Einen Schluss den ich zu keinem Zeitpunkt getroffen habe. Viele Leute die es in Deutschland geschafft haben, sehen keinen Grund Deutschland zu verlassen.
Deine Logik, nicht meine. Es handelt sich nicht um reversible Bedingungen.
Es ist meine persönliche Erfahrung, nachdem ich deutlich mehr als 20 Jahre in 6 verscheidenen Ländern gelebt und gearbeitet habe und hunderte von Auswnderren kennengelernt habe. Die Expatgemeinschaft ist sehr aktiv und offen, gerade an Orte wie Singapur und KL.
Auch das gibt es, ist aber nach meinen Beobachtungen eher die Ausnahme. Viel haeufiger habe ich gesehen, dass auch Menschen die in Detschland erfolgreich waren es trotzdem im Ausland nicht geschafft haben.
Man kann auch mit Familie auswandern, und sich aus der Ferne um seine älter werdenen Eltern kümmern. Das weiss ich nicht nur aus eigener Erfahrung, sondern auch von vielen Freunden und Bekannten in der gleichen Situation. Deutschland ist nie weiter als 24 Stunden entfernt, aber es ist halt eine gern genutzte Ausrede, für Leute die ein grosse Klappe haben, aber wenig dahinter.
100% Zustimung. Du warst es, der sagte dass er die Zelte in Deutschland abbrechen will, nicht ich.
Das stimmt.
Ich glaube, wir drehen uns inzwischen etwas im Kreis. Deshalb vielleicht einmal zusammengefasst, worum es mir eigentlich ging:
Ich habe nie behauptet, dass Auswandern nichts mit Mut, Resilienz oder persönlicher Stärke zu tun hat. Natürlich kann es das. Ebenso wenig bestreite ich deine mehr als 20 Jahre Erfahrung in verschiedenen Ländern oder dass du dabei viele Auswanderer kennengelernt hast. Das ist deine persönliche Erfahrung und die spreche ich dir auch nicht ab.
Was ich kritisiert habe, ist die Verallgemeinerung. Aus deiner Erfahrung, dass du häufiger erlebt hast, dass Menschen im Ausland nicht erfolgreich waren, folgt nicht automatisch, dass das für Auswanderer generell gilt. Genauso wenig folgt daraus, dass Menschen, die in Deutschland bleiben, weniger mutig oder weniger resilient sind.
Vor allem stört mich die Formulierung von der „großen Klappe, aber wenig dahinter“. Denn damit verlässt man die Ebene einer persönlichen Beobachtung und bewertet Menschen, deren individuelle Lebensumstände man überhaupt nicht kennt.
Und genau da sind wir bei meinem persönlichen Beispiel: Mein Vater ist pflegebedürftig und hat eine Pflegestufe. Für mich ist das keine vorgeschobene „Ausrede“, sondern eine reale Verantwortung. Dass du selbst oder Menschen aus deinem Umfeld es schaffen, sich aus dem Ausland um ältere Eltern zu kümmern, mag sein. Daraus folgt aber nicht, dass dieselbe Lösung für jeden anderen Menschen genauso sinnvoll oder verantwortbar ist. „Deutschland ist nur 24 Stunden entfernt“ beantwortet eben nicht die Frage, was persönliche Anwesenheit, Pflege, Verantwortung und Nähe im Alltag bedeuten.
Ich habe außerdem nie gesagt, dass jeder, der auswandert, automatisch mutig und erfolgreich ist. Das war eine Zuspitzung, um zu zeigen, wie wenig sinnvoll es ist, Auswanderung oder Verbleib in Deutschland pauschal mit bestimmten Charaktereigenschaften zu verbinden.
Letztlich können wir beide unsere Erfahrungen haben und daraus unterschiedliche Schlüsse ziehen. Du hast deine Erfahrungen in sechs Ländern, ich habe meine Perspektive und meine persönlichen Gründe. Beides darf nebeneinanderstehen.
Und ja: Große Worte helfen wenig. Da stimme ich dir zu. Am Ende zählt, was jemand tatsächlich aus seinem Leben macht – und das sollte man vielleicht jedem selbst überlassen, ohne ihm vorschnell zu unterstellen, er habe „eine große Klappe und wenig dahinter“.