Vor allem wenn sie dann so schlecht gemacht wurden wie die ersten ID3 und ID4 von VW
ich verstehe den Hang mancher Produktdesigner, Dinge "fancy" zu machen, nicht. Oder frage mich, ob die ihre Autos eigentlich ernsthaft in der Praxis testen.
Derartige Beispiele sind kein Problem von Elektromobilität, die gab und gibt es schon immer. Und auch außerhalb von Autos.
Unser aktueller KIA EV6 GT: Die Lautstärke und die Klimatemperatur Fahrerseite teilen sich einen Drehregler (m.w. bei vielen KIA-Modellen, egal welcher Antrieb). Und dann gibt es einen (noch dazu dämlich beschrifteten und - weil Touch - nicht blind zu findenden) Umschalter, mit dem man die ganze Leiste an Bedienelementen von "Klima" auf "Audio" umschalten kann. Also: Auch als Beifahrer nutzt man den Schalter an der Lenkradfernbedienung.
Unser früherer Skoda Enyaq - tolles Auto, auch die Bedienung war super, für alles wichtige gab es Tasten. Aber die Lautstärke konnte man über einen Touch-Slider steuern, der über die ganze Breite unter dem Hauptdisplay verlief und nicht als Bedienelement erkennbar war. Hat mehrere Wochen gedauert, bis wir das durch Zufall rausgefunden haben, bis dahin hatte auch der Beifahrer die Lautstärke immer per Lenkradfernbedienung justiert. Wenn man das einmal wusste - prima. Aber wenn mal jemand fremdes das Auto fuhr, war die Verwirrung groß.
Siemens (später Unify) hatte bei ihren Telefonanlagen-Tischtelefon "OpenStage 60" auch mal so einen fancy Lautstärke-Regler. Aber der war immerhin beleuchtet und als Bedienelement erkennbar und zeigte wie ein Fortschrittsbalken an, wie die Lautstärke eingestellt war. Haben trotzdem viele Kunden nicht kapiert. Diese Telefone hatten aber auch, weil es fancy war, keine Gabel, um zu merken ob man den Hörer abgehoben hat, sondern eine Lichtschranke. (Und das war schon der zweite Versuch von fancy, die Vorgänger hatten irgend einen Magnet-Kontakt, die haben es "so" bemerkt. Fanden die Kunden doof, weil man bei besetzt nicht mit dem Finger auf die Gabel tippen konnte, um neu zu wählen. Also wurde es verbessert in Form einer Lichtschranke). Und dann stellst Du dem Kunden ein hochpreisiges Profi-Tischtelefon hin und erklärst ihm, dass das jetzt endlich (anders als beim Vorgänger) nicht nur fancy ist, sondern er auch mit dem Finger auflegen kann. Und dann ruft der Kunde Dich eine Woche später an, weil sein Telefon kaputt ist: Immer wenn die Sonne ungünstig auf das Telefon scheint, ist die Lichtschranke blind und merkt nicht, dass der Kunde den Hörer abgehoben hat...
Zurück zu Autos: Ich hatte schon Mietwagen, wo die Start-Stop-Automatik an jeder Ampel die Freisprecheinrichtung ausgeschaltet hat (und man zum Handy greifen musste). Oder solche, bei denen sich die "Restreichweite Diesel" und die "Entfernung zum Navi-Ziel" eine Position im Display geteilt haben. Auf einer "ich fahre sechs Stunden ohne Pause durch Deutschland-Dienstreise" (ja, sowas hab ich auch schon mal gemacht) wollte ich wissen, ob ich nachts noch tanken muss oder es bis nach Hause schaffe und musste alle halbe Stunde dann die Navigation abbrechen, die Reichweite ablesen und dann das Navi wieder starten.
Wer baut sowas?
(Wie gesagt, das ist kein Problem von E-Autos. Aber die sind tendenziell moderner und darum ist das Risiko von fancy Mist größer)