Ich möchte an dieser Stelle mal ein sehr unappetitliches Wort einwerfen: Zwangsarbeit! Und dieses Wort auch gleich erklären bzw. relativieren.
Deutschland ist ein wohlhabender Sozialstaat, kein Mensch sollte bei uns auf der Straße leben oder hungern müssen. Um dies zu verhindern gibt es zahlreiche Mittel, um Bürgern auch ohne Arbeitsplatz ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Das bestehende System hat allerdings einige Schwachpunkte. Zum einen gibt es Menschen, die mit der spärlichen Sozialhilfe zufrieden sind, und gar keine Motivation haben um arbeiten zu gehen. Andere würden gerne arbeiten, bekommen aber keine Jobs bzw. sind nach langer Arbeitslosigkeit nicht mehr integrierbar.
Es wird oft gefordert, die soziale Hängematte unattraktiver zu gestalten und längere Arbeitslosigkeit stärker zu sanktionieren. Das Problem besteht darin, dass der Arbeitsmarkt keine Rücksicht auf die Anforderungen des Staates nimmt, und trotz Förderung nicht allen Arbeitslosen eine Beschäftigung bieten kann. Wenn Langzeitarbeitslosigkeit schon bestraft werden soll, dann sehe ich den Staat in der Pflicht für ausreichend Arbeitsplätze zu sorgen. Und dies wird mit reinen Fördermaßnahmen niemals möglich sein.
Drum könnte man, zumindest als Gedankenexperiment, den Staat wieder als Arbeitgeber ins Spiel bringen. Jeder Bundesbürger bekommt das Recht auf eine Vollzeitbeschäftigung im Umfang von 40 Wochenstunden, die er für Vater Staat erbringen kann. Als Leiharbeiter in Unternehmen, als Hilfskraft beim Reinigen der Straßen oder mit Glück in einem (der leider viel zu wenigen) staatlichen Betrieben mit Aussicht auf eine Lehrausbildung. Wer Geld vom Staat will soll dafür arbeiten müssen, aber auch die Möglichkeit haben arbeiten zu dürfen. Damit würde die Arbeitskraft von fünf Millionen Bürgergeldbeziehern endlich genutzt, und Sanktionen für das Nichterscheinen auf Arbeit wären gerechtfertigt.
Und ja, es gibt sicher auch Gründe die gegen eine derartige Lösung sprechen. Aber so ganz abwegig ist sie gar nicht. Die schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft, konkret Menschen mit einer geistigen oder psychischen Beeinträchtigung, werden auch in (zugegebenermaßen privaten) Werkstätten beschäftigt. Unabhängig davon, ob sie wollen oder nicht. Es ist schließlich Teil der deutschen Arbeitsethik, dass ein Mensch einen Arbeitsplatz benötigt um sich persönlich entfalten zu können. Wirtschaftliche Gründe für den Betrieb eine WfbM gibt es nicht, es wäre viel günstiger, Menschen mit Behinderung vor dem Fernseher zu parken und mit Bier ruhigzustellen.