Ich bin mir ziemlich sicher, dass bei der Abnahme auch alles ok war. Was danach passiert, ist ein anderes Thema.
Jein. Man kann am fertigen bzw. fast fertigen Produkt 2 Arten von Abnahmen durchführen:
a) die des Qualitätsprüfers, der penibel mit den Engineering-Dokumenten rumrennt und jedes einzelne Maß, jede Oberfläche etc. kontrolliert
b) du lässt die Engineering-Dokumente beiseite und prüfst auf Funktionalität und ansonsten verschaffst Du Dir einen Eindruck und prüfst stichprobenweise
Schönes Beispiel aus der Schiffbaubranche:
Ich renn durch ein Deck und stoße mit dem Helm an herausstehende Sprinkler, jeweils nur 2 an den Enden der beiden Gänge. Der zur Abnahme einladende Betriebsingenieur zeigt mir auf der Zeichnung, dass das - warum auch immer - so gezeichnet ist und meint, er hat damit alles richtig gemacht. Dreimal darfst Du raten, was passiert
a) ich nehme das ab, weil so gezeichnet
b) das ist ohne weitere Diskussion in der nächsten Nacht geändert - und wird nur bei einem Serienprodukt noch im Engineering zur Änderungsmitteilung..
Idealerweise prüfst Du alles, aber man darf b) nicht außer Acht lassen. Wenn dann keine Trennwände hochfahren und ich Spannungen im auflaminierten Material sehe ist klar, dass das nicht lange hält.
Wenn ich dann nur Punkte aufschreiben kann, die später kommerziell verwertet werden und der „Prozess“ mich da einschränkt wäre ich falsch in dem Job bzw. der Prozess muss geändert werden damit letztlich nicht nur ein billiges sondern vor allem ein brauchbares Produkt herauskommt. Natürlich im Bereich des vereinbarten Qualitätsniveaus des fertigen Produktes - aber das ist bei Airline normalerweise keine Hexerei und die Vorstellungen sind nicht derart, dass man auch in Eco First-Maßstäbe ansetzt.
Aber es gibt leider immer mehr Menschen, die da nur ihren Job machen und sich da sklavisch an Responsibility Matrix halten - Konzerne sind berühmt dafür.
Was die Genauigkeit der Prüfung angeht:
Als absurd sehe ich das nicht an. Für den Laien häufig überraschend.
Ich kenn im Yachtbau auch Projekte, wo mit leicht autistischer Begabung erkannt wird, ob die Silikon-Eckrundung um einen Fußsockel an nur einer Ecke mit r=4 oder mehr r=3 mm ausgeführt wurde - optisch aus 2 m Entfernung, ohne Schablone.
Und man legt auch Teppich aus damit beim Einziehen der Anker die Edelstahl-Ankerklüse nicht zerkratzt.
Alles für den (Foto-)Moment, später rutscht der Anker natürlich bestimmungsgemäß über die Klüse und verursacht Kratzer/Rostspuren etc.
Warum man aber das Produkt in der Mockup-Phase ohne Zertifizierung für Materialeinkauf, Produktion und Einbau freigibt werde ich nicht verstehen.
Ich hab das Gefühl, als wäre da was im Projekt Allegris-Kabine - konkret in den Teilprojekten C&F - irgendwo zwischen Budget, Budgetverfügbarkeit zu bestimmten Zeitpunkten und Zeitplan daneben gegangen - mit dem Ergebnis einer Drucksituation im Projekt, die zu Entscheidungen wie der Teileinführung von Allegris ohne First und fehlender Zulassung auf einzelnen Mustern führen. Ich beneide niemanden um diese Situation.
Was Lebensdauer angeht so ist das zunächst eine Frage der Materialauswahl, aber auch der Verarbeitung. Die Materialauswahl wird spätestens mit der Mockup-Abnahme entschieden - da steht auch an jeder Entscheidung ein Preistag. Und natürlich muss das ganze geringfügig anpassbar sein, jedes Flugzeug ist letztlich in der Gesamtheit ein Unikat - meint, man muss mit Toleranzen umgehen können.