Tag 18: Futaba
Futaba grenzt direkt an das Kraftwerksgelände von Fukushima Daiichi an, und war dementsprechend am stärksten von den strahlungsbedingten Auswirkungen betroffen. Erst im Jahr 2022 wurden erste Bereiche für die Wiederbesiedlung freigegeben, vorher waren Teile der Stadt nur für tagesweise Besuche frei bzw. der größte Teil komplett gesperrt. Auch heute noch gibt es Gebiete, die als "Difficult-to-return" markiert und nur für kurze Aufenthalte freigegeben sind.
In den Bereichen sind die Gebäude und teilweise auch komplette Seitenstraßen immer noch abgesperrt:
Hier der Sperrbereich zum Kraftwerk:
An der Stelle lag die Strahlendosis bei 0,071 Mikrosievert/Stunde. Zum Vergleich: Bei einem Langstreckenflug nach Japan kann man bis zu 0,1 Millisievert ausgesetzt sein.
An der Straße nach Okuma kommt man bis auf ca. 2,3 Kilometer ran, die Baukräne stehen an den ehemaligen Reaktoren:
In Futaba wurden einige Einrichtungen als Teil eines Memorial Parks im Gedenken an die Dreifach-Katastrophe errichtet. Hier die National Memorial Hall:
Erdhügel anstelle ehemaliger Häuser der Morotake-Siedlung, nahe der heutigen Memorial Hall:
Straße zur Ukedo Elementary School:
Ukedo Elementary School, inzwischen auch als Gedenkstätte zugänglich gemacht:
Eindrucksvoll der Höhenmarkers des Tsunamis.
In der Ukedo Elementary School fand zum Zeitpunkt des Erdbebens Unterricht statt. Alle Schüler konnten jedoch rechtzeitig evakuiert werden und haben somit den Tsunami überlebt. Die Evakuierungsroute führte über ca. 2 Kilometer auf einen nahegelegenen Hügel:
Zeitpunkt zwischen Evakuierung und Ankunft des Tsunamis waren ca. 45 Minuten.
Aussicht vom heutigen neuen Schutzwall:
Desweiteren wurde in Futaba das Great East Japan Earthquake and Nuclear Disaster Memorial Museum erbaut, in welchem insbesondere die ersten Tage nach dem Erdbeben anschaulich gemacht werden. Leider habe ich es versäumt, im Museum Bilder zu machen. Die Beschreibungen sind weitgehend zweisprachig, es gibt auch hier eine App, mit der englische Texte angezeigt werden können (auch bspw. Übersetzungen von Briefen, die im Original ausgestellt werden, und bei denen nicht immer direkt die englische Übersetzung angebracht ist).
Sehr anschaulich fand ich einige Punkte rund um die Tsunami-Warnung. Bspw. hat ein Bürgermeister berichtet, dass er auf dem Weg zu einem Fluchtpunkt einige Anwohner angetroffen hatte, die die Warnung herunterspielten, und sich deswegen nicht evakuierten, im Sinne von "Was soll hier schon passieren". Viele dachten wohl auch, weil der Meeresboden vor Futaba wohl recht flach abfällt, dass deswegen kein großer Tsunami entstehen kann. Sowohl Erdbeben als auch Tsunami waren ja jeweils die schwersten die es bisher in Japan gab.
Die initiale Tsunami-Warnung in den ersten Minuten nach dem Beben sprach auch von ca. 3m Höhe, welche nach und nach auf 6 und dann 10 m erhöht wurde.
Neben der Tsunami-Evakuierung waren natürlich dann die folgenden Tage und weitere, größere Evakuierungen durch das folgende Kraftwerksunglück und die damit einhergehende weitere Verlegung der Evakuierten in andere Auffangstellen ein großes Problem. Insgesamt wurden am Ende 160000 Einwohner evakuiert. Teilweise musste Evakuierte mehr als fünfmal verlegt werden, ein Resultat der immer größer werdenden Evakuierungsbereiche.
Da ich für zwei Tage hier auch wieder einen Mietwagen hatte, bin ich noch ein bisschen in die Nachbarstädte Okuma und Namie gefahren. Namie wurde schon ein bisschen früher als Futaba wieder freigegeben, und dort wurde auch nicht soviel durch den Tsunami zerstört, dementsprechend sieht man dort ein relativ "normales" Stadtleben. In Futaba wird das sicherlich noch einige Zeit dauert. Man sieht viel Bauaktivität, auch viele Häuser, die schon wieder renoviert und bewohnt sind, aber eben trotzdem noch viele Gebiete, die quasi noch "tot" sind. Wäre das ganze "nur" der Tsunami gewesen, wären die Bewohner sicherlich schneller wieder zurückgekommen, aber gerade die Angst vor der Strahlung und die lange Zeit der Evakuierung hindert viele daran, wieder zurückzukehren. Nach so vielen Jahren hat man sich ja am Ende irgendwo anders eingerichtet, einen neuen Job, Wohnung etc.
Beschädigtes Feuerwehrfahrzeug im Museum:
Alt und neu:
Der Neubau im Hintergrund ist das Futatabi-Hotel, welches am 1.6. eröffnet werden sollte (ob das geklappt hat, weiß ich leider nicht).
In jedem Fall war der Besuch in Futaba eine sehr aufschlussreiche Erfahrung, welche ich nur jedem empfehlen kann, der abseits der Golden Route unterwegs sein möchte.