Tag 1 - Ankunft
Grob zur Halbzeit des Fluges wurde ich langsam wach, wenngleich mein Schlaf in Flugzeugen immer eher unruhig und nicht durchgängig ist. Ich erfreute mich an mir bis dato unbekannter französischsprachiger Musik, die jedoch immer wieder durch Stille unterbrochen wurde. Wenn bei Spotify ein Album oder eine Playlist vollständig wiedergegeben wurde, wird ja mit einem KI-Algorithmus diese mit weiteren mehr oder weniger passenden Titeln fortgesetzt. Hier gelang das theoretisch gut, nur hatte ich lediglich das kostenlose FlyNet-Angebot ("sponsored by Mastercard") gebucht, sodass die begrenzte Datenrate offenbar nicht ausreichte, um die noch nicht auf meinem Handy befindlichen Musiktitel unterbrechungsfrei streamen zu können.
So stoppte ich die Wiedergabe und legte meine Ohrhörer erstmal zurück in die Ladeschale. Nachdem die Ohrhörer ohnehin nur noch ca. 4-5 Stunden halten, wäre ich sowieso irgendwann von der nervenden "Battery low"-Warnung wach geworden. So war ich froh, für die verbleibende Flugzeit die Dinger nochmal aufladen zu können. Ich hingegen kletterte über den schlafenden +1, um mich auf der Bordtoilette der zahllosen mittlerweile mehr oder weniger verstoffwechselten Getränke zu entledigen.
Ich fragte in der Galley noch nach etwas Wasser und steckte mir zurück am Platz die Ohrhörer wieder in die Gehörgänge, um bei einer ewig langen Playlist mit Hits der 2010er Jahre wieder zurück in das Reich der Träume zu finden.
Gute zwei Stunden vor der Landung wachte ich erneut auf. Ich besuchte wieder die Bordtoilette und bat wieder um ein Wasser. Anschließend folgte ich der Flightmap und chattete etwas über WhatsApp, bis gut 1,5 Stunden vor der Landung die sehr freundliche Flugbegleiterin auftauchte und uns nach unseren Frühstückswünschen fragte. Wir wählten Beide mit dem mit Champignons gefüllten Crêpe die pikante Variante, die uns wenige Momente später serviert wurde.
Der Crêpe schmeckte halbwegs, war aber keine Erfüllung. Generell erlebe ich die jeweils zweite Mahlzeit auf LH-Langstrecken als sehr lieblos.
Ca. 9,5 Stunden nach dem Take-Off flogen wir zwischen dem Stadtzentrum Bangkoks und dem Flughafen Suvarnabhumi an Beiden vorbei. Leider reagierte ich zu langsam, um den BKK von oben fotografieren zu können. Wenige Momente später erreichten wir den Golf von Thailand, über dem eine 180°-Kurve eingelegt wurde.
Wenige Minuten später konnte ich auf die Skyline Bangkoks blicken.
Nach insgesamt 9 Stunden und 50 Minuten Flugzeit erreichten wir schließlich den Flughafen von Bangkok.
Unser Ankunftsgate erreichten wir noch recht schnell, aber dann sollte es erst einen Moment dauern, bis die Fluggastbrücken mit dem A380 verbunden waren und dann wurde durchgesagt, dass es noch keine Freigabe zum Aussteigen seitens des Flughafens geben würde. Nach einem Moment war dies aber auch gelöst.
Die Fluggastbrücke vom Oberdeck nach unten konnten wir noch gut durchschreiten, aber dann staute es sich. Es strömten viele Passagiere aus dem Unterdeck und es warteten mindestens ein Dutzend Rollstühle mit Mitarbeitern seitlich in der Fluggastbrücke, sodass es nur zäh voran ging. Eine Viertelstunde nach Erreichen der Gateposition waren wir jedoch bereits auf unserem zügigen Weg Richtung Einreisekontrolle.
An der östlichen Immigration wurden 14 Minuten Wartezeit für diese und 12 Minuten Wartezeit für die etwas entfernte Westliche angezeigt. Wir bogen dennoch Beide in die östliche Immigration ein, wo wir der Beschilderung für "Thai Nationals" folgten. +1 nahm dort die automatischen E-Gates zur Einreise. Ich hingegen begab mich zur Priority-Einreise, die sich rechts neben der Immigration für Einheimische und somit am anderen Ende als die normale Einreisekontrolle befand.
An der Prio-Immigration waren zwar alle Schalter geöffnet, aber überall standen ein halbes bis ein Dutzend Personen an. Ich hatte jedoch ein glückliches Händchen bei der Wahl der richtigen Warteschlange, denn der Beamte an dieser arbeitete wirklich im Akkord und es gab vor mir glücklicherweise auch keinen Problemfall. Der Südkoreaner vor mir hatte neben seinem Pass und Bordkarte auch den ausgedruckten TDAC-QR-Code dabei, welchen ich jedoch nicht ausgedruckt hatte. So öffnete ich auf meinem Handy das entsprechende PDF, was jedoch nicht notwendig war, denn der Einreisebeamte gab sich mit meinem Pass zufrieden. Nach dem digitalen Erfassen meiner Fingerabdrücke und einem Foto erhielt ich fix die 60 Tage visafreien Aufenthalt in meinem Pass gestempelt.
Nur gute zehn Minuten nach dem Betreten des Terminalgebäude konnte ich das Gepäckband Nr. 8 erreichen, wo unser Flug angeschlagen stand. Zu meiner Überraschung stand hier das First- und HON-Gepäck bereit, wenngleich von deren Besitzern noch nichts zu sehen war.
Tatsächlich schienen wir zu den sehr wenigen Passagieren unseres Fluges gehört zu haben, die es so schnell hierher geschafft hatten. Aber tatsächlich kennen viele die Prio-Immigration wohl auch nicht und seitens Lufthansa wurde auf dieser auch nicht hingewiesen.
Es dürften dann noch ca. zehn Minuten gedauert haben, bis unsere Koffer ausgeliefert wurden. Mit diesen machten wir uns auf den Weg durch den thailändischen Zoll, der jedoch kein Interesse an uns sondern einigen Passagieren vor und hinter uns hatte.
Für die Fahrt zum gebuchten Hotel, dem Conrad Bangkok, hatten wir wieder jenen Fahrer gewählt, der uns die letzten Thailandreisen so zuverlässig und mit Bedacht gefahren hatte. +1 hatte ihn bereits über unseren Einreisefortschritt informiert. Wir sollten ihn an der Ausgangstür Nr. 3 treffen. Tatsächlich hatte lief er uns direkt entgegen, nachdem er uns erkannt hatte. Wir folgten ihm anschließend in das mit dem Terminal durch einen Übergang verbundene Parkhaus, wo wir wenig später in den bequemen Sitzen seines Mercedes-Vans Platz nehmen konnten.
An diesem Samstagnachmittag dauerte die Fahrt eine gute Dreiviertelstunde. Kurz vor Erreichem des Conrads konnten wir dieses bereits von einer Parallelstraße erkennen.
Das Conrad hatte ich als Marriott-Fanboy übrigens gewählt, da ich den Marriott Bonvoy Titanium bereits für das Folgejahr erfolgreich verlängert hatte und mit ursprünglich Anfang 2026 auslaufendem Hilton-Diamond-Status (dank DKB Hilton Kreditkarte) neugierig auf das Conrad war. Zwischenzeitlich habe ich dann auch die Advanzia Hilton Kreditkarte abgeschlossen und die drei anstehenden Nächte sollten mich über das 40-Nächte-Ziel bringen.
Am Conrad wurde das Gepäck ausgeladen und wir verabschiedeten uns von unserem Fahrer, dem +1 wenig später den Fahrpreis überwies. An der Rezeption des Conrad stellte man nach Vorlage meines Reisepasses fest, dass ich Hilton Diamond sei und somit in der Lounge eingecheckt werden sollte. So wurden wir in die Lounge im 29. Stock des Gebäudes begleitet, was aufgrund der offenbar stark gefragten Fahrstühle etwas dauern sollte.
Dort angekommen wurden wir zu einem Platz geführt und gefragt, ob wir Softdrinks oder Kaffe wünschen würden. Wir wählten stilles Wasser. Auch wenn wir das Ambiente der Lounge relativ angenehm fanden, hofften wir auf einen schnellen Check-in, denn sehnten wir uns Beide nach einer erfrischenden Dusche.
Ich hielt die Aussicht fest.
Der gesamte Check-in-Prozess dauerte unangenehm lange. Irgendwann kam der Mitarbeiter zurück und bat um Eingabe der PIN-Nummer zu meiner Kreditkarte. Anschließend verschwand er wieder für eine Weile. Als er dann in Summe ca. 20 Minuten nach unserem Eintreffen in der Lounge zu uns kam, sehnte ich mich nach den Zimmerkarten, jedoch nur um zu erfahren, dass das Housekeeping sichergehen wolle, dass unser Zimmer auch perfrekt sei, was noch 30 Minuten in Anspruch nehmen würde. Ich war perplex und nicht wirklich schlagfertig, denn eigentlich fand ich es unangebracht bei einem Check-in gegen 16:30 gerade als Statusgast länger auf sein Zimmer warten zu müssen.
Gegen 17 Uhr fragte ich dann leicht ungehalten bei dem Mitarbeiter, um man den Prozess nicht bitte beschleunigen könnte, denn wir würden nach einem Langstreckenflug so langsam gerne auf unser Zimmer. Er bat um noch einen Moment. Tatsächlich konnten wir dann einige Minuten später endlich die Zimmerkarten erhalten.
Auf dem Weg auf unser Zimmer war ich jedoch enttäsuscht, denn dieses sollte in der 18. Etage liegen. Nachdem das Hotel nur Zimmer in den Etagen 16 bis 32 anbietet, waren wir schonmal weit unten. Und beim Betreten unseres Zimmers wurde dann auch die Befürchtung Gewissheit, dass es kein Upgrade gab, denn hatten wir genau den gebuchten (unrenovierten) Corner-Room erhalten.
Das Zimmer war zwar von angenehmer Größe, aber hätte ich mir doch ein Upgrade oder zumindest ein Zimmer auf einer hohen Etage gewünscht.
Die Aussicht war auch deutlich schlechter als von der Lounge aus.
Dennoch war ich froh, mich endlich duschen und erfrischen zu können. Eine Weile später begab ich mich zurück in die Lounge, in welcher von 17:30 bis 19:30 eine Happy Hour angeboten wurde. Ich erhielt direkt einen Teller mit Canapes sowie wenig später das gewünschte Bier.
Nachdem mich die halbwegs schmeckenden Canapes nicht wirklich satt und zufrieden gemacht hatten, inspizierte ich das Büffet.
Nicht nur ich sondern auch +1, der wenig später zu mir stieß, fand das Angebot wenig ansprechend. Dennoch war es in der Lounge sehr voll, was vielleicht das ausgebliebene Upgrade ein wenig erklärte. Zu meiner Verwunderung waren erstaunlich viele deutschsprachige Gäste hier. An einem größeren Tisch saßen gleich drei ältere deutsche Paare. Die Unterhaltung unter diesen wurde maßgeblich von einem Herren dominiert, der nach jedem Satz mit einem extrem lauten und für meine Wahrnehmung künstlich affektierten Lachen auffiel, zumal sein ihm gegenüber sitzender und mehrfach erwähnter Partner nicht hörbar blieb. Er hatte ein signifikantes Mitteilungsbedürfnis, das zumindest die beiden älteren Ehepaare, mit denen man offenbar bekannt geworden war, stoisch über sich ergehen ließen. Der ebenfalls deutschsprachige Herr hinter mir rollte hingegen ebenso mit den Augen, wie sich andere Gäste irritiert über die Gesprächslautstärke zeigten. Die Reiseanekdoten jenes lautstarken Erzählers, in denen er sich über das Personal vom LH-Check-in mockierte, weil diese ITA nicht als LH-Tochter erkannten, oder in welchem er sich brüstete dank Flightright 2x 600€ abzüglich 25% erhalten zu haben, würden ebenso wie seine Empfehlung der Hilton-Kreditkarte (obwohl Advanzia ja noch viel schlimmer als die ohnehin schlechte DKB sei) halbwegs hier in das Forum passen, aber die Art und Weise seiner Erzählungen, die man aufgrund der enormen Lautstarke leider nicht überhören konnte, störte ein wenig.
Unabhängig davon fragten +1 und ich uns, ob es wirklich eine gute Idee wäre, +1s Bruder in die Lounge einzuladen, was wir uns eigentlich zuvor überlegt hatten. Die Gästegebühr war hoch und das Essen schlecht. Mein Schwager, der uns heute nicht nur zur Übergabe zahlreicher Mitbringsel treffen wollte, wartete wenig später in der Hotellobby. Nachdem zahlreiche Mitbringsel übergeben und in seinem Auto verstaut waren, fuhr er mit uns die Wireless Road hinunter und bog in die "Soi Polo", um auf dem offiziellen Parkplatz von
"Polo Fried Chicken" einzuparken.
Nach kurzer Wartezeit vor dem beliebten und im "Bib Gourmand" gelisteten Laden erhielten wir einen Platz im klimatisierten Innenraum. Wenig später wurde auch direkt ein eiskaltes Carabao-Lager serviert.
Nur wenige Minuten nach unserer Bestellung kamen die gewünschten Gerichte an den Platz (von links nach rechts): nordostthailändische Wurst ("Saigrok Isarn"), "Tap Wan" = "süße Leber", die gar nicht süß sondern eher scharf ist, Papayasalt, Krebs, Grillhähnchen mit frittiertem Knoblauch (Signature-Dish des Restaurants) und Papayasalat mit fermentiertem Fisch bzw. deutlich strengeren Aromen für +1 und seinen Bruder
Hier die knoblauchige leicht fermentierte Wurst und die Leber in Nahaufnahme:
Und hier mein Papayasalat ("Som Tam Thai") mit den eher dezenten Aromen sowie das Grillhähnchen:
Nach dem wirklich guten Essen verabschiedete sich der aktuell stark beschäftigte Schwager auch leider schon wieder. Wir hingegen liefen zurück zur Hauptstra0e und überquerten diese über eine Brücke. Von dort hatten wir einen Blick auf den Lumpini-Park, in welchem ein Fest des Roten Kreuzes stattfand.
Dies machte uns neugierig, sodass wir den Park betraten und uns umschauten.
Tatsächlich bestand dieses Fest zum Einen aus Essens- bzw. Snackständen. Eine besonders lange Schlange gab es vor dem Stand mit gegrillter Zunge.
Aber auch Meeresfruchtsalat schien beliebt.
+1 hingegen schlug bei einem fast schon ausverkauften Desserstand zu, wenngleich wir eigentlich ziemlich satt waren.
Tatsächlich habe ich den beliebten Lumpini-Park noch nie so voll erlebt.
Zum Anderen bestand das Fest übrigens aus Glücksspielständen. Hier sollten irgendwie Pfeile geworfen werden.
Bingo schien in zahlreichen Zelten auch sehr beliebt zu sein.
Auch gab es eine traditionelle thailändische Theaterdarbietung, der wir eine Weile zusahen.
Nachdem sich bei uns Beiden aufgrund des nicht ausreichendes Schlafes auf dem Flug Müdigkeit breit machte, begaben wir uns zurück zu Hotel, welches ich auf dem Rückweg fotografisch festhielt.
Zurück auf dem Zimmer gab es mittlerweile ein Welcome Gift, denn das (mittlerweile teilweise verzehrte) Obst wurde um zwei Flaschen italienischen Wassers und zwei Snacktüten ergänzt. Wenigsten ein Anzeichen einer Diamond-Statuswürdigung.
Übermüdet fielen wir gegen 22 Uhr Ortszeit (16 Uhr daheim) ins Bett.