Woher bekommt ein 13-, 15- oder 17-Jähriger überhaupt das Material, aus dem er sich so ein Weltbild baut?
Die Familie ist dabei nicht die einzige Sozialisationsinstanz.
Gerade Jugendliche suchen Zugehörigkeit, Abgrenzung, Provokation, Anerkennung und Identifikationsfiguren außerhalb des Elternhauses.
Rechtsextreme Jugendkulturen haben genau daran schon lange angeknüpft; früher waren etwa Musik, Kameradschaft und bestimmte Szenen wichtige Einstiegsräume.
Heute sind soziale Medien ein zusätzlicher, enorm wirkmächtiger Raum dafür.
Ein Jugendlicher muss gar nicht auf „Nazipropaganda.de“ gehen. Er schaut einem Typen zu, den er lustig oder cool findet. Der macht einen „ironischen“ Witz über Ausländer.
Dann einen über Juden. Dann erzählt er, die Medien würden sowieso lügen.
Andere in den Kommentaren applaudieren. Ein zweiter Creator sagt Ähnliches. Irgendwann sind bestimmte Begriffe und Vorstellungen nicht mehr schockierend, sondern Bestandteil der normalen Onlinewelt dieses Jugendlichen.
Dass soziale Medien Radikalisierungsprozesse beschleunigen und entsprechende Diskussionsräume schaffen können, ist auch Gegenstand aktueller Forschung.
Grüße
Die Systemhure