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Auf Umwegen nach Thailand und zurück (oder: via BKK, ADD und INN dann halt doch wieder zum SEN)

spremmse

Erfahrenes Mitglied
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Für manche, insbesondere meine Kollegen in NYC, mag es Luxuriös erscheinen - für mich ist es über die letzten Jahre unverzichtbar geworden: Ein doppelter Winterurlaub. Dafür gibt es drei Gründe:
  1. Ich verzichte gänzlich auf längeren Sommerurlaub - in der Zeit bin ich gerne zuhause, oder wo auch immer mich die Arbeit hintreibt. Warum sollte ich mich an Schulferien halten, habe ich doch keine Kinder? Q1 ist bei mir beruflich meist weniger los, daher ist die Sache klar: Urlaub gibt's im Winter.
  2. Der Winter im Nordosten Deutschlands ist Brutal: meist (außer in diesem Jahr) nicht wegen Kälte oder Schnee, sondern wegen der Dunkelheit. Würde ich nicht in die Sonne fliehen, ich wäre Depressiv.
  3. Ich liebe, schon immer, den Bergsport. Daher führt es für mich im Winter immer auch für eine Woche in die Berge - seit längerem schon in fester Ski-Runde.
In diesem Jahr war die Planung allerdings anders als erwartet: Aus dem geplanten längeren Pauschalurlaub (wäre für mich das erste mal gewesen) wurde aufgrund von beruflichen Komplikationen meiner +1 erst eine Woche, und dann nur zwei Tage. Nun hatte ich aber schon Urlaub eingetragen, und auch der Ski-Trip stand fest: in meiner letzten Urlaubswoche mitte Februar würde es nach Tirol gehen.
Als es so aussah als würde ich mit meiner +1 eine Woche in Ägypten verbringen, habe ich mich nach Ideen für die verbleibende Woche umgeschaut - und Flüge von CAI nach BKK mit ET in C via ADD für nur 1100€ gefunden. Neue Flugline, Interessanter Stopover in ADD, guter Preis - warum eigentlich nicht. Und dann sind da ja noch die Meilen!
Mein SEN läuft 02/26 aus, und aufgrund der veränderten politischen und wirtschaftlichen Lage in den USA hat sich mein Reiseprofil in 2025 drastisch geändert - es gab für mich kaum einen Grund den Status zu verlängern, bei nur noch 1-2 Fernreisen und 20-30 Kurstrecken im Jahr. Da dieses Routing allerdigns (so dachte ich zumindest) 800 Points bei MM einbringen würde habe ich mich also mit meinem in BKK wohnenden Cousin sowie weiteren Bekannten die dort überwintern verabredet. Denn was gibt es besseres, als ein wenig durch die Gegend zu fliegen, um doch nochmal fast zwei Jahre SEN-Privilegien mitzunehmen, und sich zwischendrin mal das Stopover-Programm in ADD anzuschauen.
Im weiteren Verlauf wurde mir aber klar, dass das Angebot für 1100€ in BK P bucht - und somit keine Punkte auf M&M kommen. Noch während ich versucht habe das Ticket in BK D zu buchen, eröffnete sich bei +1 dass alles anders kommt als erwartet. Die Woche in Ägypten war somit futsch. Nach viel hin und her habe ich festgestellt, dass ich ein ähnliches Routing zu einem für mich sinnvollen (aber nicht mehr supergünstigen) Preis ab WAW buchen kann - direkt in BK D. Zusammen mit meinem regulären Flugprofil und den verschiedenen aktuellen Points-Aktionen erwarte ich somit den SEN im März oder April wiederzuerlangen.

Somit stand dann der Reiseplan:
  • BER-POZ (per Zug) - dann 2 Tage Poznan mit +1
  • POZ-WAW (per Zug, da unpassende Flugzeiten mit LO, leider)
  • WAW-(VIE)-ADD - dort dann 17h Stopover, ET bietet hier Hotel, Verpflegung und eine Optionale Stadtführung (dazu später mehr)
  • ADD-BKK - mit Cousin und Familie in Bangkok
  • BKK-KBV-BKK - mit Freunden auf Koh Lanta
  • BKK-ADD - dort wieder Stopover, diesmal 19h
  • ADD-VIE-(WAW) - ET verkehrt auf der WAW-Route via VIE, und mein Plan ist es, in Wien auszusteigen
  • VIE-INN - dann Ski fahren
  • MUC-BER
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So sieht das ganze dann im Great Circle Mapper aus

Da vermutlich 90% aller Menschen einen solchen Reiseplan für nicht nur grenzwertig dekadent, sondern vollständig wahnsinnig halten, dachte ich mir dass es sicherlich für einige der verbleibenden 10% (in anderen Worten, die Insassen dieses Vorums) ein durchaus spannender Reisebericht werden könnte. Daher möchte ich euch im folgenden semi-live auf diesen Wilden Ritt mitnehmen 🤠

Vorab: Dies ist mein Erster Reisebericht - und auch mein erster Thailandaufenthalt. Mir geht es hier primär um das spannende Routing und die Details zum Stopover in ADD, sowie andere Reise-Themen. Was die Aktivitäten vor Ort angeht bin ich mir sicher finden sich hier im VFT viele Berichte von den Thailandexperten mit denen mein Reisebericht nicht konkurrieren kann. Über die Zeit mit Familie und Freunden bin ich im Internet zudem lieber eher schweigsam. Wer allerdings Freude am chaotischen Fliegen hat wird hier sicherlich auf seine Kosten kommen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Teil 1: Vorgeplänkel in Europa gen Osten mit Zug und entsprechenden Komplikationen

Da es nun also nicht nach Ägypten gehen wird, haben +1 und ich uns für einen gemeinsamen Stop in POZ entschieden. Wir beide kennen Poznan noch nicht, es liegt auf halbem Weg nach WAW und ist von Berlin super mit dem Zug zu erreichen - dachten wir zumindest.

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Mit 40 Minuten Verspätung durften wir dann in den Berlin-Warszawa Express am Berliner Hbf steigen. Doch dabei sollte es nicht bleiben: Der Zug blieb in Frankfurt/Oder einfach stehen. nach 1h erfuhren wird: Es wird mit dem Bus weitergehen nach Rzepin. Dort wartet dann der Ersatzzug. Fotografisch leider nicht festgehalten durften wir dann aus dem Bus heraus auch sehen woran es lag: Auf der Strecke befand sich der vorherige Zug, im Stillstand auf einem Bahübergang - laut DB-Auskunft "Notarzteinsatz". Mehr Details möchte ich hier wirklich nicht wissen, und hoffe mal das beste.

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Als wir in Rzepin ankamen war klar dass es ca. 4h Verspätung werden wird - da hilft nichts mehr, außer Pierogi und Bier im Speisewagen. Mit über 4h Verspätung dann Ankunft in POZ dann direkt das Fahrgastrechteformular ausgefüllt - und auch drei Tage später 50% des Ticketpreises erstattet bekommen. Einen halben Urlaubstag direkt mal verschwendet.


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Da uns beiden mehr nach Natur und Sauna als nach Stadt war haben wir uns für das Regatta Hotel im Vorort Kiekrz entschieden. Hier gab es eine gute Rate mit Spa-Zugang, und einen Bahnhof, 5 Minuten zu Fuß entfernt. Das Hotel war nichts besonderes, aber für uns völlig ok.
Ein anderer Gast hat uns fürs nächste mal das Hotel Navigator in Zbaszyn (auch an der Strecke des Berlin-Warszawa Express) empfohlen - das probieren wir bestimmt auch bald mal. Nach den letzten enttäuschenden Radisson-Erfahrungen möchte ich meinen VIP-Status eigentlich nicht mehr als Entscheidungsgrundlage in der Hotelwahl heranziehen.

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Das Hotel liegt am See Jezioro Bledno, welcher fest zugefroren War. Wir haben uns einen kleinen Spaziergang auf dem Eis getraut, wobei wir ein paar Anglern beim Eisfischen begegnet sind. Einen schönen Wald zum Spazieren gab es auch, und sogar ein geöffnetes, sehr nettes und leckeres Ital. Restaurant (Trattoria OMG).


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Vom Bahnhof Kiekrz ging es dann (mit 20-Minütiger Verspätung) per Pendlerzug ins Stadtzentrum von Poznan. Und das hatten wir wirklich unterschätzt: Poznan ist Wunderschön!

Nun hatte ich eigentlich vor die Weiterreise zum WAW per Flugzeug anzutreten, liegt der Flughafen POZ doch gleich bei Kiekrz. Allerdings gibt es am Tag nur wenige Flüge, und für meinen Abendabflug nach ADD hätte ich 5h am Flughafen in WAW verbringen müssen - Zeit, die ich lieber mit +1 in Poznan verbracht habe. Daher ging es per Zug nach WAW. Ich habe hier aus eben jenem grund den Puffer recht knapp kalkuliert. Als schon wieder eine 40-Minütige Verspätung angekündigt wurde kam ich dann am bitterkalten Poznaner Hauptbahnhof doch ganz schön ins schwitzen. Nächstes mal dann doch per LOT, ist immer günstig, und die QP sind gern gesehen.
Im Zug dann noch schnell die letzten E-Mails erledigt, die letzten MAs gebrieft - für die Zeit in Thailand sollte diesmal wirklich ALLES auf der Arbeit erledigt sein.

Fazit: Kurztrips nach Polen - Immer wieder gern, wenn nur die Züge besser funktionieren würden.



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Angekommen in WAW am Check-In: Rechtzeitige 90 Minuten vor Abflug, keine Schlange weit und breit. Endlich ab ins Warme!
Die Check-In Agentin war überrascht, als sie mir die Bordkarte überreichte. "Bangkok?" war ihre Frage - offenbar bin ich wohl der Einzige Passagier auf diesem wilden Routing. Wild war es ja auch bis jetzt schon - und so sollte es dann auch weitergehen...
 
Teil 2: Erstmal nach Süden

Nun also zum Kernstück dieses logistischen Abenteuers: einfach mal ET fliegen. Ethiopian Airlines ist schon öfter mit guten C Raten aufgeploppt bei verschiedenen Routen nach Afrika und Asien, und teilweise sind diese so gut, dass ich fast schon zugeschlagen hätte, wie z.B. die 1100€ CAI-BKK. Ausschlusskriterium waren für mich oftmals die wirklich harten Flugzeiten (foreshadowing ... dazu kommt gleich noch was), oder auch dass die Kosten egal waren wegen Dienstreise. Aufgrund meines spontanen Buchungsverhaltens waren auch Meilentickets oft eine bessere Option. Gereizt hat es mich trotzdem immer, nicht nur wegen der günstigen Möglichkeiten auf MM Meilen/Points zu sammeln, sondern auch weil ich die Ostafrikanische Gastfreundschaft sehr zu schätzen weiß, und ich generell Freude an etwas ungewöhnlichen Erfahrungen habe. ET bietet, wie ihr gleich lesen werdet, viele "Quirks & Features" - ob nun gut oder schlecht.


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In WAW ging alles flott, der Flughafen ist angenehm klein und Effizient, gemessen an den guten Connections die er bietet. Die Non-Schengen Lounge ist kleiner als die Schengen-Lounge, und war glücklicherweise auch weniger voll als ich die Schengen kenne. Das Angebot würde ich mal als "okay" klassifizieren.
Aus dem Fenster konnte ich schon unsere ET-AXS erkennen - mit der Maintenance Crew auf einer Leiter am Triebwerk am schrauben... Das Boarding startete dann aber trotzdem mit nur 20 Minuten Verzögerung - trotzdem: Kein gutes Omen.


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Meine Flugzeit von WAW nach BKK betrug laut Buchung schlappe 36h - der Weg ist das Ziel, dachte ich mir und drückte den Bezahl-Button. ALLE legs wohlgemerkt: Nachtflüge. Spätabendliche Abflüge, frühmorgendliche Ankünfte - wer sowas in Y abfliegt hat meinen Respekt verdient.
Außerdem waren sowohl der erste wie der zweite Flug jeweils mit einem Stopp geplant: Auf dem Hinweg hielten wir in VIE (ohne ausstieg), der Weiterflug nach BKK endete dann erst in CGK.
Mir scheint das bei ET so üblich zu sein: man hat sich dort ein riesiges Netz aufgebaut, und versucht mit den ME3 zu konkurrieren. Der Preis: Oftmals muss zwischendrin nochmals angehalten werden, was wertvolle Zeit kostet, und umgestiegen wird gerne auch mal mitten in der Nacht, oder zumindest zu den Tagesrandzeiten. Der Flughafen in ADD kann zu den Connection Wellen unfassbar voll werden - aber zu alldem später mehr.


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Bei der Buchung wurden alle Legs mit 789 in einer 2-2-2 Anordnung angezeigt. Da ich einen Sitznachbarn vermeiden wollte schaute ich am tag des Abflugs nochmal in die App - siehe da, für WAW-VIE-ADD wurde auf 1-2-1 Bestuhlung gewechselt. Auf den Bulkhead im Super Diamond Sitz freute ich mich doch gewaltig, wenn auch das "Fußloch" in der 787 auf den Fensterseiten eher klein ausfällt. Solche kurzfristigen Wechsel der Bestuhlung sind hier bei ET wohl an der Tagesordnung - und es gibt mehr unterschiedliche Sitztypen in der C als andere Airlines Flugmuster haben. Von allen Optionen ist der Super Diamond sicherlich die Beste.
Zwischen Boarding und Abflug gab es dann O-Saft oder Champagner, hier gibt es auch Pre-Departure "echten" Champagner, wenn auch die Marke "Trouillard" mir bis dato gänzlich unbekannt war (ich würde sie im unteren Segment anordnen).
Nette Geste: Ähnlich wie bei anderen Airlines in F wird am Platz eingeschenkt.
Unschön: Es gibt keine richtige Begrüßung, weder Namentlich, noch anderweitig, die Schampusrunde wird erst gemacht wenn (fast) alle sitzen.
Lobenswert: Neben dem unspektakulären Amenity Kit (Socken, Lip Balm, Zahnbürste, Schlafmaske, Ohropax, Stift) gab es Schlappen - das sollte es m.M.n. immer geben (für den Gang zur Toilette).


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In WAW wurde Catering von Do & Co geladen, und es schmeckte entsprechend durchaus lecker. Auf dem Leg von WAW nach VIE (man muss in VIE nicht aussteigen) gab es Canapés, auch einen Campari-Soda konnte ich dazu bestellen - nett
Ansonsten war die Crew leider weder besonders freundlich (was sagte ich noch über Ostafrikanische Gastfreundschaft?) noch besonders schnell, noch besonders zuvorkommend. Es wurde nur ein Getränk mit dem Essen serviert, und für ein zweites Glas Wasser musste ich aktiv nachfragen (als der Hauptgang kam) - geliefert wurde es dann nachdem der Meal Service abgeschlossen war. Hier habe ich eindeutig mehr erwartet.


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Gesättigt ging es dann in dem ganz akzeptablen Bedding nach durch eine (kurze) Nacht nach ADD. Es gab keine Matratzenauflage, aber mit zweiter Bettdecke als Unterlage und zusätzlichem Kissen konnte ich es mir bequem machen. Das Melatonin hat den Rest getan.
 
Solche kurzfristigen Wechsel der Bestuhlung sind hier bei ET wohl an der Tagesordnung
Für die meisten Strecken (also alles was nicht ULR ist) teilt ET erst 14-7 Tage vor Abflug den Flieger zu. Das sorgt dann dazu, dass auf einer Strecke an einem Tag eine Dash 8 und am nächsten Tag eine 777 auftaucht. Diese doch recht kurzfristigen Kapazitätseinplanungen sind auch das grosse Geheimnis von ET - die sind Schichtweg unfassbar flexibel. Die meisten Buchungen kriegt ET auch erst in diesem Zeitfenster.

Das sorgt aber leider auch dazu, dass es ein komplettes Fliegerroulette gibt, und dementsprechend viele Seatchanges auf der Langstrecke.
 
Hi!

Ich bin ja ganz gespannt wie die Reise weitergeht...
Bin auch schon öfter bei der Planung meiner Reisen über ET via ADD Richtung Asien gestolpert aber hatte mich bisher wohl irgendwie nicht getraut!?
Auch der Stopp in Addis Adeba lockt mich einerseits sehr schreckt aber ehrlich gesagt auch etwas ab...

Freue mich daher auf eine Fortsetzung Deines Reisereports! :)

Gruss aus München
Markus
 
...entschuldigt bitte die Verzögerung - es gab einen kleinen Sportunfall auf der Reise, und es tippt sich aktuell nicht so gut... Geht hier asap weiter!

Ohje, wünsche gute Besserung und hoffe, dass der kleine Sportunfall wirklich nur ein ganz kleiner Sportunfall war!

Ansonsten freue mich auch sehr auf die Fortsetzung des Reiseberichts mit einem wahrhaft interessanten Routing. (y)
 
...entschuldigt bitte die Verzögerung - es gab einen kleinen Sportunfall auf der Reise, und es tippt sich aktuell nicht so gut... Geht hier asap weiter!

Hallo!

Ich hoffe natürlich das Du Deinen Unfall inzwischen vollständig auskuriert hast und soweit wieder fit bist!
Wenn Du wieder gut tippen kannst und Lust/Verfügbarkeit dafür hast würde ich mich sehr freuen wenn Du irgendwann mal Deinen interessanten Reisebericht fortführst... :)

Ich und sicherlich auch einige andere warten schon lange auf die Fortsetzung!

Gruss aus München

Markus
 
Hallo!

Ich hoffe natürlich das Du Deinen Unfall inzwischen vollständig auskuriert hast und soweit wieder fit bist!
Wenn Du wieder gut tippen kannst und Lust/Verfügbarkeit dafür hast würde ich mich sehr freuen wenn Du irgendwann mal Deinen interessanten Reisebericht fortführst... :)

Ich und sicherlich auch einige andere warten schon lange auf die Fortsetzung!

Gruss aus München

Markus
Hi Markus, danke für das in Erinnerung rufen! Ja - die Verletzung ist seit Juni vollständig auskuriert. Tatsächlich wurde aufgrund der Verletzung ein Gutartiger Tumor im Knochen gefunden (oder die Verletzung ist durch ebendiesen erst entstanden?) und so wurde doch ein mehrmonatiger Spießrutenlauf daraus - tippen war zwei Monate lang kaum möglich.

Nun bin ich glücklicherweise wieder bei voller Gesundheit. Ich habe aber die weiteren Teile schon teilweise vorbereitet und freue mich sie jetzt (doch nicht mehr Semi-Live) mit euch zu teilen.

Hier schon ein kleiner Spoiler:

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Schade das es hier doch wohl nicht mehr weiter geht... :cry:

Trotzdem Danke für die bisherige Mühe an den Treadersteller!

Gruss aus München
Markus
 
Teil 3A: Stopover, aber so richtig.

Wie schon im ersten Teil angekündigt wollte ich also das Stopover-Programm in ADD ausgiebig nutzen. Wer online schaut findet Fotos aus einem recht anschaulichen Hotel, und eine Stadttour durch Ostafrika - warum nicht.

Also einmal kurz zum Stopover-Programm:

Bei ET kommen und gehen alle Flüge in je zwei Wellen, morgens und Abends, und fast alle Langstrecken werden als Nachtflüge Operiert. Das heißt aber, dass wer in ADD zwei Langstrecken Kombinieren will oftmals mit sehr sehr langen Umsteigezeiten rechnen muss.
Man weiß bei ET um die nicht ganz idealen Connections, und bietet deswegen ein Stopover-Programm: Alle Gäste, ob Economy oder Business, erhalten bei Stopovers von min. 8h ein kostenloses Hotelzimmer inkl. Mahlzeiten. Natürlich kann man diesen Stopover nicht künstlich durch buchen eines späteren Anschlussfluges erzeugen, wer also in den Genuss kommen will muss auch wirklich eine entsprechend bescheidene Connection haben.
Zur Buchung muss man nichts tun, außer den Flug zu buchen. Man erhält einen Voucher per E-Mail, und die Ground-Staff an manchen Stations gibt ihn einen auch ausgedruckt - in meinem Fall kam in VIE eine MA an Bord, um ihn mir zu geben. ET hat kein Personal in WAW.

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Angekommen am ADD freute ich mich sogar noch über das Busgate, ist es doch immer beeindruckend einen Widebody übers Vorfeld zu Boarden. Wer hätte bloß erahnt, dass ich diese Ansicht hier am ADD noch häufiger sehen wurde als mir lieb ist. Generell, so viel sei vorweggenommen, geht in ADD fast alles über Busgates. Wie gesagt, alles geht gleichzeitig rein und raus, und so viele Fluggastbrücken gibts einfach nicht.

Nun also zum Transithotel für den Stopover:
Man braucht mit dem Voucher kein Visa, auch keines on Arrival, wird auch nicht gestempelt, und stellt sich an einem separaten Schalter an. Leider wissen auch viele MA am Flughafen nicht genau wie es funktioniert, aber mit genug Fragen wurde ich dann doch zur richtigen Stelle durchgereicht und von dem Angestellten einer Privaten Firma durchgereicht. Hier sind keine Beamten am Stempeln!

Jetzt begann aber das Chaos. Das Transithotel heißt Skylight Hotel und ist per Shuttle-Bus zu erreichen. Hierfür gibt es, hinter den Gepäckbändern einen entsprechenden Schalter. Dort wurde dann fünf mal nachgefragt ob ich nun in BUSINESS CLASS fliegen würde, und mir versichert gleich käme mein Shuttle. Ich würde dann gebeten mich zum Warten erstmal zu setzen. Dann wurde aufgerufen, und es ging zum Bus.
Ich hatte vorher recherchiert, es gibt wohl getrennte Gebäude für Business und Economy Passagiere. Allerdings, so stellte sich heraus, saß ich im Economy-Bus, und wurde also zum Economy-Hotel gefahren. Dort angekommen bin ich also runter zum Business-Hotel gelaufen, wo man mich (trotz meines Gebetsmühlenartigen wiederholens der Reiseklasse, ich hatte mich hier schon an die Gebräuchlichkeiten der Airline-Mitarbeiter angepasst) aber schnell wieder verscheuchte. Na gut, also zurück zum anderen Check-In. Dort ließ man mich dann durch die Sicherheitsschleuse, wiederholte wieder ca. 5 Mal das Wort "Business Class", und dann nahm ein freundlicher Hotelmitarbeiter in der Lobby meinen Reisepass ab, und bat mich mich zu setzen, er würde mich einchecken. Netter service, den ich sonst eher in einem Hotel der oberen Oberklasse erwarten würde, aber mir soll es recht sein.

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Die Lobby ist ganz nett gestaltet, mit Modellflugzeugen wirklich ÜBERALL. Während der Mitarbeiter mich also eincheckte machte ich es mir bequem. Mir ist meist (insbesondere in Afrika und Lateinamerika) recht unwohl wenn sich mein Reiseplass in Händen von Fremden befindet, also kam mir die Wartezeit vor wie eine Ewigkeit. Der nette Herr kümmerte sich zwischenzeitlich auch noch um eine Vielzahl anderer Gäste, aber irgendwann kam er wieder, und begleitete mich auch aufs Zimmer.

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Hier angekommen wollte ich jetzt einen Nap einlegen, mein Handy laden und dann zeitig zum Frühstück gehen, um dem Ostwärts-Jetlag bereits entgegenzuwirken. Daraus sollte aber vorerst nichts werden, denn ich hatte mein Täschchen mit allen Ladekabeln im Flugzeug liegen lassen. Daher nehme ich euch jetzt mit zu einem kleinen Nebenschauplatz dieses Reiseberichts:

The Real Africa, oder mein Side Quest durch das Lost & Found des Flughafens ADD:
Mit einem Handyakku von 10% in einem neuen Land auf einem fernen Kontinent lebt es sich schlecht, und da wir ja erst vor ca. 1h gelandet sind hoffte ich darauf dass ich mein Kabeltäschchen (dieses ist mir heilig mit sorgfältig ausgesuchten Kabeln, internationalen Steckern etc.) direkt wieder bekommen kann, denn nach BKK würde man es mir sicherlich nicht nachschicken. Ohne lange nachzudenken bin ich also zurück zur Lobby, erklärte dem freundlichen Herren in der Lobby meine missliche Lage, welcher mir empfohl das Lost & Found aufzusuchen. Ich hatte gehofft er hätte einen kurzen Draht zur Fluglinie (und der Service hier wurde ja überall betont sei ganz besonders in der BUSINESS CLASS), aber das war dann zu viel erwartet.
Also wieder in einen Bus, zurück zum Flughafen. Hier stellte sich jetzt aber ein Problem: Wie komme ich, Landside, zum Lost & Found? Der Eingang in die Ankunftshalle wurde mir vom Sicherheitspersonal verwehrt. Wie in westlichen Ländern oft üblich gab es auch kein zweites Lost & Found Landside, nur den einen Schalter bei den Gepäckbändern. Am Check-In konnte man mich auch nicht durchlassen, aber ich wurde zum Mitarbeitereingang verwiesen. Dort wurde ich, als einzige weiße Person weit und breit, zwar schräg angeschaut, konnte mich aber in die Sicherheitskontrolle für mitarbeitende Anstellen. Und zack, war ich in der Ankuftshalle. Mein Handyakku lag nun bei 5%, also beschloss ich sparsam damit umzugehen, und im Notfall zu versuchen im Hotel ein Kabel zu bekommen. Daher gibt es für die folgenden Erlebnisse auch leider keine fotografischen Beweise.

Ich wartete nun also einen afrikanischen Moment (ca. 90 Minuten) in der Schlange am Lost & Found. Es gab zwar auch hier getrennte Schlangen für Economy und BUSINESS CLASS, doch wurde völlig random mal hier mal da wer aufgerufen. Man verwahrte Wohl auch Gepäck für alle möglichen Leute, und es kamen andauernd Leute auf der Seite die (warum auch immer) zuerst versorgt wurden. Es dauerte eine Ewigkeit bis die drei Gruppen vor mir abgearbeitet waren, der Schalter war auch die hälfte der Zeit nicht besetzt. Als ich dann endlich dran war, bat man mich auf eine andere Person zu warten (wohl die Supervisorin?). So wartete ich also weiter, bis dann irgendwann besagte Person kam.
Ich ging davon aus dass sie sich jetzt um meinen Fall kümmert, aber das passierte nicht. Sie bat mich ihr zu folgen. So gingen wir also auf einen Spaziergang durch die Ankunftshalle, die plauschte noch mit allen möglichen anderen Leuten, bis wir irgendwann bei den Toiletten ankamen. Ich blieb also stehen (meine Vermutung war dass sie wohl kurz noch das Stille Örtchen benutzen müsste, hier schockte mich so langsam nichts mehr), wurde jedoch offensichtlich verblüfft angewiesen zu folgen. Erleichtert war ich, als wir an den Klos vorbeiliefen, und sie einen Raum aufschließt. Wohl das Lost & Found Büro.
Der Anblick dieses "Büros" wurde leider nicht für euch Dokumentiert, da mein Akku nun mittlerweile gänzlich leer war. Das ist durchaus schade, denn so etwas hatte ich noch nie gesehen: An den Wänden stapelten sich Koffer über Koffer, und neben der Tür gab es einen kleinen, vollgestellten Schreibtisch. Die, durchaus freundliche, Schichtleiterin fragte nun (endlich) Details zu meinem verlorenen Gegenstand ab und machte einen Telefonanruf bei den Kollegen die das Flugzeug reinigen. Ich wurde, erneut, gebeten zu Warten. Das Schauspiel, welches sich in der nun folgenden Wartezeit (die verging wie eine Ewigkeit, ohne Handy o.ä.) abspielte war höchst interessant: Es tauchten immer wieder Leute auf, die Supervisorin kramte in den vielen Koffern herum und holte dann eine Tasche heraus. Mal eine Tasche mit Uhren, mal eine mit Laptops usw.. Die Leute suchten dann jeweils ein Entsprechendes Fundstück heraus, und alles wurde wieder feinsäuberlich in dem für diese Fundsachen-Art vorgesehenen alten Koffer verstaut. Ich saß weiterhin auf dem Flur, die Reinigungskraft der Toilette hatte (unter meinen vehementen Widersprüchen) darauf bestanden mir ihren Stuhl (den einzigen Stuhl weit und breit) zu überlassen. Die Schichtleiterin bat um einen weiteren Moment und verschwand. In der nächsten Stunde tauchten immer wieder leute auf die scheinbar hier nach Fundstücken suchten, und schauten mich fragend an. Nun, ich schaute sie genau so fragend zurück denn ich hatte schon lange keine Ahnung mehr wo ich hier eigentlich gelandet war.
Ca. eine weitere Stunde später tauchte die Schitleiterin wieder auf, grinsend: "I have good news my Friend". Mein Täschchen wurde wohl gefunden, und wir könnten es nun abholen gehen. Ich traute meinen Augen nicht richtig, als sie mit mir gemeinsam über das Gepäckband stieg, um dahinter bei einer durchreiche stehen zu bleiben. Auf der Anderen Seite konnten wir das Vorfeld sehen, und die Arbeiter, die hier das Gepäck auf die Gepäckbänder verladen. Auf ihrem Tisch: MEINE KABELTASCHE. Mir wurde erklärt ich müsse nun auch den Erhalt des Gegenstands per Unterschrift quittieren, und so legten die netten Herren ein riesiges Notizbuch mit einer Handgezeichneten Tabelle, nebst meines sehnsüchtig erwarteten Fundstück auf das Gepäckband. Ich unterzeichnete, reichte das Buch zurück durch die durchreiche und verließ den Bereich wieder quer über das Gepäckband, zurück zum Schalter des Shuttle Busses wo ich wieder mal lautstark erklärte ich sei BUSINESS CLASS, aber mein Gepäck sei bereits im Hotel.

Die Frühstückszeit war nunmehr vorbei, aber so konnte ich nun den mir überreichten BUSINESS CLASS voucher (Economy Gäste müssen hier wohl in ein anderes Restaurant) im Cultural Restaurant für ein authentisch Ethiopisches Essen mit anschließender Kaffeezeremonie einlösen:

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Das Essen hier war durchaus gut, man bediente sich am Buffet, aber die Organisation war eher unklar. Auch ein Kaltgetränk war in meinem Voucher inkludiert. Mir wurde anschließend ein Äthiopischer Kaffee angeboten, den ich, übermüdet wie ich war, gerne annahm. Ich ging davon aus hier gleich zur Kasse gebeten zu werden, beinhaltete die Zeremonie doch ein größeres TamTam inkl. brennender Kohle am Tisch (fühlte mich wie in einer Shisha-Bar), doch es kam niemand. Also verließ ich den Saal, und verabschiedete mich. War wohl alles inklusive.

Eigentlich hatte ich für den Stopover-Tag große Pläne: Eine Stadtführung, Trainieren im Hotel-Gym (oder alternativ ein Drink am Pool?), und noch ausgiebig Abendessen.
Ethiopian bietet natürlich auch eine Stadtführung als teil des Stopover-Programms, für ich glaube 40 oder 70 USD oder sowas. Diese kann man allerdings nur bis 48h im voraus buchen, und da alles an dieser Reise kurzfristig war (und mir der Preis recht hoch erschien) hab ich erstmal nichts gebucht. Ich habe den netten Herren am Check-In dann also nach der Stadtführung gefragt, und dieser empfahl mir gerne einen Fahrer per WhatsApp. Dieser schlug dann den Preis von 150 USD vor, was ich für dermaßen überteuert hielt dass ich nicht mal mehr diskutieren wollte. Ich wurde wohl als reisender der BUSINESS CLASS vorgestellt.

Unabhängig vom Preis war mir nach den Strapazen der Ankunft sowieso eher nach schlafen zumute, und so ging ich nachmittags ins Bett, nur um nach drei Stunden vom Hoteltelefon geweckt zu werden. Dies sei mein "Wachruf", mein Flieger ginge gleich. Es waren noch über 5h bis zum Abflug. Das erklärte ich dem netten Herren auch, und ging wieder schlafen. Als das Telefon dann eine Stunde später nochmal klingelte gab ich auf, und begab mich auf einen Drink in die Bar. Sollen die mich doch anrufen wie sie wollen, ich werde sicherlich nicht mehrere Stunden vor Abflug die 5-minütige Reise zum Flughafen antreten.

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Die Bar im obersten Stock des Hotels sieht wirklich Fancy aus. Angeblich sei sie auch "invite only" oder so etwas? Als BUSINESS CLASS Gast dachte ich mir aber dass ich sicher eingeladen sei. Kontrolliert hat hier aber niemand irgendwas. Die Drinks sind nicht ganz so fancy wie der Rest, aber mit einem guten (und günstigen) Negroni habe ich hier meine weiteren Reisepläne ausgeheckt und den ersten Teil des Reiseberichts angefangen.
 
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