So ist es aber, leider. Oder glaubt jemand ernsthaft, dass die Züge zwischen Gotha und Gera auch nur annähernd die Kosten einspielen?
Das es auf solchen Relationen nicht ganz einfach ist kostendeckend zu fahren, mag ich gern glauben. Die Ursachen dafür sind nach meinem Dafürhalten auch innerhalb des DB-Konzerns zu suchen:
Preisgestaltung: Die Ticketpreise sind im Vergleich zur Entfernung einfach nicht wettbewerbsfähig im Vergleich zum Auto, vor allem wenn man zu zweit oder weiteren Personen unterwegs ist. Und nein: wir müssen an der Stelle nicht die Diskussion zu den Ist-Kosten des Autos wieder anfangen

Hinzu kommt die aberwitzige Preisgestaltung beim Flexpreis für spontane Reisen. Würde man hier eine realistische Preissetzung betreiben, würde nach meinem Dafürhalten die Auslastung steigen, getreu dem Motto, dass sich jedes Angebot seine Nachfrage schafft.
Zugmaterial: Fernverkehr muss kostendeckend sein, soweit bekannt. Aber der Trend der DB zu untrennbaren Zugeinheiten macht es dem Unternehmen auch immer schwerer kostendeckend abseits der Rennstrecken zu fahren. Diese Einheiten mit 12 bis 14 Wagen können abseits der Rennstrecken niemals eine kostendeckende Auslastung erreichen. Da mittlerweile aber nur noch solche Züge geordert werden,verschärft sich die Problematik immer mehr. Hinzu kommt, dass die Zuglänge im Trassenpreissystem der InfraGO ein essentieller Parameter ist und es noch schwerer macht, auf solchen Streckenästen nur halbwegs profitabel zu fahren. Auch wenn ich kein Freund der Baureihe 411/415 bin, so war es mit diesen Fahrzeugen sicherlich deutlich einfacher Fernverkehr in der Fläche abzubilden. Aber auch diese werden ja jetzt ausgemustert und diese überlangen 14-Wagen Zugkompositionen ersetzt.
Eine abschließende Lösung habe ich nicht, aber die noch weitere Ausdünnung des Fernverkehrs kann es nicht sein. Damit sägt man selbst am Ast, auf dem man sitzt, wenn man seine Fahrgäste erst 120 bis 150 Minuten zum nächsten Fernverkehrsbahnhof schaukelt, während der Fernzug dies in 90 Minuten schafft. Wenn es allerdings gar nicht anders geht, sollte man eine Lösung mit beschleunigten Nahverkehrszügen finden, die die Distanz in vergleichbarer Fahrzeit bewältigen können, wie der RE1 in Bayern oder zwischen Wendlingen und Ulm über die SFS oder durch zielgerichtete Auslassung von Halten.