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Herrliche lustige Schreibweise, vielen Dank. Der Tag beginnt ....T – One night in Bangkok
Mit der Absolution meiner +1 in Form eines „Aha….“ bewaffnet machte ich mich, frisch gestärkt an die Erkundung des thailändischen Nachtlebens. Auf Grund meiner körperlichen Verfassung und meines von 84 Stunden im Flieger gebrochenen Egos entschied ich mich gegen eine Tuk-Tuk Fahrt in ein Backpackerviertel und spazierte durch die Gassen. Mein kleiner Begleiter musste für diese Veranstaltung leider zu Hause bleiben.
Google Maps verriet mir, dass etwa 500 Meter von meinem Hotel die berüchtigte Soi Cowboy sein sollte. Als guter Hamburger dachte ich mir nur: Kennste sowas, kannst mit umgehen. Falsch gedacht. Leicht schockiert vom Altersdurchschnitt der Herren und der Differenz zu den im Arm liegenden Frauen lief ich also die Straße hinab. Lasst es mich euch sagen: Es wurde einfach nicht besser… 3 Minuten später kam ich also am Ende der Straße an und musste kurz überlegen, wo ich im Leben falsch abgebogen bin, dass ich hier geendet bin. Kurzer Blick zurück auf die letzten 4 Tage – Frage beantwortet.
Mein einziger Trost war, dass ich offensichtlich zu jung und gutaussehend bin, um von den zahlreichen Damen angesprochen zu werden. Mit der Erkenntnis gesegnet entschloss ich mich spontan in der letzten Bar der Straße ein kühles Bier zu bestellen und mir von einem Tisch aus dem Treiben auf der Straße zuzusehen. Beruflich hasse ich diese Gaffer, hier war es aber wirklich wie bei einem Verkehrsunfall. Man konnte einfach nicht wegschauen. Während ich mir die teils hilflosen, aber auch erfolgreichen Konversationsversuche um mich herum audiovisuell gönnte schlichen sich jedoch zwei Damen von der Seiter her an. Ganz schön sneaky dachte ich mir, als ich sie mit einem taktischen Blick auf meinen Bildschirmhintergrund (zeigt meine Miss Aha…) und einem „waiting for somebody“ erfolgreich abwimmelte. Der artige Deutsche und Schwabe in mir bestand darauf, das Bier auszutrinken, weshalb ich mir die Veranstaltung noch weitere 10 Minuten gönnte.
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Mit einem innerlichen: „Ich kann sagen ich war mal da“ ging es zurück in meine nicht wesentlich bessere Straße. Dort angekommen ließ ich mir spontan noch einmal die Füße massieren. So viel Bewegung waren sie einfach nicht mehr gewohnt.
Mit einer Vorfreude, die ich zuletzt als Kind an Weihnachten verspürt hatte, kam ich in meinem Hotel an und ließ mich in mein Bett fallen. Immer noch auf der Suche nach dem WANN wachte ich vor meinem Wecker um kurz nach 5 Uhr auf. Dann wollen wir mal dachte ich mir nur und stieg eine kurze Dusche später erneut in ein Grab zurück zum Airport.
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Beitrag automatisch zusammengeführt:
T – Ich liebe andere Mitreisende. NICHT!
Am Flughafen Bangkok vollzog ich den sozialen Abstieg zum normalen Volke und musste mich mit online-check-in und Donutstand statt einem Herzlich Willkommen und wir bringen sie zur Lounge zufriedengeben. Eingeschüchtert von der neuen Realität und aus Angst, vor allen anwesenden auf Grund meines absurd übergewichtigen Handgepäcks von den Gate Agents geächtet zu werden, versteckte ich mich bis kurz vor Boarding in einer der letzten Reihen. Im Nachhinein war die Angst unbegründet, Bangkok Airways ist anscheinend doch kein AirAsia/Ryanair verschnitt und ich betrat unbehelligt mein Fluggefährt in Richtung Trat.
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An Bord war ich wie in Thailand üblich der einzige Deutsche – NICHT. Umgeben von einer, es tut mir schrecklich leid!, RTL II Familie war mir relativ schnell klar, dass es lange 45 Minuten werden würden. Man wurde ich nicht enttäuscht!
Ich möchte diese Chance nutzen euch Kevin vorzustellen. 4 Jahre, etwa 20 kg Kampfgewicht und eine Selbstverständlichkeit, dass ihm der Flieger gehört, wie ich sie nicht mal in der First (aus Demut vor diesem kleinen Kampfzwerg schreibe ich das klein) an den Tag lege. Kevin war der Meinung, unterstützt von seiner Oma und geistig nicht anwesenden Eltern, dass ihm der Laden gehört und er sitzen darf, wo er will. Jeglicher Widerstand wurde durch sirenenartiges Schreien, Treten gegen die Sitze und Schlagen gegen die Scheibe erfolgreich gebrochen. Stolz über seinen Punktsieg suchte er nach dreifachem Wechsel des Platzes den Stuhl vor mir als seinen Thron aus. Wenn er wüsste, dass hinter ihm der von globetrotter gekrönte König der Idioten sitzt.
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Nach 15 Minuten Flugzeit hatte ich die kurzfristige Hoffnung, doch noch an meinem Vortrag arbeiten zu können, bis ihm einer der Mitreisenden einen Wetwipe in die Hand drückte. Die nächsten 20 Minuten verbrachte der kleine als selbsternannter Facility Manager und putzte Wand, Sonnenblende und Fenster seines Thrones. Prinzipiell war ich ein großer Freund dieser Beschäftigungstherapie, bis das Ausschütteln des nassen Lappens begann. Das an die Eltern gerichtete „lass ihn doch machen“, seiner neben mir sitzenden Oma, quittierte ich mit einem „Aha….“ – Jetzt weiß ich warum meine +1 das so regelmäßig zu mir sagt. Die kurze Erklärung auf gebrochenem Englisch, dass er ja ein Kind sei quittierte ich erneut mit einem „Aha….“
Die letzten Minuten unterband ich meinen Reflex, den Sitz vor mir umzuklappen und verließ nach Landung fluchtartig das Flugzeug. Gott sei Dank muss ich die nicht wiedersehen dachte ich mir nur, bevor die gesammelte Familie in Mannschaftsstärke von 8 Personen die Ladefläche meines Sammeltaxis bestieg. Haste scheiße am Schuh…
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