Abschied von Peking
Oder:
Attackierende Wasserhähne, falsche Zugtickets und der lange Heimweg über die eigene Vernunft
Der Tag des Aufbruchs war gekommen. Drei Nächte Peking waren vorbei, und wie immer bei gelungenen Kurztrips stellte sich dieses leichte Gefühl ein: Habe ich genug gesehen? Habe ich zu viel gegessen? Habe ich überhaupt verstanden, wie chinesische Ticketautomaten funktionieren? Die ehrliche Antwort auf alle drei Fragen lautet vermutlich: irgendwie schon.
Nicht ohne ein letztes kleines Hotel-Drama natürlich. Nachdem mich in den vergangenen Tagen bereits die automatische Toilette mehrfach mit ihrem schwungvollen Deckel erschreckt hatte, war nun flysurfer an der Reihe. Bei ihm war es allerdings nicht die Toilette, sondern der Wasserhahn.
Der Wasserdruck im Badezimmer war nämlich von der Kategorie "kommunale Feuerwehrübung". Wenn man den Hahn zu schnell aufdrehte beziehungsweise den Hebelmechanismus zu enthusiastisch zu sich zog, schoss das Wasser mit vollem Druck ins Becken, prallte dort mit maximaler Geschwindigkeit ab und landete direkt auf dem Hemd des Opfers. Nicht ein paar kleine Spritzer. Nicht "ach, trocknet gleich". Nein, eher: "Du bist jetzt Teil des Wasserspiels."
Kennt ihr die legendäre Szene aus Mr. Bean - Der Film? So ungefähr. Nur ohne Kamera-Team, dafür mit mehr persönlicher Betroffenheit. Zum Glück war es nur Wasser. Hätte der Wasserhahn Tee ausgespuckt, hätte man es vielleicht noch als chinesische Gastfreundschaft verkaufen können.
Beim Frühstück hatte ich mein Nudelprojekt aufgegeben. Nach den bisherigen Suppenverwechslungen, Wartezeiten und kleinen Missverständnissen hatte ich beschlossen, dass es manchmal besser ist, eine kulinarische Beziehung rechtzeitig zu beenden. Also bestellte ich stattdessen Pan-fried Dumplings.
Und siehe da: Die kamen ausnahmsweise nach kurzer Wartezeit. Vielleicht hätte ich doch noch einmal die Suppe bestellen sollen. Vielleicht hätte heute alles funktioniert. Vielleicht wäre es die Beef Noodle Soup meines Lebens geworden. Aber so ist das mit verpassten Chancen: Man lebt weiter, meistens mit Dumplings.
Am Buffet hielt ich mich diesmal zurück. Nicht aus Disziplin, sondern aus strategischem Selbsterhalt. Es stand ein langer Flugtag bevor, und lange Flugtage bedeuten in der Regel, dass man noch mehrfach Dinge serviert bekommt, die man nicht zwingend braucht, aber aus Langeweile trotzdem isst. Man muss nicht schon morgens den Magen beleidigen, wenn später noch mehrere Airlines die Gelegenheit dazu bekommen.
Während flysurfer am Vorabend bei Lufthansa online einchecken konnte und sogar eine mobile Bordkarte erhielt, blockte Royal Air Maroc bei mir komplett. Nicht nur die Ausgabe einer Bordkarte wurde verweigert - nein, der gesamte Online-Check-in ging nicht.
"Bitte wenden Sie sich an einen Schalter am Flughafen."
Immerhin war das ehrlich. Nach unserer Kairo-Erfahrung war mir ein kompletter Online-Check-in-Fail fast lieber als eine Bordkarte, die am Ende nur so tut, als wäre sie eine. Royal Air Maroc hatte also diesmal wenigstens dafür gesorgt, dass ich mich nicht in falscher Sicherheit wiegte. Das ist auch eine Art Service. Eine sehr nordafrikanische, leicht passive-aggressive Art Service, aber immerhin.
Andererseits hatten wir in Kairo gelernt, dass auch eine ausgestellte Bordkarte in der falschen Form keine Bordkarte sein muss. Also: viel Glück, flysurfer. Deine mobile Lufthansa-Bordkarte sah hübsch aus. Ob sie in der Praxis auch als Bordkarte durchgeht, entscheidet wie immer irgendein Mensch an einem Kontrollpunkt mit sehr begrenztem Interesse an unserer Reiseplanung.
Der Lufthansa-Check-in für Casablanca-Frankfurt-Nürnberg wurde mir ebenfalls verweigert. Auch dort musste der Check-in am Flughafen erfolgen. Das Online-Bordkartenglück war an diesem Tag eindeutig nicht auf meiner Seite. Vielleicht hatte es sich mit meiner Geldtasche solidarisiert und war ebenfalls zu Hause geblieben.
Ursprünglich hatte ich vor, wieder mit U-Bahn und Airport Express nach Peking Daxing zu fahren. Das hätte sicher funktioniert, vermutlich sogar effizient. Aber eine DiDi-Fahrt war für rund 17€ buchbar. Bequem, direkt, keine Ticketschranken, kein "MÖÖÖP", kein Rätseln, wo man Plastikchips einsteckt. Also DiDi.
flysurfer fuhr ebenfalls per DiDi zum Flughafen, allerdings zum alten Pekinger Flughafen PEK, während ich nach Daxing musste. Beim Hotel-Checkout trennten sich unsere Wege. Ein letzter gemeinsamer Blick, vermutlich irgendwo zwischen "war schön" und "hoffentlich schnarchst du im Royal Air Maroc-Sitz nicht auch noch fremde Passagiere wach", dann war er weg.
Ich hingegen versuchte am Check-out noch herauszufinden, warum mein 20 USD Ambassador F&B Voucher nicht angewendet wurde. Tags zuvor, als ich die 15€ F&B-Gutscheine online eingelöst hatte, wurde der Rabatt noch angezeigt. Auf der Rechnung fehlte aber der Ambassador-Voucher. Ich hatte das Gefühl, dass mein Problem zunächst nicht wirklich verstanden wurde, denn es waren ja vier F&B-Gutscheine eingelöst. Nur eben nicht der richtige.
Zwei weitere Mitarbeiter wurden hinzugezogen. Dann ein Online-Translator. Schließlich konnte man mir vermitteln, dass diese Ambassador-Gutscheine in Mainland China offenbar nicht verfügbar sind und es stattdessen kostenloses Frühstück gibt.
Aha.
Man lernt nie aus. Vielschläferprogramme haben eben auch ihre Tücken im Kleingedruckten. Man denkt, man habe einen 20-Dollar-Gutschein, und China sagt: "Nein, aber du hattest Frühstück. Sei glücklich." Streng genommen war ich das ja auch. Aber ein bisschen fühlt es sich an, als würde man beim Monopoly eine Ereigniskarte ziehen und darauf steht: "Gehe direkt zum Buffet. Ziehe keine 20 Dollar ein."
Mein DiDi brachte mich in knapp einer Stunde zum Flughafen Daxing, wo ich gut 90 Minuten vor Abflug ankam. An den Check-in-Schaltern waren kaum noch Passagiere. Meine Bordkarte bekam die Sequence Number 255 von 305 verfügbaren Sitzen. Also nicht ganz letzter Drücker, aber definitiv auch nicht "early bird catches the overhead bin".
Die Ausreise ging zügig. Danach kaufte ich noch eine Stange Marlboro für meine Nachbarin und machte mich auf die Suche nach der Lounge: die BCS Lounge bei Gate E90.
Auf dem Weg dorthin entdeckte ich den Chinese Garden im Flughafen - eine kleine Ruheoase mit Pagoden, Bepflanzung und einem großen Teich. Ein schöner Kontrast zum modernen, riesigen Flughafengebäude. Daxing wirkt ja ohnehin wie ein Flughafen, der sich dachte: "Wenn wir schon neu bauen, dann bitte gleich so, dass Menschen mit Höhenangst und Orientierungsschwäche leichte Demut entwickeln."
Großen Hunger hatte ich nicht, aber natürlich bestellte ich mir trotzdem eine obligatorische Beef Rice Noodle Soup in der Lounge. Man muss Projekte ja nicht komplett aufgeben. Die Suppe sah zwar nicht so gut aus wie im InterConti, war aber essbar. Eher Großküchen-Suppe à la Mensa als kulinarischer Offenbarungseid, aber gut: Flughafenlounge, kein Michelin-Tempel. Die Erwartungen müssen irgendwo landen, idealerweise vor dem Flugzeug.
Der anschließende Flug war eher unspektakulär. Und das Catering kam nicht an das Essen ab Casablanca heran. Die Ravioli mit Pestosauce schmeckten ein bisschen wie aus der Supermarkt-Tüte, kombiniert mit einer dünn angerührten Instant-Knorr-Sauce. Nicht ungenießbar, aber auch nichts, wofür man später nostalgisch aus dem Fenster schaut.
Auf das Dessert verzichtete ich zunächst. Ich wollte schlafen und es später vertilgen. Prioritäten. Dank meiner AirPods Pro bekam ich dann tatsächlich etwa fünf Stunden Schlaf. Noise Cancelling an, Welt aus, Royal Air Maroc bitte kurz leise sein.
Das on-demand bestellte Dessert zur Halbzeit des Fluges war allerdings an Trockenheit kaum zu überbieten. Außerdem war es keines der Desserts von der Dessertkarte. Keine Ahnung, wo man das für mich ausgegraben hatte. Vielleicht aus einem Notfallfach. Vielleicht aus einem Museum für dehydrierte Süßspeisen. Vielleicht war es ursprünglich gar kein Dessert, sondern ein Verpackungsmaterial mit Ambitionen.
Anschließend schaute ich die zweite Staffel von Achtsam Morden, bis bereits der Pre-Arrival-Snack gereicht wurde. Der war dann wieder essbar: ein Chicken Wrap. Keine Offenbarung, aber solide. Man wird auf langen Flügen ja dankbar für alles, was nicht aktiv gegen die eigene Mundfeuchtigkeit arbeitet.
Kurz zuvor waren wir direkt über Nürnberg/Fürth geflogen. Ich schaute hinunter und dachte: Wie schön wäre es, jetzt einfach auszusteigen. Falls Fallschirm, Zollfreigabe und Luftfahrtrecht etwas flexibler wären, hätte mir das mehrere Stunden erspart.
Aber nein. Es ging noch über drei Stunden weiter nach Casablanca.
Manchmal fragt man sich in solchen Momenten, was man sich bei der Buchung dieses Fluges überhaupt gedacht hat.
Dann erinnert man sich:
Ach ja. Emerald-Status requalifizieren.
Und schon ist alles wieder gut. Zumindest in der Parallelwelt, in der Statusmeilen emotionale Logik ersetzen.
Die Landung in Casablanca erfolgte etwa zehn Minuten vor Flugplan, und ich hatte nun knapp sechs Stunden Aufenthalt. Spontan entschloss ich mich, in die Stadt zu fahren. Der Zug vom Flughafen zum Hafen dauert gut eine Stunde, was meiner Kalkulation nach rund zwei Stunden für einen Abendspaziergang in Casablanca ergeben würde. Mit Gepäck natürlich, denn am Flughafen gibt es keine Gepäckaufbewahrung. Warum auch. Wäre ja praktisch.
Ich hoffte nur, dass ich die Zugkarte mit Apple Pay bezahlen konnte. Denn beinahe hätte ich es vergessen: Ich reiste ja immer noch ohne Geldtasche und ohne physische Kreditkarten. Und flysurfer, mein potenzieller Finanzminister, war mittlerweile etwa 3.000 Kilometer entfernt in München. Team getrennt. Wallet weiterhin absent. Digitale Zahlungsfähigkeit: systemkritisch.
Anyway: Um meine Lufthansa-Bordkarte zu erhalten, musste ich ohnehin einreisen. Also konnte ich auch kurz Casablanca anschauen.
Ich hatte Glück. Der Automat akzeptierte Apple Pay. Ich buchte den Zug mit Abfahrt 19:55 Uhr und Rückfahrt um 22:40 Uhr. Laut meinem Freund ChatGPT sollte das ausreichen, um zur Hassan-II.-Moschee zu kommen und anschließend etwas an der Promenade am Meer entlangzuspazieren. Also zog ich meine Tickets aus dem Automaten, stieg in den Zug, suchte mir einen Sitzplatz und blickte kurz auf mein Ticket.
WTF.
Da stand nicht der 19:55-Zug, den ich eigentlich ausgewählt hatte, sondern ein Zug zwei Stunden später. Immerhin passte das Rückfahrtticket. Da derartige Last-Minute-Tickets meist ohnehin flexibel wirken - zumindest in meiner hoffnungsvollen Interpretation - dachte ich mir: Das wird schon passen.
Bis der Kontrolleur kam, den QR-Code scannte und das Gerät ein lautes MÖÖÖP von sich gab.
Ein Geräusch, das ich bereits von den U-Bahn-Schranken in Peking kannte. Vermutlich derselbe Hersteller. Oder das internationale Warnsignal für "Tourist hat etwas falsch verstanden".
Der Kontrolleur konnte leider nur Französisch und Arabisch und versuchte mir zu erklären, dass ich im falschen Zug sitze. Ich wiederum versuchte zu erklären, dass ich nur für zwei Stunden in die Stadt wolle und hier mein Rückfahrt-Ticket sei. Eine hochkomplexe Kommunikation aus Gesten, Ticketwedeln, freundlichem Gesichtsausdruck und innerem Beten.
Irgendwann schien er es verstanden zu haben. Er nahm mein Ticket, malte irgendetwas darauf und meinte:
"OK. C'est bon."
Ich überlegte kurz, was mir in Deutschland passiert wäre. Vermutlich 60€ Strafe, ein belehrender Vortrag und ein Ausdruck, auf dem "Beförderungserschleichung" steht. In Marokko hingegen: ein Strich aufs Ticket, ein "C'est bon" und weiter geht's. Vielleicht will man Touristen nicht verschrecken. Vielleicht war er einfach nett. Vielleicht hatte auch er keine Lust, einen geldbörsenlosen Deutschen auf Französisch durch das Tarifsystem zu begleiten.
Am Casa Port angekommen, rief ich mir ein Careem und ließ mich die zwei Kilometer zur Moschee fahren.
Und wow.
Die Hassan-II.-Moschee ist wirklich beeindruckend. Riesig, elegant, direkt am Meer, Wahrzeichen von Casablanca und trotz ihrer vergleichsweise jungen Geschichte monumental genug, um sofort Wirkung zu entfalten. Ich verbrachte dort etwa eine Stunde mit Fotografieren, Beobachten und einfach Herumlaufen.
Auf dem Platz davor und an der Promenade war eine wunderbar ruhige, zivilisierte Atmosphäre. Familien, Kinder, Jugendliche, ältere Menschen, Einheimische, Spaziergänger. Klein und groß, jung und alt. Kein Stress, kein Gedränge, kein aggressives Verkaufstheater. Einfach ein schöner Abend am Meer.
Schade, dass ich kein Cash dabeihatte. Sonst hätte ich vielleicht das eine oder andere Streetfood probiert und vielleicht auch ein Armband von zwei Mädchen gekauft, die mich freundlich ansprachen. Aber ohne Geldtasche ist man eben selektiv konsumfähig. Apple Pay hilft viel, aber nicht bei allem. Manchmal trennt einen von einem schönen kleinen Souvenir nicht der Preis, sondern die Abwesenheit eines simplen Geldscheins.
Um 23:48 Uhr war ich pünktlich wieder am Flughafen. Dort konnte ich meine Bordkarten nach Nürnberg abholen, Fast Track Immigration und Security passieren und mich noch durch diverse Duty-Free-Shops arbeiten.
Meine Mission: größere Packungsgrößen der Pflegeprodukte aus dem Royal-Air-Maroc-Amenity-Kit finden. Die Produkte hatten mir auf den Flügen wirklich gut gefallen. Leider kannten alle Verkäufer die Marke, führten sie aber nicht. Das ist eine besonders perfide Form von Hoffnung: "Ja, kennen wir." Pause. "Nein, haben wir nicht."
Also ging ich leer aus.
Lufthansa nutzt in Casablanca die Aspire Lounge, und ich hatte gelesen, dass dort für die Dusche extra kassiert wird. Da ich nach einem Langstreckenflug, einem Casablanca-Spaziergang mit Gepäck und einem gewissen allgemeinen Reiseverschleiß durchaus duschwillig war, ging ich weiter zur Zenith Lounge von Royal Air Maroc. Den Weg kannte ich glücklicherweise schon von der Hinreise. Diesmal fühlte ich mich fast wie ein Ortskundiger. Ein gefährliches Gefühl.
Dort gab es eine kostenlose Dusche ohne Wartezeit. Perfekt. Für Buffeterkundung hatte ich keine Zeit und auch keinen Hunger. Also frisch geduscht, aber kulinarisch ausnahmsweise einmal zurückhaltend, weiter zum Boardinggate A06 im anderen Terminal.
Als ich dort ankam - fünf Minuten vor der angegebenen Boardingzeit - waren offenbar schon fast alle Passagiere an Bord. Ich war tatsächlich einer der letzten und durfte mir dann in der Drei-Reihen-Business-Class ein freies Fach für meinen Koffer suchen. Glücklicherweise fand sich noch ein kleiner Platz, in den ich den Koffer zwängen konnte.
Pre-Departure-Drinks gibt es bei Lufthansa auf der Mittelstrecke beziehungsweise langen Kurzstrecke im A320 natürlich nicht. Steckdosen ebenfalls nicht. Mein iPhone-Akku hatte inzwischen nur noch 11%, und eine Powerbank hatte ich auch nicht dabei.
Shit happens.
Für die angesetzten drei Stunden Flugzeit versuchte ich zu schlafen, was sich in den dafür eher ungeeigneten Lufthansa-Business-Class-Sitzen als schwierig erwies. Glücklicherweise hatte ich auf der Langstrecke schon vorgeschlafen. Der Essensservice wurde komplett ausgelassen. Ich nahm nur die kleine 0,2-Liter-Wasserflasche entgegen. Mehr wollte ich nicht. Mehr brauchte ich nicht. Mehr hätte vermutlich auch nicht geholfen.
Da ich kaum schlafen konnte, hatte ich immerhin die Gelegenheit, ein paar schöne Fotos von der Dämmerung und dem Sonnenaufgang zu machen. Wenn einem die Airline schon keinen erholsamen Schlaf ermöglicht, kann sie wenigstens als fliegende Aussichtsplattform dienen.
In Frankfurt angekommen hatten wir natürlich eine Außenposition. Was sonst? Frankfurt ohne Busankunft fühlt sich mittlerweile fast unvollständig an. Dazu stand auch noch die Bundespolizei an der Treppe und machte eine zusätzliche Passkontrolle. Immerhin ging es schnell, und ich bekam wieder einmal eine kostenlose Flughafenrundfahrt. Man muss die Benefits nehmen, wie sie kommen.
Bei der Einreise dann der Schock: Nur sechs E-Gates offen, eines davon defekt, und die Schlange zog sich gefühlt 100 bis 150 Meter in einen Gang. Genau das, was man nach einem Nachtflug um sechs Uhr morgens sehen möchte.
Erstaunlicherweise ging es trotz der langen Schlange relativ zügig. Besonders positiv fiel ein Mitarbeiter an den E-Gates auf, der mit einer für diese Uhrzeit bewundernswerten Mischung aus Humor, Klarheit und Geduld Anweisungen gab und den Prozess permanent erklärte.
Ein wahrer Diamantmitarbeiter.
So jemanden müsste man klonen und an alle deutschen Flughäfen verteilen. Oder zumindest in Frankfurt unter Denkmalschutz stellen.
Danach gab es ein kurzes Loungefrühstück, bevor es weiter zum Boarding des Fluges nach Nürnberg ging. Gate A02. Also wieder Bus fahren. Natürlich. Ich versuche mich wirklich zu erinnern, wann ich in Frankfurt zuletzt das Glück hatte, ein ordentliches Fingergate zu bekommen. Es muss sehr lange her sein. Vielleicht war Helmut Kohl noch Kanzler. Vielleicht gab es damals noch Raucherbereiche mit Teppichboden. Die Erinnerung ist verschwommen.
Die Flugzeit nach Nürnberg betrug schließlich ganze 35 Minuten. Als Catering gab es einen Früchte-Shot und ein Gebäckteil aus einer braunen Papiertüte. Es wirkte ein bisschen, als hätte der Purser höchstpersönlich vorher noch bei Lidl oder Netto ein paar Teilchen für die Passagiere organisiert.
Aber gut, das war jetzt das obligatorische Lufthansa-Gemeckere. Ein Reisebericht ohne ein bisschen LH-Motzen wäre schließlich wie Peking-Ente ohne knusprige Haut: formal möglich, aber emotional unbefriedigend.
Überpünktlich um 07:55 Uhr war ich wieder am Heimatflughafen angekommen.
Wow.
Was für eine Reise. Was für Eindrücke. Was für ein Routing. Was für eine Mischung aus Status-Run, Kulturprogramm, Zahlungsnotstand, QR-Code-Erziehung, Loungebuffets, MÖÖÖP-Geräuschen und kulinarischen Höhepunkten.
Jetzt blieb nur noch die Hoffnung, dass alle Meilen korrekt gutgeschrieben werden, so wie ich mir das ausgerechnet hatte, und der SafarFlyer Platinum damit requalifiziert war.
Immerhin war genau das der ursprüngliche Grund für diese Reise.
Ehrlich gesagt hatte ich diesen Grund während der fünf Tage aber fast komplett in den Hintergrund gerückt. Die Meilen waren der Anlass. Die Reise selbst wurde der eigentliche Gewinn.