The Big Dance – Ironman Hawaii
Donnerstag: Auf der Suche nach dem Vulkan
Für Donnerstag hatten wir uns noch einen letzten größeren Ausflug vorgenommen. Unser Plan war, zunächst zum „End of the World“ zu fahren. Dort gibt es einen bekannten Cliff-Jump von ungefähr 20 Metern Höhe, den wir uns zumindest einmal anschauen wollten. Und wenn man schon dort ist … Nun ja.

Die Entscheidung wurde uns allerdings relativ schnell abgenommen. Die Brandung war an diesem Tag so heftig, dass selbst die Locals davon abrieten zu springen. Wenn Einheimische auf Hawaii sagen, dass man heute besser nicht von einer 20 Meter hohen Klippe ins Meer springen sollte, neige selbst ich dazu, diesen Rat ernst zu nehmen.
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Also Plan B. Wir wollten ohnehin noch zum Kīlauea und machten uns auf den Weg Richtung Hawaiʻi Volcanoes National Park. Dabei zeigte Big Island allerdings wieder einmal, wie unterschiedlich das Wetter auf dieser Insel sein kann. Während wir an der Westküste inzwischen ziemlich zuverlässig Sonne, Hitze und trockene Lava-Landschaft hatten, machte die Ostseite ihrem Ruf alle Ehre. Regen. Nebel. Noch mehr Regen. Vom Vulkan selbst beziehungsweise von den Rauchschwaden sahen wir deshalb immer nur zwischendurch etwas, wenn der Nebel für einen Moment aufriss. Nicht ganz das spektakuläre Vulkanerlebnis, das wir uns vorgestellt hatten. Aber so ist es eben mit der Natur. Man kann viel planen, nur interessieren sich weder der Pazifik noch ein Vulkan sonderlich für unseren Reiseplan.

Zurück in Kona war das Wetter dann natürlich wieder deutlich besser und wir vertrieben uns den Rest des Tages unter anderem im Sea Pool direkt vor unserer Unterkunft.
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Und damit war das Sightseeing für diese Woche endgültig beendet. Denn am nächsten Tag musste das Spielzeug vorbereitet werden.
Freitag: Jetzt bloß nichts mehr kaputtmachen
Der Tag vor einem Ironman folgt bei mir inzwischen einem ziemlich festen Ablauf. Noch einmal eine ganz kurze Aktivierung, um zu schauen, ob der Körper grundsätzlich noch funktioniert. Bike checken. Schaltung checken. Elektronik laden. Reifen kontrollieren. Nutrition vorbereiten. Und vor allem möglichst vermeiden, in den letzten 24 Stunden noch irgendeinen Blödsinn zu machen.

Danach beginnt das große Sortieren. Bike Bag. Run Bag. Alles noch einmal kontrollieren. Und noch einmal kontrollieren. Und wahrscheinlich zehn Minuten später noch einmal kontrollieren. Denn obwohl man das schon ein paar Mal gemacht hat, schafft es ein Ironman immer wieder, einen am Tag vorher daran zweifeln zu lassen, ob man wirklich in der Lage ist, Schuhe, Helm und Startnummer in die richtigen Beutel zu packen.

Am Nachmittag musste das Rad dann bereits in die Wechselzone. Spätestens wenn das Fahrrad dort hängt und die Wechselbeutel abgegeben sind, gibt es eigentlich nichts mehr zu tun. Außer essen. Trinken. Und versuchen zu schlafen.
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The Big Dance
Samstag, 10. Oktober: Race Day
Der Wecker war eigentlich gar nicht nötig. Um 3:30 Uhr morgens wurden wir von strömendem Regen geweckt. Kona. Das kannte ich bereits aus den Vorjahren. Und ich wusste auch ungefähr, was das bedeutet Der Morgen wird dadurch vielleicht etwas kühler. Dafür steigt später, wenn die Sonne herauskommt, die Luftfeuchtigkeit ins Unangenehme. Mit anderen Worten: Das würde ein harter Tag werden. Die Profis starteten natürlich deutlich vor uns Age Groupern. Und da die Altersgruppen nacheinander ins Wasser geschickt werden und wir etwas älteren Herren traditionell nicht unbedingt als Erste dran sind, hatte ich noch reichlich Zeit. Fast eine Stunde nach den Profis war es dann auch für mich soweit. 7:35 Uhr. Kanonenschuss.
Los.
3,8 Kilometer: Der Pazifik zeigt, wer hier bestimmt
Die See war an diesem Morgen ziemlich unruhig. Von meinen bisherigen Starts in Kona war es wahrscheinlich das anspruchsvollste Schwimmen. Aber erstaunlicherweise kam ich damit ganz gut zurecht. Ich fand relativ schnell ein paar gute Füße, an denen ich mich orientieren konnte, bekam meinen Rhythmus und hatte zwischendurch sogar genügend Ruhe, um unter mir die Fische anzuschauen.
Das ist dann doch einer dieser Momente, in denen einem wieder bewusst wird, wo man gerade schwimmt.
Ironman World Championship.
Kailua Bay.
Hawaii.
Kann man schlechter in einen Samstag starten.
Wechselzone 1: Und plötzlich machen die Beine zu
Nach dem Schwimmen holte mich allerdings ein Problem ein, das ich leider schon von einigen anderen Rennen kenne. Meine Oberschenkel begannen massiv zu verkrampfen. Warum das passiert, ist bis heute nicht abschließend geklärt und etwas, dem ich nach Kona definitiv noch einmal nachgehen muss. Für den Moment half mir diese Erkenntnis allerdings relativ wenig. Die Folge war eine Wechselzone1, die ungefähr doppelt so lange dauerte wie geplant. Und als ich schließlich auf dem Fahrrad saß, war das Problem noch nicht vollständig verschwunden. Auf den ersten Kilometern bekam ich kaum die Leistung aufs Pedal, die ich eigentlich fahren wollte. Nicht unbedingt der Start in 180 Kilometer Radfahren, den man sich wünscht. Aber irgendwann wurde es besser. Und spätestens als wir Kona hinter uns gelassen hatten und auf der Queen Kaʻahumanu Highway waren, konnte ich wieder halbwegs normal fahren.
180 Kilometer Backofen
Dann begann Kona, Kona zu sein. Sonne. Lava. Hitze. Praktisch kein Schatten. Und Wind. Viel Wind. Eine der besonderen Freuden der Radstrecke in Hawaii besteht darin, dass der Wind im Laufe des Tages gerne seine Richtung verändert. Das kann zu der ausgesprochen motivierenden Situation führen, dass man auf dem Weg nach Hawi Gegenwind hat und sich denkt: Immerhin habe ich nach dem Wendepunkt Rückenwind. Dann dreht man in Hawi um. Und hat wieder Gegenwind.

Genau so fühlte es sich diesmal an. 90 Kilometer gegen den Wind hin. Und gefühlt noch einmal 90 Kilometer gegen den Wind zurück. Dazwischen pralle hawaiianische Sonne und kilometerlang praktisch keinerlei Schutz. Irgendwann hat man dann ausreichend Zeit, sich zu fragen, warum man eigentlich sehr viel Geld dafür bezahlt hat, hier sein zu dürfen. Aber auch das gehört zu Kona.
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Noch einen Marathon?
Als ich wieder in Kona ankam, war ich mir angesichts der Muskelprobleme vom Morgen keineswegs sicher, wie viel Laufen an diesem Tag noch möglich sein würde. 42,2 Kilometer erschienen jedenfalls zunächst nicht unbedingt wie die naheliegendste Freizeitbeschäftigung. Aber bei einem Ironman passieren manchmal merkwürdige Dinge. Also Laufschuhe an. Loslaufen. Und schauen, was passiert. Und irgendwie …… ging es. Nicht schnell. Ganz sicher nicht so schnell, wie ich mir das vor dem Rennen vorgestellt hatte. Aber ich konnte laufen. Kilometer für Kilometer. Ali‘i Drive. Palani. Queen K. Energy Lab. Und wieder zurück. Je länger das Rennen dauerte, desto klarer wurde: Ich werde diesen Marathon tatsächlich durchlaufen. Und ich werde wieder auf den Ali‘i Drive zurückkommen.
Noch einmal Ali‘i Drive
Wer schon einmal in Kona gestartet ist, weiß vermutlich, warum dieser letzte Kilometer etwas Besonderes ist. Nach einem ganzen Tag im Wasser, auf dem Rad und zu Fuß biegt man irgendwann zurück auf den Ali‘i Drive. Plötzlich stehen wieder überall Menschen. Es wird laut. Man sieht das Ziel. Und in diesem Moment ist ziemlich egal, ob der Tag exakt so gelaufen ist, wie man ihn sich auf irgendeinem Spreadsheet oder in irgendeiner Race Prediction vorher ausgerechnet hatte. Denn man ist wieder hier. Auf der Finish Line des Ironman Hawaii. Und dieses Mal wartete dort noch etwas ganz Besonderes auf mich. Meine Partnerin und mein Sohn hatten beide als Volunteers im Zielbereich gearbeitet. Meine Partnerin konnte mich direkt auf der Finish Line in Empfang nehmen und mir die Medaille umhängen. Und mein Sohn konnte mir anschließend das Finisher-Handtuch umlegen und dafür sorgen, dass sein doch etwas fertiger Vater wieder halbwegs versorgt wurde.
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Das sind Momente, die keine Zielzeit wirklich abbilden kann. Ein verdammt harter Tag. Ganz sicher nicht das Rennen, das ich mir sportlich in allen Details vorgestellt hatte. Aber am Ende stand mein
drittes Finish bei der IRONMAN World Championship in Kona. Und vor allem durfte ich dieses Finish mit den beiden Menschen teilen, die den ganzen Tag dort waren und mich unterstützt haben. Das macht aus einem schwierigen Rennen dann doch einen ziemlich perfekten Tag.
The Big Dance.
Geschafft.
Und was macht man am Morgen nach einem Ironman Hawaii?
Ganz sicher keinen Sport.
Oder?
Nun ja …
Fortsetzung folgt …