Auf der Flucht vor Waldbränden und Ferientourismus – Warum nicht nach Japan

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aLeXx_

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04.01.2014
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HAM
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Herzlich willkommen zur nächsten Runde, steigen sie ein und schnallen sie sich an! Nach meinem ich zitiere +1: „Komplett bescheuerten und hirnrissigen Urlaub“ im Frühjahr ist es nun Zeit für eine, wenn auch nicht so eskalative, Fortsetzung.

Wie alles begann


Das Leben schreibt manchmal Geschichten, die Mann sich im Voraus nicht hat ausdenken können, aber jetzt erstmal schön der Reihe nach.


Nach dem Einzug meiner Miss „Aha“ (auch +1 genannt) erfreute ich mich an der neuen Realität. Mann kennts: Dinge, die für mich sonst normal waren sind nun störend, Socken sowie Klamotten auf dem Fußboden ein absolutes No-Go und der eigene Einrichtungsstil für das weibliche Auge gelinde gesagt „verbesserungswürdig“. Wie ich schnell herausfinden musste, war eine Gegenwehr meinerseits zwecklos und ich besann mich auf das, was ich am kann konnte: Dumme Kommentare machen und überflüssige Reisen planen.


Einige Reisen und Monate später fielen leider nicht nur geliebte Bilder und Einrichtungsgegenstände, sondern auch meine sorgfältig positionierte Kollektion an Enten der diversen Reisen in der höchsten Beförderungsklasse der Restrukturierung unserer 4 Wände zum Opfer. Wie von einem Hütehund zusammengetrieben fanden meine quietschenden Freunde mit den zahllosen Amenity-Kits ein neues zu Hause in zwei Ikea Kartons und wurden in den Keller verbannt.


Meine +1 wäre aber nicht die, die sie Gott sei Dank ist, wenn sie nicht die Krokodilsträne in meinem Auge gesehen hätte, als ich die Kartons mit meinem Sammelsurium in den Keller trug. Anscheinend muss ich mit meinem leidenden Blick einen Nerv getroffen haben und wurde wenige Wochen später mit einem neuen Bilderrahmen überrascht. Komisch, sowas funktioniert sonst nie… Mit dem Kommentar: „Da musst du wohl noch ein paar Mal FIRST (Wie von HIghHopes/dreschen gelernt, schreibe ich es natürlich groß) fliegen bis der voll ist“ überreichte sie mir ein kleines „Aquarium“, in welchem meine kleine Privatarmee schalten und walten konnte.

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Hat sie nicht wirklich gesagt war meine erste Reaktion, bevor eine innere Stimme sich mit den Worten: „Pass auf, das ist sicher eine Falle“ meldete. Ach was, das hat die sicher so gemeint dachte ich mir jedoch eine Sekunde später, setzte meinen Rantanplan Blick auf und ließ mir nichts von meiner innerlichen Achterbahnfahrt anmerken.


Bevor ich das 10. Danke über meine Lippen bringen konnte, war mein Kopf bereits zu den vielfältigen Abflugs- und Zielorten unterwegs und plante die bestmöglichen Routings, um die Ausbeute an Enten zu maximieren. Gott sei Dank habe ich viele an meine Freunde verschenkt, sonst gäbe es keinen Grund für diesen Bericht dachte ich mir, lachte in mich hinein und öffnete meinen Kalender.
 
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aLeXx_

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04.01.2014
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HAM
Es ist August und alle sind im Urlaub, wie willst du das machen? – Halt mein Bier und schau zu


Die anfängliche Begeisterung wich schnell einer Ernüchterung, nachdem ich meinen Dienstplan und Kalender genauer betrachtete. Die Kombination aus 110% Stelle und Schulferien machte meinen Plan, mir mehr als drei Tage am Stück frei zu verschaffen, fast unmöglich. Etwa zwei Wochen, 50 Anrufe, 10 Gefallen und die vollständige Fassungslosigkeit der Dienstplaner, wie so etwas im August möglich ist, später blickte ich aber stolz wie Oskar auf meinen Kalender und freute mich über sieben freie Tage in Folge! Da kann man was mit anstellen, dachte ich mir.

Wer mich kennt, weiß, dass taktisches Vorgehen bei mir nur selten funktioniert, und ich passte eventuell den falschen Moment ab, um zu Hause von meinem grandiosen Plan zu berichten. Bevor ich von meinem wirklichen Vorhaben berichten konnte, begann meine +1 bereits mit Workation und möglichen europäischen Destinationen, an welchen man sich als Paar eine schöne Zeit machen und die freien Tage genießen könnte … Retrospektiv betrachtet war der eingeworfene Satz: „Schatz, wer hat eigentlich gesagt, dass du mitkommst?“ definitiv die falsche Antwort. Das mit der Taktik muss ich wohl noch mal üben. Zwei Gläser Wein später erhielt ich schließlich mit verschränkten Armen und den Worten: „Solange es von deinem Konto geht …“ die Absolution. Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert und meine bessere Hälfte da absolut nichts dagegen hat!

Nun zur wichtigsten Frage: Wohin geht es dieses Mal? Statt eines verblindeten Dartwurfs auf eine Weltkarte zog ich die Buchungsmaske von Google zu Rate. Bei sieben Tagen Vorlauf, den Filtereinstellungen auf Star Alliance und FIRST Class wurde jedoch schnell klar, dass ich, egal wie ich das drehe und wende, es niemals zu Hause durchbekommen werde. Kurz bevor ich bereits aufgeben und mich meinem Schicksal, mit 100 deutschen Familien an einem Strand in Kreta zu liegen, ergeben wollte, fand ich einen bezahlbaren Tarif mit der LH Group nach Japan. Hin mit der Allegris über MUC und zurück mit der 747 über FRA klang bei vier Vouchern auf dem Konto und freien Plätzen in der FIRST sehr verlockend.

Da selbst ich aus Fehlern lerne, entschloss ich mich, meine Reiseroute lieber zu Hause zu besprechen, bevor ich noch auf das Sofa umziehen muss. Im Nachhinein war das die falsche und richtige Entscheidung zugleich. Richtig, weil sowohl Tokio als auch Okinawa und Kyoto mir mit Nachdruck verboten wurden, da meine +1 die auf jeden Fall mit mir zusammen machen möchte. Falsch, weil am nächsten Tag bereits keine Verfügbarkeiten mehr in der Allegris übrig waren. Na gut, dann geht’s halt hin mit den Kollegen von ANA und in den Norden nach Sapporo, ist von den Temperaturen eh besser aushaltbar. Aufgrund der Ankunft um 19 Uhr entschloss ich mich gegen die Möglichkeit, über LHR zu fliegen und „The Room“ von ANA zu testen, und wählte die morgendliche Ankunft um 11 Uhr.


Somit stand am Ende der Planung folgendes Routing:

HAM-MUC-HND-CTS-HND-FRA-MUC

Nach mehrfachen Anrufen bei den teils hilflosen Mitarbeiter:innen der Senator-Hotline und einer kurzen Panik, nicht FIRST fliegen zu können, hat das Upgrade auf dem Rückweg dann doch geklappt. Also zurück an die Arbeit. Die Planung, was ich in Sapporo eigentlich machen werde, mache ich später!

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handballplayer3

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01.10.2015
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DUS
Nach mehrfachen Anrufen bei den teils hilflosen Mitarbeiter:innen der Senator-Hotline und einer kurzen Panik, nicht FIRST fliegen zu können, hat das Upgrade auf dem Rückweg dann doch geklappt. Also zurück an die Arbeit. Die Planung, was ich in Sapporo eigentlich machen werde, mache ich später!
Ich finde mich oft in ähnlichen Situationen und bin sogar schon zweimal planlos in Sapporo aufgeschlagen.
Ist nicht super spektakulär, aber man kann beim Bier Museum vorbeischauen.
 
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aLeXx_

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04.01.2014
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HAM
Was mache ich da eigentlich? – Egal es wird erstmal geflogen!


Einige ereignislose und von Arbeit geprägte Tage später stand ich am Abend vor meinem Abflug neben einer leeren Tasche und fragte mich, was ich in Sapporo wohl brauchen würde. Ein kurzer Blick aufs Wetter verriet mir, dass Regenklamotten sehr hoch im Kurs standen und ich meine Sonnencreme zu Hause lassen konnte. Da in Japan die Preise günstig sein sollen und ich als Ausländer noch keine Umsatzsteuer zahlen muss, packte der Schwabe extra wenig ein und ließ viel Platz für eventuelle Anschaffungen.

Bewaffnet mit meinem Rollkoffer und Dufflebag machte ich mich morgens um 6:50 Uhr auf den Weg zum Hamburger Flughafen. Der volle 292er Bus verströmte einen typischen Pendlercharme und ich blickte in zu viele topmotivierte Gesichter. 18 Minuten und eine vergebliche Suche nach den Bedienknöpfen für meinen Sitz später erreichte ich schon mein Ziel und wurde an einem gewöhnlichen Bürgersteig von meinem Großraumtaxifahrer zurückgelassen. Keine Begrüßung, niemand, der mir mein Gepäck abnimmt, kein roter Teppich … Ist halt doch Hamburg und nicht das FCT (und das falsche Ticket).

Mit etwas Scham stellte ich mich am FIRST Check-in an, um mit einem bemitleidenden Blick Business-Bordkarten ohne Umschlag ausgehändigt zu bekommen. So fühlt sich also sozialer Abstieg an. An den Massen vorbei durch die Fast Lane fand ich mich bereits wenige Minuten später in der Senator Lounge wieder. Eine nette Dame bot mir Frittata mit Avocado an, die mich mit zwei Cafés wieder auf Vordermann brachte. Der anschließende Flug nach München war leider pünktlich und unspektakulär. Warum leider? Absichtlich hatte ich die kürzestmögliche Connection Time gewählt, um bei einer doch für Lufthansa nicht untypischen Verspätung auf die spätere LH-Maschine nach HND umbuchen zu können. Dieses Mal ging mein Plan aber leider nicht auf.

Also weiter im Programm und ab durch die Passkontrolle zur Senator Lounge bei den H-Gates. Hier war ich zum ersten Mal und so enttäuscht, dass ich kurzzeitig nach Star-Alliance-Alternativen am Münchener Flughafen suchte. Spoiler: Es gibt keine. Fast alle Sitzplätze waren belegt, im dunklen hinteren Bereich bekam ich noch einen Platz an der Theke und das Frühstück war fast vollständig aufgegessen. Dann muss es halt eine Brezel tun, das können sie wenigstens und ist für den Schwaben vollkommen in Ordnung. Mit dem Vorsatz, mir das entgangene Lounge-Essen in Frankfurt doppelt zurückzuholen, ging es wenige Minuten später in Richtung H24.

Obwohl wir immer noch in Deutschland waren, verlief das Boarding mit einer selten so beobachteten japanischen Disziplin. Die anwesenden ANA-Angestellten achteten penibel auf die Einhaltung der Boardinggruppen und sortierten, wie ich finde, bemerkenswert souverän die Leute in die entsprechende Schlange. Da könnte sich die LH zwei Schalter weiter gerne mal etwas von abschauen!
 

aLeXx_

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04.01.2014
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HAM
Was machen sie hier? Ab in die Economy mit ihnen!


So oder so ähnlich lief mein Flug ab, nachdem ich an Bord in die falsche Richtung, nämlich nach rechts, abbog und auf meinem Platz 9E in der ersten Reihe der hinteren Business-Kabine landete. Wegen der späten Buchung waren leider keine Fensterplätze mehr frei, für einen Nachtflug schien dies jedoch eine sehr gute Alternative zu sein.

Kurz nachdem ich mich häuslich eingerichtet hatte, kam bereits eine sehr nette japanische Flugbegleiterin und bot mir einen Champagner an. Als ich das Plastikglas in meiner Hand spürte, dachte ich erst an ein Versehen und wollte mich schon lauthals beschweren. Gott sei Dank griff mein Schädel noch ein und gewann die interne Diskussion mit: „Junge, du trinkst vor 11 Uhr Alkohol aus Plastikgläsern … Benimm dich mal, bevor noch jemand was sagt!“ Punkt für mein Gewissen, dachte ich mir. Mal schauen, wie schlagfertig es nach fünf von denen in einer Stunde ist.

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Platztechnisch konnte ich mich nicht beschweren. Ja, der Sitz ist etwas in die Jahre gekommen, aber mit Matratzenauflage und Decke sah und fühlte sich das Ganze doch sehr bequem an. Lediglich der Fußraum hätte am Bulkhead etwas breiter sein können, für Seitenschläfer ist dieser nämlich etwas zu eng.

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Die Durchsage „Boarding completed“ nutzte ich spontan für einen Sitzplatzwechsel auf einen freigebliebenen Fensterplatz neben mir. Hätte ich gewusst, welches Chaos ich damit anrichten würde, hätte ich es aber tunlichst gelassen. Das Gesicht der Stewardess beim Final Check würde ich 1:1 so beschreiben wie das des Pokémons aus dem Sicherheitsvideo.

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Ich hatte mich bereits standesgemäß in meinen Lufthansa-FIRST-Pyjama gekleidet und sie dachte wohl, ich hätte mich aus der Economy nach vorne gesetzt und wollte mich ohne große Erklärungen direkt wieder dorthin verbannen. Flexibilität ist anscheinend nicht die Stärke der ANA-Crew… Wieder was gelernt. Nach kurzer Diskussion und einem aufwendigen Wechsel des Platzes auf ihrem iPad durfte ich aber doch bleiben. Glück gehabt, das wären sonst sehr lange 12:40 Stunden geworden.



Einige Kaltgetränke, dieses Mal aus richtigen Gläsern, später versuchte ich, etwas zu schlafen. Ich glaube, es lag an der frühen Abflugzeit, aber es klappte einfach nicht und ich gab nach etwa vier Stunden frustriert auf. Ausnahmsweise konnte ich niemanden für diesen unhaltbaren Zustand verantwortlich machen und ergab mich meinem Schicksal. Zum Trost bestellte ich mir die Signature Ramen, die sich als richtig guter Mitternachtssnack entpuppte.

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Gesättigt schlief ich doch noch ein und wurde etwa drei Stunden vor der Landung vom plötzlich hellen Kabinenlicht geweckt. Wer macht so etwas bitte bei einer Landung um 6 Uhr …? Zur Strafe für die Kabinenbesatzung wechselte ich erneut meinen Sitzplatz, dieses Mal lies sich aber niemand von mir aus der Ruhe bringen, verdammt... Wenigstens gab es als Entschädigung dafür einen wunderschönen Blick auf den Mt. Fuji.

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Die Ankunft in Tokio war 45 Minuten vor der geplanten Zeit, was mir einen kleinen Vorsprung an der Passkontrolle bescherte. Fast hätte ich vergessen, die Einreiseanmeldung auszufüllen. Dem schnellen Bord WLAN sei Dank konnte ich das noch während der Landung nachholen. Insgesamt brauchte ich vom Verlassen des Flugzeugs bis zum Gepäckband keine 15 Minuten. Nach den ganzen Horrorgeschichten, die man online so liest, gab ich mir dafür ein imaginäres High Five und stellte mich artig ans Gepäckband.
 

aLeXx_

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04.01.2014
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HAM
Japan zum Zweiten – Dann wollen wir Mal

Meine erste Japanerfahrung waren 24 Stunden Tokio im letzten Jahr. Ich war allerdings von dem Erlebnis angefixt und schon sehr gespannt auf das, was mich diesmal erwarten würde. Mit meiner geschulterten Tasche ging es schnurstracks in Richtung Zöllner. Die Dame vor mir musste ihr gesamtes Hab und Gut auf einem Tisch ausbreiten, ich wurde anstandslos durchgewunken. Gute Menschenkenntnis, der Herr.

Hier ist es nicht wie in Amerika: Statt einem Karussell für das Connectionbaggage musste ich an einen Schalter und konnte dort mein Gepäck ohne Warteschlange abgeben. Direkt hinter dem Business Check-in gibt es eine Sicherheitskontrolle, von der aus man nach links weiter in die Lounge kommt. Sehr gut organisiert, wie ich fand. Die Lounge war eigentlich ein gemütlicherer Wartebereich mit Getränken aus dem Automaten. Insgeheim hatte ich auf ein zweites Frühstück gehofft, wurde aber enttäuscht. Das einzige Essen waren eingepackte Reiswaffeln. Danke, aber nein danke.

Auf dem Anschlussflug konnte ich dank eines Platzes in der Exit-Row etwas Schlaf nachholen und erwachte kurz vor dem Touchdown mit einem Sabberfaden am Mund. Hoffentlich hat das keiner gesehen …

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Auf Ratschlag meiner +1 hin hatte ich mir bereits zu Hause die Suica Card in mein Wallet geladen und etwas Guthaben aufgeladen. Im iPhone-Wallet kann man unter „Hinzufügen“ und „ÖPNV“ diverse Karten für alle möglichen asiatischen Länder wie eine Kreditkarte hinzufügen. Ein Trick, den ich ab jetzt nicht mehr missen möchte! Naja, weiter im Text.

Der Airport New Chitose (CTS) befindet sich ca. 50 km von Sapporo entfernt, ist aber über einen Trainservice in 30 Minuten von der Innenstadt aus erreichbar. Nach dem Ausgang die Treppen runter und schon hechtete ich in den nächsten Zug der JR-Linie, welcher auf die Sekunde genau abfuhr. Ich hoffe, die Mitarbeiter der Deutschen Bahn machen hier mal Urlaub und kommen mit gesenktem Kopf nach Hause bzw. schneiden sich hier mal eine große Scheibe ab!

Durch den Trubel am Hauptbahnhof Sapporo Station hindurch ging es weiter mit der grünen Linie bis zur Odori Station, wo sich mein Hotel befand. Für die ersten drei Nächte hatte ich mir das Royal Park Canvas gegenüber dem Fernsehturm ausgesucht. Für einen Aufpreis von 2 Euro pro Nacht war sogar noch ein Zimmer im obersten Stockwerk mit Sicht auf den Turm verfügbar, da sagt der Schwabe natürlich nicht nein.

Da ich einige Stunden vor dem eigentlichen Check-in bereits am Tresen stand, wollte ich eigentlich nur mein Gepäck deponieren und mich noch in die Stadt begeben. Für die absurde Summe von 1.000 Yen (5 Euro) wurde mir aber angeboten, jetzt schon mein Zimmer zu beziehen.

Meine Karte in der Hand ging es mit dem Fahrstuhl in den obersten Stock – endlich mal der Hauch eines FIRST-Class-Erlebnisses. Das Zimmer war für japanische Verhältnisse groß und das Bett wirklich bequem. Auch bei der Aussicht haben sie nicht gelogen, fand auch mein kleiner Begleiter!

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Nach einem kurzen Powernap begann mein Kontrollgang durch die Nachbarschaft. Im Mermaid-Café um die Ecke griff ich kurzentschlossen zu einem Cappuccino und stolperte im Anschluss über einen Biergarten, welcher leider so gar nichts mit bayerischer Gemütlichkeit zu tun hatte.

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Einige Seitenstraßen weiter stolperte ich an einem Sushilokal vorbei, welches sich damit brüstete, den teuersten Thunfisch in Sapporo ersteigert zu haben. Ob das ein wirkliches Qualitätsmerkmal ist, lasse ich mal dahingestellt.

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Über ein paar Blogs (ja, nicht jeder nutzt Instagram) hatte ich ein kleines Café namens HUNDRED gefunden, welches sich als schicke Kombination aus Café und Bar in einem Keller entpuppte. Vor Ort hatte ich leider kein Bild vom Lokal selbst gemacht, das habe ich mir für euch schnell online geklaut äh, geliehen.

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Einen Lemon Squash und einen Oreo-Cheesecake später ging es auch schon weiter, denn ich wollte ja schließlich etwas sehen.

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Durch diverse Einkaufsstraßen wanderte ich kreuz und quer durch die Innenstadt, bis mich ein kleines Neonschild an einem Gebäude in seinen Bann zog.

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Wie die Motte zum Licht interpretierte ich es gleichzeitig als Aufforderung und Zeichen Gottes und suchte nach dem Eingang zu meinem Glück. Wer Japan kennt, weiß, dass die meisten Lokale erst nach zwei Fahrstuhlfahrten und am Ende von gefühlten fünf kleinen Korridoren zu finden sind, so auch hier. Im dritten Stock versteckte sich „The Tap Room“, eine kleine Brauerei mit zwölf verschiedenen Bieren vom Fass. Genau das Richtige nach so einem Tag!

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Ein Freund war letztes Jahr beruflich mehrfach in Sapporo und hatte mir Soup Curry King empfohlen, welches passenderweise zwei Straßen weiter zu finden war. Obwohl ich es als guter Deutscher gewohnt bin und natürlich gerne anstehe, hat mich irgendetwas an der Schlange gestört und ich entschloss mich, ein anderes Mal wiederzukommen.

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Über Google fand ich um die Ecke ein kleines Sushirestaurant, welches ich als mein nächstes Ziel auserkor. Als ich die Schiebetür zwei Straßen weiter zur Seite schob, erloschen leider sofort die angeregten Diskussionen im Lokal und ich blickte in acht verwirrte japanische Gesichter. Der Sushimeister hinter der Theke schüttelte nur wortlos den Kopf. Wie in einem schlechten Film zog ich meinen Kopf zurück und schloss langsam die Tür.

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Etwas verwirrt von der Erfahrung ging ich nachdenklich zurück zu meinem Hotel. Vielleicht habe ich ja in zwei Stunden bessere Chancen auf etwas zu essen … Wenigstens habe ich leicht einen Sitzen, dachte ich mir, als ich mich für eine weitere Stunde mit Ausblick in mein Bett legte.

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aLeXx_

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Ich habe Hunger – Teil zwei

Etwa vier Emails später meldete sich mein knurrender Magen und verlangte nach Essen, egal welcher Art. Bevor ich noch Stimmungsschwankungen wie meine +1 in solchen Situationen durchmache quälte ich meinen Jetlag gebeutelten Körper aus dem Bett und machte mich mit etwas Wasser und einem Tshirt gesellschaftsfähig. Warum nicht nochmal bei dem Sushiladen vorbeischauen war meine erste Idee, so einfach werden die mich nicht los. Zwei Seitenstraßen weiter schob ich also erneut die Tür beiseite, nur um erneut ein stummes Kopfschütteln zu ernten. Na danke, aber jetzt habt ihr meinen Ehrgeiz geweckt!

Zu meiner Überraschung schien halb Sapporo heute Lust auf Sushi zu haben, denn dieselbe Erfahrung machte ich bei den nächsten 6! Lokalen, die mir von einschlägigen Seiten empfohlen wurden. Inzwischen mit leicht genervter Einstellung würde ich den Verlauf des Abends als Abenteuer beschreiben, welches ich mit meiner hungrigen +1 auf jeden Fall vermeiden wollen würde!

Ich endete irgendwann in der Ramen alley, wo sich einige mehr oder weniger bekannte Läden aneinanderreihten. Auf Empfehlung eines Einheimischen hin suchte ich mir leider die längste aller Schlangen an, aber jetzt war es eh zu spät und wie lange kann sowas bitte dauern…

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Um die Frage zu beantworten: Es vergingen 90 Minuten vom ersten Anstehen bis zum Bestellen des Essens! Nah an der Unterhopfung fiel ich endlich in einem kleinen Laden namens Gantetsu Yokocho auf einen Stuhl und hielt mich zwanghaft an der Theke fest, bis ein schaumiges Kaltgetränk vor meinem Gesicht erschien. Zwei Bier und ein wirklich ausgezeichneten Ramen später schlenderte ich noch durch die inzwischen Neonbeleuchteten Straßen, bevor der Schlafmangel mich in die Knie zwang. Nagut, bist halt keine 20 mehr, morgen ist ja auch noch ein Tag.

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