missverständnissen hatte ich beschlossen, dass es manchmal besser ist, eine kulinarische Beziehung rechtzeitig zu beenden. Also bestellte ich stattdessen Pan-fried Dumplings.

Und siehe da: Die kamen ausnahmsweise nach kurzer Wartezeit. Vielleicht hätte ich doch noch einmal die Suppe bestellen sollen. Vielleicht hätte heute alles funktioniert. Vielleicht wäre es die Beef Noodle Soup meines Lebens geworden. Aber so ist das mit verpassten Chancen: Man lebt weiter, meistens mit Dumplings.

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Am Buffet hielt ich mich diesmal zurück. Nicht aus Disziplin, sondern aus strategischem Selbsterhalt. Es stand ein langer Flugtag bevor, und lange Flugtage bedeuten in der Regel, dass man noch mehrfach Dinge serviert bekommt, die man nicht zwingend braucht, aber aus Langeweile trotzdem isst. Man muss nicht schon morgens den Magen beleidigen, wenn später noch mehrere Airlines die Gelegenheit dazu bekommen.

Während flysurfer am Vorabend bei Lufthansa online einchecken konnte und sogar eine mobile Bordkarte erhielt, blockte Royal Air Maroc bei mir komplett. Nicht nur die Ausgabe einer Bordkarte wurde verweigert - nein, der gesamte Online-Check-in ging nicht.

"Bitte wenden Sie sich an einen Schalter am Flughafen."

Immerhin war das ehrlich. Nach unserer Kairo-Erfahrung war mir ein kompletter Online-Check-in-Fail fast lieber als eine Bordkarte, die am Ende nur so tut, als wäre sie eine. Royal Air Maroc hatte also diesmal wenigstens dafür gesorgt, dass ich mich nicht in falscher Sicherheit wiegte. Das ist auch eine Art Service. Eine sehr nordafrikanische, leicht passive-aggressive Art Service, aber immerhin.

Andererseits hatten wir in Kairo gelernt, dass auch eine ausgestellte Bordkarte in der falschen Form keine Bordkarte sein muss. Also: viel Glück, flysurfer. Deine mobile Lufthansa-Bordkarte sah hübsch aus. Ob sie in der Praxis auch als Bordkarte durchgeht, entscheidet wie immer irgendein Mensch an einem Kontrollpunkt mit sehr begrenztem Interesse an unserer Reiseplanung.

Der Lufthansa-Check-in für Casablanca-Frankfurt-Nürnberg wurde mir ebenfalls verweigert. Auch dort musste der Check-in am Flughafen erfolgen. Das Online-Bordkartenglück war an diesem Tag eindeutig nicht auf meiner Seite. Vielleicht hatte es sich mit meiner Geldtasche solidarisiert und war ebenfalls zu Hause geblieben.

Ursprünglich hatte ich vor, wieder mit U-Bahn und Airport Express nach Peking Daxing zu fahren. Das hätte sicher funktioniert, vermutlich sogar effizient. Aber eine DiDi-Fahrt war für rund 17€ buchbar. Bequem, direkt, keine Ticketschranken, kein "MÖÖÖP", kein Rätseln, wo man Plastikchips einsteckt. Also DiDi.

flysurfer fuhr ebenfalls per DiDi zum Flughafen, allerdings zum alten Pekinger Flughafen PEK, während ich nach Daxing musste. Beim Hotel-Checkout trennten sich unsere Wege. Ein letzter gemeinsamer Blick, vermutlich irgendwo zwischen "war schön" und "hoffentlich schnarchst du im Royal Air Maroc-Sitz nicht auch noch fremde Passagiere wach", dann war er weg.

Ich hingegen versuchte am Check-out noch herauszufinden, warum mein 20 USD Ambassador F&B Voucher nicht angewendet wurde. Tags zuvor, als ich die 15€ F&B-Gutscheine online eingelöst hatte, wurde der Rabatt noch angezeigt. Auf der Rechnung fehlte aber der Ambassador-Voucher. Ich hatte das Gefühl, dass mein Problem zunächst nicht wirklich verstanden wurde, denn es waren ja vier F&B-Gutscheine eingelöst. Nur eben nicht der richtige.

Zwei weitere Mitarbeiter wurden hinzugezogen. Dann ein Online-Translator. Schließlich konnte man mir vermitteln, dass diese Ambassador-Gutscheine in Mainland China offenbar nicht verfügbar sind und es stattdessen kostenloses Frühstück gibt.

Aha.

Man lernt nie aus. Vielschläferprogramme haben eben auch ihre Tücken im Kleingedruckten. Man denkt, man habe einen 20-Dollar-Gutschein, und China sagt: "Nein, aber du hattest Frühstück. Sei glücklich." Streng genommen war ich das ja auch. Aber ein bisschen fühlt es sich an, als würde man beim Monopoly eine Ereigniskarte ziehen und darauf steht: "Gehe direkt zum Buffet. Ziehe keine 20 Dollar ein."

Mein DiDi brachte mich in knapp einer Stunde zum Flughafen Daxing, wo ich gut 90 Minuten vor Abflug ankam. An den Check-in-Schaltern waren kaum noch Passagiere. Meine Bordkarte bekam die Sequence Number 255 von 305 verfügbaren Sitzen. Also nicht ganz letzter Drücker, aber definitiv auch nicht "early bird catches the overhead bin".

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Die Ausreise ging zügig. Danach kaufte ich noch eine Stange Marlboro für meine Nachbarin und machte mich auf die Suche nach der Lounge: die BCS Lounge bei Gate E90.

Auf dem Weg dorthin entdeckte ich den Chinese Garden im Flughafen - eine kleine Ruheoase mit Pagoden, Bepflanzung und einem großen Teich. Ein schöner Kontrast zum modernen, riesigen Flughafengebäude. Daxing wirkt ja ohnehin wie ein Flughafen, der sich dachte: "Wenn wir schon neu bauen, dann bitte gleich so, dass Menschen mit Höhenangst und Orientierungsschwäche leichte Demut entwickeln."

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Großen Hunger hatte ich nicht, aber natürlich bestellte ich mir trotzdem eine obligatorische Beef Rice Noodle Soup in der Lounge. Man muss Projekte ja nicht komplett aufgeben. Die Suppe sah zwar nicht so gut aus wie im InterConti, war aber essbar. Eher Großküchen-Suppe à la Mensa als kulinarischer Offenbarungseid, aber gut: Flughafenlounge, kein Michelin-Tempel. Die Erwartungen müssen irgendwo landen, idealerweise vor dem Flugzeug.

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Der anschließende Flug war eher unspektakulär. Und das Catering kam nicht an das Essen ab Casablanca heran. Die Ravioli mit Pestosauce schmeckten ein bisschen wie aus der Supermarkt-Tüte, kombiniert mit einer dünn angerührten Instant-Knorr-Sauce. Nicht ungenießbar, aber auch nichts, wofür man später nostalgisch aus dem Fenster schaut.

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Auf das Dessert verzichtete ich zunächst. Ich wollte schlafen und es später vertilgen. Prioritäten. Dank meiner AirPods Pro bekam ich dann tatsächlich etwa fünf Stunden Schlaf. Noise Cancelling an, Welt aus, Royal Air Maroc bitte kurz leise sein.

Das on-demand bestellte Dessert zur Halbzeit des Fluges war allerdings an Trockenheit kaum zu überbieten. Außerdem war es keines der Desserts von der Dessertkarte. Keine Ahnung, wo man das für mich ausgegraben hatte. Vielleicht aus einem Notfallfach. Vielleicht aus einem Museum für dehydrierte Süßspeisen. Vielleicht war es ursprünglich gar kein Dessert, sondern ein Verpackungsmaterial mit Ambitionen.

Anschließend schaute ich die zweite Staffel von Achtsam Morden, bis bereits der Pre-Arrival-Snack gereicht wurde. Der war dann wieder essbar: ein Chicken Wrap. Keine Offenbarung, aber solide. Man wird auf langen Flügen ja dankbar für alles, was nicht aktiv gegen die eigene Mundfeuchtigkeit arbeitet.

Kurz zuvor waren wir direkt über Nürnberg/Fürth geflogen. Ich schaute hinunter und dachte: Wie schön wäre es, jetzt einfach auszusteigen. Falls Fallschirm, Zollfreigabe und Luftfahrtrecht etwas flexibler wären, hätte mir das mehrere Stunden erspart.

Aber nein. Es ging noch über drei Stunden weiter nach Casablanca.

Manchmal fragt man sich in solchen Momenten, was man sich bei der Buchung dieses Fluges überhaupt gedacht hat.

Dann erinnert man sich:
Ach ja. Emerald-Status requalifizieren.
Und schon ist alles wieder gut. Zumindest in der Parallelwelt, in der Statusmeilen emotionale Logik ersetzen.

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Die Landung in Casablanca erfolgte etwa zehn Minuten vor Flugplan, und ich hatte nun knapp sechs Stunden Aufenthalt. Spontan entschloss ich mich, in die Stadt zu fahren. Der Zug vom Flughafen zum Hafen dauert gut eine Stunde, was meiner Kalkulation nach rund zwei Stunden für einen Abendspaziergang in Casablanca ergeben würde. Mit Gepäck natürlich, denn am Flughafen gibt es keine Gepäckaufbewahrung. Warum auch. Wäre ja praktisch.

Ich hoffte nur, dass ich die Zugkarte mit Apple Pay bezahlen konnte. Denn beinahe hätte ich es vergessen: Ich reiste ja immer noch ohne Geldtasche und ohne physische Kreditkarten. Und flysurfer, mein potenzieller Finanzminister, war mittlerweile etwa 3.000 Kilometer entfernt in München. Team getrennt. Wallet weiterhin absent. Digitale Zahlungsfähigkeit: systemkritisch.

Anyway: Um meine Lufthansa-Bordkarte zu erhalten, musste ich ohnehin einreisen. Also konnte ich auch kurz Casablanca anschauen.

Ich hatte Glück. Der Automat akzeptierte Apple Pay. Ich buchte den Zug mit Abfahrt 19:55 Uhr und Rückfahrt um 22:40 Uhr. Laut meinem Freund ChatGPT sollte das ausreichen, um zur Hassan-II.-Moschee zu kommen und anschließend etwas an der Promenade am Meer entlangzuspazieren. Also zog ich meine Tickets aus dem Automaten, stieg in den Zug, suchte mir einen Sitzplatz und blickte kurz auf mein Ticket.

WTF.

Da stand nicht der 19:55-Zug, den ich eigentlich ausgewählt hatte, sondern ein Zug zwei Stunden später. Immerhin passte das Rückfahrtticket. Da derartige Last-Minute-Tickets meist ohnehin flexibel wirken - zumindest in meiner hoffnungsvollen Interpretation - dachte ich mir: Das wird schon passen.

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Bis der Kontrolleur kam, den QR-Code scannte und das Gerät ein lautes MÖÖÖP von sich gab.

Ein Geräusch, das ich bereits von den U-Bahn-Schranken in Peking kannte. Vermutlich derselbe Hersteller. Oder das internationale Warnsignal für "Tourist hat etwas falsch verstanden".

Der Kontrolleur konnte leider nur Französisch und Arabisch und versuchte mir zu erklären, dass ich im falschen Zug sitze. Ich wiederum versuchte zu erklären, dass ich nur für zwei Stunden in die Stadt wolle und hier mein Rückfahrt-Ticket sei. Eine hochkomplexe Kommunikation aus Gesten, Ticketwedeln, freundlichem Gesichtsausdruck und innerem Beten.

Irgendwann schien er es verstanden zu haben. Er nahm mein Ticket, malte irgendetwas darauf und meinte:

"OK. C'est bon."

Ich überlegte kurz, was mir in Deutschland passiert wäre. Vermutlich 60€ Strafe, ein belehrender Vortrag und ein Ausdruck, auf dem "Beförderungserschleichung" steht. In Marokko hingegen: ein Strich aufs Ticket, ein "C'est bon" und weiter geht's. Vielleicht will man Touristen nicht verschrecken. Vielleicht war er einfach nett. Vielleicht hatte auch er keine Lust, einen geldbörsenlosen Deutschen auf Französisch durch das Tarifsystem zu begleiten.

Am Casa Port angekommen, rief ich mir ein Careem und ließ mich die zwei Kilometer zur Moschee fahren.

Und wow.

Die Hassan-II.-Moschee ist wirklich beeindruckend. Riesig, elegant, direkt am Meer, Wahrzeichen von Casablanca und trotz ihrer vergleichsweise jungen Geschichte monumental genug, um sofort Wirkung zu entfalten. Ich verbrachte dort etwa eine Stunde mit Fotografieren, Beobachten und einfach Herumlaufen.

Auf dem Platz davor und an der Promenade war eine wunderbar ruhige, zivilisierte Atmosphäre. Familien, Kinder, Jugendliche, ältere Menschen, Einheimische, Spaziergänger. Klein und groß, jung und alt. Kein Stress, kein Gedränge, kein aggressives Verkaufstheater. Einfach ein schöner Abend am Meer.

Schade, dass ich kein Cash dabeihatte. Sonst hätte ich vielleicht das eine oder andere Streetfood probiert und vielleicht auch ein Armband von zwei Mädchen gekauft, die mich freundlich ansprachen. Aber ohne Geldtasche ist man eben selektiv konsumfähig. Apple Pay hilft viel, aber nicht bei allem. Manchmal trennt einen von einem schönen kleinen Souvenir nicht der Preis, sondern die Abwesenheit eines simplen Geldscheins.

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Um 23:48 Uhr war ich pünktlich wieder am Flughafen. Dort konnte ich meine Bordkarten nach Nürnberg abholen, Fast Track Immigration und Security passieren und mich noch durch diverse Duty-Free-Shops arbeiten.

Meine Mission: größere Packungsgrößen der Pflegeprodukte aus dem Royal-Air-Maroc-Amenity-Kit finden. Die Produkte hatten mir auf den Flügen wirklich gut gefallen. Leider kannten alle Verkäufer die Marke, führten sie aber nicht. Das ist eine besonders perfide Form von Hoffnung: "Ja, kennen wir." Pause. "Nein, haben wir nicht."

Also ging ich leer aus.

Lufthansa nutzt in Casablanca die Aspire Lounge, und ich hatte gelesen, dass dort für die Dusche extra kassiert wird. Da ich nach einem Langstreckenflug, einem Casablanca-Spaziergang mit Gepäck und einem gewissen allgemeinen Reiseverschleiß durchaus duschwillig war, ging ich weiter zur Zenith Lounge von Royal Air Maroc. Den Weg kannte ich glücklicherweise schon von der Hinreise. Diesmal fühlte ich mich fast wie ein Ortskundiger. Ein gefährliches Gefühl.

Dort gab es eine kostenlose Dusche ohne Wartezeit. Perfekt. Für Buffeterkundung hatte ich keine Zeit und auch keinen Hunger. Also frisch geduscht, aber kulinarisch ausnahmsweise einmal zurückhaltend, weiter zum Boardinggate A06 im anderen Terminal.

Als ich dort ankam - fünf Minuten vor der angegebenen Boardingzeit - waren offenbar schon fast alle Passagiere an Bord. Ich war tatsächlich einer der letzten und durfte mir dann in der Drei-Reihen-Business-Class ein freies Fach für meinen Koffer suchen. Glücklicherweise fand sich noch ein kleiner Platz, in den ich den Koffer zwängen konnte.

Pre-Departure-Drinks gibt es bei Lufthansa auf der Mittelstrecke beziehungsweise langen Kurzstrecke im A320 natürlich nicht. Steckdosen ebenfalls nicht. Mein iPhone-Akku hatte inzwischen nur noch 11%, und eine Powerbank hatte ich auch nicht dabei.

Shit happens.

Für die angesetzten drei Stunden Flugzeit versuchte ich zu schlafen, was sich in den dafür eher ungeeigneten Lufthansa-Business-Class-Sitzen als schwierig erwies. Glücklicherweise hatte ich auf der Langstrecke schon vorgeschlafen. Der Essensservice wurde komplett ausgelassen. Ich nahm nur die kleine 0,2-Liter-Wasserflasche entgegen. Mehr wollte ich nicht. Mehr brauchte ich nicht. Mehr hätte vermutlich auch nicht geholfen.

Da ich kaum schlafen konnte, hatte ich immerhin die Gelegenheit, ein paar schöne Fotos von der Dämmerung und dem Sonnenaufgang zu machen. Wenn einem die Airline schon keinen erholsamen Schlaf ermöglicht, kann sie wenigstens als fliegende Aussichtsplattform dienen.

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In Frankfurt angekommen hatten wir natürlich eine Außenposition. Was sonst? Frankfurt ohne Busankunft fühlt sich mittlerweile fast unvollständig an. Dazu stand auch noch die Bundespolizei an der Treppe und machte eine zusätzliche Passkontrolle. Immerhin ging es schnell, und ich bekam wieder einmal eine kostenlose Flughafenrundfahrt. Man muss die Benefits nehmen, wie sie kommen.

Bei der Einreise dann der Schock: Nur sechs E-Gates offen, eines davon defekt, und die Schlange zog sich gefühlt 100 bis 150 Meter in einen Gang. Genau das, was man nach einem Nachtflug um sechs Uhr morgens sehen möchte.

Erstaunlicherweise ging es trotz der langen Schlange relativ zügig. Besonders positiv fiel ein Mitarbeiter an den E-Gates auf, der mit einer für diese Uhrzeit bewundernswerten Mischung aus Humor, Klarheit und Geduld Anweisungen gab und den Prozess permanent erklärte.

Ein wahrer Diamantmitarbeiter.

So jemanden müsste man klonen und an alle deutschen Flughäfen verteilen. Oder zumindest in Frankfurt unter Denkmalschutz stellen.

Danach gab es ein kurzes Loungefrühstück, bevor es weiter zum Boarding des Fluges nach Nürnberg ging. Gate A02. Also wieder Bus fahren. Natürlich. Ich versuche mich wirklich zu erinnern, wann ich in Frankfurt zuletzt das Glück hatte, ein ordentliches Fingergate zu bekommen. Es muss sehr lange her sein. Vielleicht war Helmut Kohl noch Kanzler. Vielleicht gab es damals noch Raucherbereiche mit Teppichboden. Die Erinnerung ist verschwommen.

Die Flugzeit nach Nürnberg betrug schließlich ganze 35 Minuten. Als Catering gab es einen Früchte-Shot und ein Gebäckteil aus einer braunen Papiertüte. Es wirkte ein bisschen, als hätte der Purser höchstpersönlich vorher noch bei Lidl oder Netto ein paar Teilchen für die Passagiere organisiert.

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Aber gut, das war jetzt das obligatorische Lufthansa-Gemeckere. Ein Reisebericht ohne ein bisschen LH-Motzen wäre schließlich wie Peking-Ente ohne knusprige Haut: formal möglich, aber emotional unbefriedigend.

Überpünktlich um 07:55 Uhr war ich wieder am Heimatflughafen angekommen.

Wow.

Was für eine Reise. Was für Eindrücke. Was für ein Routing. Was für eine Mischung aus Status-Run, Kulturprogramm, Zahlungsnotstand, QR-Code-Erziehung, Loungebuffets, MÖÖÖP-Geräuschen und kulinarischen Höhepunkten.

Jetzt blieb nur noch die Hoffnung, dass alle Meilen korrekt gutgeschrieben werden, so wie ich mir das ausgerechnet hatte, und der SafarFlyer Platinum damit requalifiziert war.

Immerhin war genau das der ursprüngliche Grund für diese Reise.

Ehrlich gesagt hatte ich diesen Grund während der fünf Tage aber fast komplett in den Hintergrund gerückt. Die Meilen waren der Anlass. Die Reise selbst wurde der eigentliche Gewinn.
 
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f0zzyNUE

Erfahrenes Mitglied
08.03.2009
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Fazit
Oder: Status vergeht, MÖÖÖP bleibt

Diese Reise war ursprünglich kein romantischer Traum von Peking, kein lange geplanter Kultururlaub und kein spiritueller Wunsch, einmal bei Sonnenuntergang auf die Verbotene Stadt zu blicken.

Sie war ein Status-Run.

Ein ziemlich rationalisierter, schön gerechneter, mit Boostern, Meilenwerten und Routing-Logik veredelter Status-Run. Eine dieser Reisen, bei denen normale Menschen fragen: „Warum fliegst du dafür über Kairo?“ Und man selbst antwortet mit einer Meilentabelle, was die Sache nicht verständlicher macht.

Aber genau darin liegt die Pointe.

Manchmal braucht man einen völlig absurden Anlass, um etwas Großartiges zu erleben. Ohne SafarFlyer Platinum kein Ticket ab Kairo. Ohne Ticket ab Kairo kein Casablanca. Ohne Casablanca kein Royal-Air-Maroc-Nachtflug. Ohne diesen Nachtflug kein Peking. Ohne Peking kein Blick auf die Verbotene Stadt, keine Benchmark-Ente, kein Hutong bei Nacht, kein Mango-Eis-Entchen im Art District, kein Michelin-Menü mit zehn Salzen und sechs Messern.

Vielflieger-Verrücktheit ist also nicht immer nur Selbstzweck. Manchmal ist sie eine sehr umständliche Methode, sich selbst in die Welt hinauszuschubsen.

Augenöffnend war vor allem, wie schnell sich Erwartungen verschieben. China war anders, als ich es mir vorgestellt hatte: grüner, ruhiger, moderner, geordneter, sicherer, digitaler — aber auch kontrollierter, unspontaner und für westliche Reisende manchmal unnötig kompliziert. Man bewegt sich zwischen perfekt funktionierenden Rollbändern und Apps, die ohne WeChat kaum Sinn ergeben. Zwischen beeindruckender Effizienz und Regeln, bei denen man sich fragt, ob Touristen wirklich Teil des Plans waren. Zwischen einem Gefühl von Sicherheit und dem sehr bewussten Wissen, dass Sicherheit dort auch viel mit Kontrolle zu tun hat.

Auch das Reisen ohne Geldtasche war eine interessante Lektion. Einerseits zeigt es, wie viel heute digital möglich ist. Andererseits merkt man sehr schnell, wie dünn das Eis wird, wenn Apple Pay nicht akzeptiert wird, WeChat zickt oder ein Streetfood-Stand einfach Cash will. Früher war man ohne Geld verloren. Heute ist man ohne funktionierendes digitales Ökosystem verloren. Das klingt moderner, ist aber im Kern genauso unangenehm.

Und dann ist da noch die alte Vielflieger-Wahrheit: Status, Lounges, Upgrades und Benefits sind schön. Sehr schön sogar. Niemand muss so tun, als wäre ein guter Sitz, eine heiße Dusche in Casablanca oder Loungezugang vor einem Nachtflug nicht angenehm. Aber die eigentlichen Erinnerungen entstehen selten dort, wo man sie optimiert hat. Sie entstehen beim falschen Zugticket, beim „MÖÖÖP“ an der Schranke, beim fast vergessenen Koffer, bei der Mango-Ente aus Softeis, beim Blick über Peking, beim höflichen marokkanischen Kontrolleur und beim Versuch, in China Coca-Cola Zero zu bestellen.

Der Status war der Grund loszufliegen.

Aber nicht der Grund, weshalb sich die Reise gelohnt hat.

Und fairerweise war diese Reise auch nicht für alle Beteiligten ein Status-Run. Für flysurfer ging es nicht um SafarFlyer Platinum, oneworld Emerald oder irgendeine mathematisch schön gerechnete Meilentabelle. Er hatte ganz andere Motive: mal wieder eine gemeinsame Reise machen, von zuhause wegkommen, dem Alltag entfliehen, Neues erkunden, Fotos machen und sich einfach treiben lassen.

Das ist vielleicht sogar die schönere Version des Reisens. Während ich gedanklich noch irgendwo zwischen Statusmeilen, Segmenten, Boostern und Buchungsklassen jonglierte, hatte er vermutlich den deutlich gesünderen Ansatz: raus hier, Welt anschauen, Spaß haben. Zwei Menschen, dieselbe Route, völlig unterschiedliche innere Bordkarten.

Und genau das machte die Reise eigentlich noch besser. Für mich war der Status der Köder, für ihn war es die Auszeit. Am Ende standen wir beide in Peking, aßen Benchmark-Ente, kämpften mit chinesischen Ticketautomaten, bestaunten die Verbotene Stadt, fotografierten Hutongs und ließen uns von Andy A-N-D-Y zu einer 5-Sterne-Bewertung pädagogisch motivieren. Unterschiedliche Motive, gleicher Wahnsinn, gemeinsamer Spaß.

Und vielleicht ist das am Ende die wichtigste Erkenntnis dieser ganzen kleinen Eskalation: Carpe diem. YOLO. Mach die Dinge, auf die du Lust hast. Auch dann, wenn sie für Außenstehende völlig bekloppt wirken. Auch dann, wenn der ursprüngliche Plan am Ende nur noch eine Fußnote ist. Ich bin losgeflogen, um einen Airline-Status zu requalifizieren. Herausgekommen sind Peking bei Nacht, eine Benchmark-Ente, eine fast philosophische Beziehung zu QR-Codes, ein paar neue Lieblingsorte, ein kaputtes Verhältnis zu ausgedruckten Bordkarten und die Erkenntnis, dass nicht jeder Outcome dem ursprünglichen Plan entsprechen muss, um besser zu sein.

Manchmal ist der Plan nur der Köder, mit dem man sich selbst aus dem Alltag lockt. Der Rest passiert unterwegs. Und genau deshalb sollte man solche Dinge einfach machen - solange man kann, solange man will, und idealerweise mit Geldtasche. Aber selbst die ist offenbar verhandelbar.

Allen aufmerksamen Lesern - Vielen Dank fürs Mitreisen!
 

shauri

Erfahrenes Mitglied
11.05.2014
1.943
12.139
zwischenreisenundwahnsinn.blogspot.com
P.S. Die Pointe zum Schluss hab ich ganz vergessen - Shake Shack schließt um 22:00 - unser ganzer Backup-Plan wäre verratzt gewesen. Am Ende wären wir vielleicht noch frustriert in einer Lady Bar gelandet - da gibt's sicher auch was zu essen 🙄
... und falls nicht, gab es zumindest Bier und 7 Bier sind ja auch eine Mahlzeit.

Muss mich jetzt auch mal als extrem amüsierter Mitleser outen. Ich habe ehrlich gesagt absolut keine Ahung, warum ich überhaupt angefangen habe, hier mit zu lesen. Weder One World Status, noch Peking interessieren mich sonderlich. Vielleicht war es ja zu Zwecken der eigenen Horizont-Erweiterung. Spätestens nach dem ersten Kapitel habe ich mit Begeisterung mitgelesen und mich köstlich amüsiert. Bei Deinem Schreibstil hätte mich vermutlich auch ein Bericht aus dem tiefsten fränkischen Hinterland nicht minder gefesselt. Danke schonmal, ich fühle mich extrem gut unterhalten hier.
 

f0zzyNUE

Erfahrenes Mitglied
08.03.2009
9.648
4.774
Blöde Frage: wie willst du den neu verlängerten OWE nun verwenden? Du bist doch bekanntlich großer M&S und FB Nutzer/Fan?
Blöde Frage, blöde Antwort: Lass das mal meine Sorge sein.

Ich finde schon Wege, den OWE nicht völlig artfremd im Statusregal verstauben zu lassen. Dieses Jahr hatte ich immerhin bereits das Vergnügen, die CX First Lounge in HKG, die MH First Lounge in KUL, die QF First Lounge und die QR Premium Lounge in SIN zu nutzen.

Für jemanden, der angeblich nur großer M&S- und Flying-Blue-Nutzer ist, hat sich der Status also schon erstaunlich wenig gelangweilt. Und falls mir künftig doch nichts einfällt, buche ich einfach wieder irgendeinen völlig unnötigen Umweg, der für Normalmenschen nach Wahnsinn aussieht und hier im Forum vermutlich als solide Wochenendplanung durchgeht.

Außerdem war der Abschlusspost nicht ganz ohne Absicht als Reisefazit gedacht. Kernaussage: Der Status war der Köder, die Reise der eigentliche Gewinn. Ist das nun verstanden - oder soll ich noch ein Tortendiagramm malen?
 

travelben

Erfahrenes Mitglied
09.03.2009
3.771
1.121
MUC
Geiler Bericht! Danke!!

Und jedes Mal meine Antwort wenn hier im Forum die Frage nach dem „Warum macht man das?“ kommt:

„Weil man es kann und weil man es will.“

Deswegen @f0zzyNUE : Rock on! 🤘🏻
 
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oliver2002

Indernett Flyertalker
09.03.2009
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52
MUC
www.oliver2002.com
Blöde Frage, blöde Antwort: Lass das mal meine Sorge sein.

Ich finde schon Wege, den OWE nicht völlig artfremd im Statusregal verstauben zu lassen. Dieses Jahr hatte ich immerhin bereits das Vergnügen, die CX First Lounge in HKG, die MH First Lounge in KUL, die QF First Lounge und die QR Premium Lounge in SIN zu nutzen.

BA startet im November 2026 wieder eine Verbindung NUE-LHR :) 4x die Woche bis Januar, aber immerhin.
 

f0zzyNUE

Erfahrenes Mitglied
08.03.2009
9.648
4.774
Ehrlich gesagt würde mich ja interessieren, wie du es jetzt auch noch schaffst, ein Tortendiagramm genauso unterhaltsam rüberzubringen, wie den restlichen Bericht :D
Da der Wunsch nach einem Tortendiagramm nun unterschwellig im Raum steht: bitteschön.

Die Methodik ist natürlich hochseriös: Bauchgefühl × Statusmeilen ÷ Entenfett. Fehlertoleranz: ± eine Lounge.

Wie man sieht, ist der OWE keineswegs nutzlos. Er dient unter anderem der wissenschaftlichen Erforschung von First Lounges, der Rechtfertigung völlig unnötiger Umwege und der gelegentlichen Forumspädagogik.

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Ernsthaft war nur die Excel-Tabelle. Der Rest ist Premium-Blödsinn mit Statusmeilen.