Ich wollte mich zu diesem Thema eigentlich nicht äußern, weil ich mit den Positionen der Tarifparteien nicht hinreichend vertraut bin. Was mich aber massiv stört, ist der Zeitpunkt – und genau dieser Aspekt wird mir bislang zu wenig beleuchtet. Deshalb dazu meine Meinung:
Es gibt legitime Interessenkonflikte. Aber es gibt auch Momente, in denen Anstand, Maß und Selbstdisziplin verlangen, den größtmöglichen Schaden gerade nicht im symbolisch wichtigsten Augenblick herbeizuführen. Ein Streik in dieser Woche ist für mich keine normale Interessenvertretung mehr, sondern Ausdruck einer schlechten Haltung: ohne Anstand, ohne Taktgefühl, ohne Sinn für Verhältnismäßigkeit, dafür mit Rücksichtslosigkeit und moralischer Verarmung. Wer so handelt, zeigt nicht Größe, sondern innere Abkehr. Er macht deutlich, dass ihm nicht nur der Gegner, sondern auch das eigene Haus gleichgültig geworden ist. Dann wäre es ehrlicher, die Konsequenz zu ziehen und zu gehen.