
Danke für deine Antwort.
Es ist irgendwie schade, das sich so viele von der gerade vorherrschenden destruktiven Strömung so nach unten ziehen lassen, ohne überhaupt den Versuch zu unternehmen, etwas dagegen zu tun.
WAS soll ich denn bitte deiner Meinung nach tun? Ich kann bei Wahlen nur die Partei wählen, die
meine Interessen am ehesten vertritt, in der Hoffnung, dass sich dadurch etwas zum Besseren verändert.
Aber ganz ehrlich: Auf lange Sicht kann und will ich mir dieses Elend hier nicht mehr geben. Genauso wenig wie das, was wir für unser hart verdientes Geld inzwischen als „Gegenleistung“ bekommen.
Als ich noch ein Kind war, hat mein Opa mal zu mir gesagt: „Weißt du, wie du erkennst, ob ein Land arm oder reich ist? Schau dir die Straßen und Brücken an.“
Heute verstehe ich, was er damit gemeint hat. Wenn ich mir den Zustand vieler Autobahnen, Brücken und Straßen in Deutschland anschaue, frage ich mich schon, wo die ganzen Steuergelder eigentlich bleiben. Selbst die Niederländer scheinen uns in Sachen Straßenbau vielerorts voraus zu sein.
Und genau deshalb verstehe ich nicht, warum es verwerflich sein soll, über einen Wegzug nachzudenken. Es gibt 195 Länder auf dieser Welt. Warum sollte ich langfristig ausgerechnet dort bleiben, wo ich für mein hart erarbeitetes Geld gefühlt immer weniger Gegenwert bekomme?
Nur weil man hier geboren wurde oder, wie in meinem Fall, hier aufgewachsen ist, ist man doch nicht verpflichtet, für immer hierzubleiben und alles kritiklos hinzunehmen! Man kann Missstände ansprechen, wählen gehen und trotzdem irgendwann für sich selbst die Konsequenzen ziehen. Ich schulde diesem Land einen Scheiß!
Ich komme mir mittlerweile völlig verarscht vor, wenn ich sehe, was unsere Politiker mit uns machen. Für mich wird der Amtseid vieler Politiker jeden Tag aufs Neue zur Farce. Soll ich das etwa toll finden? Und dann kommt Merz um die Ecke und vermittelt einem sinngemäß, man sei zu faul und würde zu oft krankfeiern.
Mich hat letztens ein Bekannter gefragt, warum ich keine Familie gründe, also nicht heirate und keine Kinder bekomme.
Machst du Witze? Unter diesen Umständen fällt es mir schwer, langfristig hier meine Zukunft zu sehen und eine Familie aufzubauen.
Ich will in einem Land leben, in dem Leistung anerkannt, respektiert und angemessen honoriert wird. Wo es sich noch lohnt, GAS zu geben, und wo man auch Spaß daran hat, etwas zu erreichen. Aber genau dieses Gefühl ist mir in Deutschland schon lange abhandengekommen.
Ich habe letztens die Gehaltsabrechnung eines Bekannten gesehen, der monatlich 13.000 bis 14.000 Euro brutto verdient. Mir ist beim Anblick der Abzüge richtig schlecht geworden. Da fragt man sich schon, in welchem Verhältnis die Belastung noch zu dem steht, was einem am Ende tatsächlich bleibt.
Vielleicht ist genau das der Punkt: Nicht jeder, der über Auswandern nachdenkt, lässt sich von einer destruktiven Strömung nach unten ziehen. Manche ziehen einfach ihre eigenen Schlüsse aus dem, was sie erleben.