Seniorität heißt das Zauberwort.
Meiner Ansicht nach greift die häufig genannte Begründung, dass vor allem die Seniorität Piloten im LH-Konzern hält, deutlich zu kurz. Diejenigen, die vom bestehenden System am meisten profitieren, sind ohnehin nicht die eigentliche Zielgruppe der aktuellen Verhandlungen und stellen zahlenmäßig eher eine Minderheit dar.
Die Anpassungen bei der Altersvorsorge sind vor allem deshalb notwendig, weil es eine wachsende Gruppe von Piloten gibt, die im Laufe ihrer Karriere voraussichtlich nicht mehr die Position des CPT erreichen wird. Für diese Piloten entstehen Versorgungslücken, welche bei Einstellung vor 15 Jahren nicht vorauszusehen waren.
Gleichzeitig finde ich es positiv, dass innerhalb der Belegschaft ein gewisser Zusammenhalt erkennbar ist. Gerade vor dem Hintergrund, dass der LH-Konzern seit Jahren immer neue Low-Cost-Strukturen etabliert, ist es nachvollziehbar, zumindest bei der Altersvorsorge der Piloten in der Passage nachzusteuern.
Ein weiterer unterschätzter Faktor warum man seine Firma nicht verlässt ist zudem die wirtschaftliche Stärke. Die Lufthansa hat seit 2001 mehrere massive Krisen durchlaufen, von 9/11 über Finanzkrise bis hin zur Pandemie, und ist jedes Mal vergleichsweise erfolgreich daraus hervorgegangen. Das schafft Vertrauen und Planungssicherheit, welche die wenigsten Airlines in dieser Weise haben. Und wenn man die Airlines vom Sandkasten mit den LH Strukturen vergleichen will, kann man die Diskussion direkt sein lassen.