In meinen Augen ist es einen Wohnort wegen günstiger Personalkosten zu wählen, eine Milchmädchenrechnung. Auch die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten eines Landes bringen einem wenig, wenn man nicht durchschnittlich leben möchte. Hier müsste man sich seinen persönlichen Warenkorb zusammenstellen, um diese Entscheidung aus Kostengründen zu treffen. Ich kann für mich, nach 17 Jahren Ukraine, sagen, dass ich, wenn ich alles einbeziehe, nicht weniger Geld als in Deutschland ausgebe.
Auf Deine Perspektive habe ich gerne gewartet. Ich gebe Dir völlig recht, man kann das nicht verallgemeinern, gerade in Ländern mit hohem Wohlstandsgefälle. Ukraine ist für mich ein Klassiker. Wir waren vor 14 Tagen in der Ukraine in einem Dorf 1 Stunde von Chernivtsi, Unsere dort lebenden "Patenkinder" haben ungefährt 2000 Hrywnja im Monat zum Leben, seit einem Jahr fließendes Wasser und im Winter ist es scheiße kalt. Maria geht im Sommer zur Ernte nach Polen und findete die 60 bis 80 PLN am Tag echt ganz tolles Geld. Die würde sich mit deutschem Mindestlohn als Millionärin fühlen und jeder deutsche Harz4er könnte sich dort zwei ukrainische Hausmädchen leisten. So nett aber noch Chernivtsi ist, in diesem Kaff eine Stunde entfernt möchte ich nicht begraben sein. Und mein Hund auch nicht. Also hilft das Wohlstandsgefälle keinem.
Schaue ich mir Kyiv an und meine zugegeben begrenzte Erfahrung aus SU Zeiten und später in unserem dortigen Büro ander Zhylyanska an, so war mein Eindruck, dass der Leben als Expat in der Ukraine finanziell durchaus vergleichbar ist mit dem Leben in Berlin oder Warschau wiel nämlich alles was Spaß macht (mit Ausnahme von Wodka und anderen Genussmitteln) importiert werden muss.
Das ist erfreulicherweise der Unterschied zu Südafrika. Das Land war in Apartheid Zeiten darauf angewiesen, weitgehend autark zu sein. Hier wird so gut wie alles produziert. Das Land schützt zudem die heimischen Industrien durch schroffe Zölle und so gibt es dann - Du sprachst die Autos an - eine südafrikanische Automobilindustrie. Zugegeben, vielleicht nicht die Autos, die
Du willst, die aber gut fürs Land passen. Zahlreiche Produkte, die ich weiter kaufen kann, kommen aus Südafrika oder aus dem südlichen Afrika. Das gilt für Lebensmitteln, Kleidung etc. Und die Quaitätsstandards sind hoch. Und was die Währung angeht: der ZAR ist ziemlich eine Binnenwährung (für das südliche Afrika). Die Kaufkraft im Land ist hoch, außerhalb macht sich dann das Gefälle bemerkbar. So kam es dann, dass in den Zeiten als Herr Schörghuber noch unter den Lebenden und aktiv in SA weilte, dass Paulaner in Südfrika mit Blick auf den Tafelberg deutlich billiger war als im Münchner Biergarten.
Lebe ich da mit lokalem Einkommen, sind die Preise hoch. Lokale Produkte im Supermarkt liegen bei 50 bis 100 Prozent von dem was sie hier kosten. Und auch eine lokale weiße Verkäuferin hat vielleicht 600 EUR im Monat. Alles allerdings, was Dienstleistungen einschließt, geht in eine sehr andere Richtung. Da bist Du schnell bei den Restaurantpreisen, wo Du Qualität wie in jeder europäischen Hauptstadt zu 1/3 des Preises hast. Grundstücke, Häuser sind dann bei einem Bruchteil. Gehe ich eine Stunde raus aus Kapstadt in die Touristenhochburg Hermanus, kostet ein Haus in Wasserlage trotzdem nur 300 bis 500k Euro - In Sylt würdest Du das zehnfache zahlen.
Kurz und gut: Jeder Jeck ist anders und ich bin, auch wenn ich mein Unternehmen nicht in noch recht jugendlichem Alter gewinnbringend verkaufen konnte, sicher kein Milchmädchen. Aber in die Ukraine würde ich schon wegen des Wetter nicht gehen (auch wenn die Mädel wie man bei Dir sieht sehr hübsch aber sicher auch teuer sind).