Dass die meisten (ja, sogar alle) VAR-Prüfungen für Argentinien entschieden wurden, spricht nicht gerade für die These, dass Argentinien systematisch von den Schiris bevorzugt wird. Ganz im Gegenteil, offensichtlich wird auf dem Feld im Zweifel erstmal gegen Argentinien entschieden und dann vom VAR korrigiert.
Viele hier im Thread kontrovers diskutierten Entscheidungen beruhen ja auf einer Fehlentscheidung gegen Argentinien. Sieht Pinheiro Embolos Schwalbe direkt, dann gibt’s überhaupt keinen Raum für irgendwelche VAR-Verschwörungstheorien, sondern alle reden nur darum, wie dumm die Aktion war. Kurioserweise wurde ja Embolo die gleich nächste Fehlentscheidung gegen Argentinien zum Verhängnis, nämlich Gelb für so ein Allerwelts“foul“. Ohne Gelb wäre hier einfach mit Freistoß für die Schweiz im Niemandsland weitergespielt worden. Kein Hahn hätte mehr nach der Szene gekräht. Genauso wie beim aberkannten 2:0 der Ägypter, ahndet der Schiri das Foul direkt korrekt, dann gibt es auch überhaupt keine Diskussionen.
Nix. Das habe ich auch nicht gesagt. Ich habe nur relativiert, weshalb Argentinien viele Tore geschossen hat und daraus den Schluss gezogen, dass die Tatsache als solche Argentinien nicht zum Favoriten macht.
Ja, Argentinien hatte sicherlich den leichtesten Weg ins Finale. Wobei sie sich teilweise überschneiden. Kap Verde und Österreich hatten beide, mit exakt dem gleichen Ergebnis (Sieg gegen Österreich, Remis gegen CPV nach 90 Minuten). Dennoch musst du auch gegen schwache Gegner erstmal im Schnitt fast 3 Tore schießen.
Im Übrigen sehe ich auch Argentinien gar nicht als Favoriten im Finale. Ich habe hier ja bereits erwähnt, dass kadermäßig die Europäer klar mehr Qualität haben. Die Verlängerungen und Aufholjagden werden auch Substanz gekostet haben - sollte man bei diesem Mammutturnier nicht unberücksichtigt lassen. Ich habe lediglich gesagt, dass die Argentinier ziemlich verdient ins Finale eingezogen sind und der Vergleich zu Rudis Rumpeltruppe stark hinkt, die mit 3x 1:0 ins Finale gekommen ist. Allein schon wegen der vielen geschossenen Tore, aber auch wegen der gezeigten Leistungen außerhalb dieses Turniers, wo wirklich alles gewonnen wurde, was geht. Deutschland hat sich ja 2002 sogar nur über die Playoffs qualifiziert, weil man eine Klatsche gegen England bekommen hat, davor und danach gab es je ein Vorrundenaus bei der EM. Der Finaleinzug 2002 lag weit über den Erwartungen.
Nein, ganz so nicht. Ich habe die Rangliste immer für Kaffeesatzleserei und eine scheingenaue overengineerte Rechenübung ohne viel Relevanz gehalten. Und muss eben in diesem Turnier recht überrascht feststellen, wie genau sie die tatsächlichen Ergebnisse abbildet.
So Elo-Spielereien gibt's ja schon länger unter Fussball-Nerds - auch einfach um Teams aus verschiedenen Epochen miteinander zu vergleichen. Die Ungarn die 1950-56 nur ein einziges Spiel verloren haben - das Wunder von Bern - halten immer noch das höchste Rating aller Zeiten. Aber auch andere starke Nationalmannschaften wie del Bosques Spanien (2008-2012) oder Löws Deutschland (2010-2014) kamen da nah dran. Die Rumpeltruppen mit den wir 1982, 1986 und 2002 Vizeweltmeister wurden hatten hingegen nie ein hohes Rating. Insofern ist das schon ein akkurates Mittel um Teamstärke, selbst über verschiedene Epochen, einzuordnen. Das hat sogar mittlerweile die FIFA gemerkt, nachdem ihr ursprüngliche Weltrangliste ziemlich kuriose Rankings geliefert hat.
Auch wenn Frankreich-England gerade das zweite Spiel der K.O.-Phase wird, in dem die niedriger plazierte Mannschaft gewinnt
Ich hätte gerne Argentinien gegen Frankreich gesehen, weil das die beiden offensiv stärksten Mannschaften waren. Aber vielleicht ist es folgerichtig, im Finale die beiden grundverschiedenen Ansätze zu sehen - ein offensiv starker Einzelkönner, dem alle anderen zuarbeiten vs. eine geschlossene Mannschaft, die defensiv stark ist.
Frankreich war für mich bis zum Halbfinale auch klarer Favorit und spielte in einer eigenen Liga, dazu noch die besten Einzelspieler. Aber dafür kann man sich nichts kaufen, wenn man dann in nur einem Spiel zum Totalausfall wird. Und im Gegensatz zu den Argentinier haben die Franzosen, dann auch keine Siegermentalität gezeigt und sich irgendwie ins Spiel zurückgebissen. Selbst nach dem 2:0 kam da nichts mehr. Für eine WM ist es dann eben ein gebrauchter Tag zu viel. Hat so bisschen an uns 2010 erinnert - allerdings auf niedrigeren Niveau.